• The Wall Street Journal

Facebooks Status: besser

    Von EVELIN M. RUSLI
Associated Press

Facebook-Chef Mark Zuckerberg sagt, dass es dem Unternehmen momentan nicht um die Maximierung von Gewinnen gehe. Er will den "aggressiven" Investitionskurs fortsetzen.

Facebook knöpft Anzeigenkunden für Werbung auf mobilen Geräten immer mehr Geld ab, aber es reicht trotzdem nicht, um sich von den Erwartungen an der Wall Street frei zu machen.

Für das vierte Quartal meldete das weltgrößte soziale Netzwerk am Mittwoch einen Umsatzsprung um 40 Prozent auf 1,59 Milliarden US-Dollar. Zudem stiegen die Werbeeinnahmen so stark wie im gesamten vergangenen Jahres nicht. Das mobile Geschäft lief besonders gut. Offensichtlich zahlten sich neue Angebote für Werbekunden aus, Verbraucher noch gezielter anzusprechen.

Auch bei den Mitgliederzahlen legte das soziale Netzwerk zu. Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer stieg im Dezember auf 1,06 Milliarden. Das waren 25 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Etwa 618 Millionen Nutzer waren im letzten Monat des Quartals täglich online. Das bedeutete ein Plus von 28 Prozent.

Der Gewinn sank allerdings um 79 Prozent, belastet durch die vielen Ausgaben für neue Initiativen und Mitarbeiteraktien. Die Ergebnisse lagen im Rahmen der Analystenvorhersagen.

Handy-Anzeigen: Sprung von 14 auf 23 Prozent

Der Mobiltrend ist Facebooks wichtigste Baustelle. Einst als Schwäche betrachtet, trauen Marktbeobachter dem Bereich mittlerweile ein enormes Potenzial zu. Entsprechend stark beäugten Analysten und Anleger diesen Bereich. Im Berichtsquartal steigerte Facebook im Vergleich zum Vorjahr seine Werbeeinnahmen insgesamt um 41 Prozent auf 1,33 Milliarden Dollar. Anzeigen auf mobilen Geräten machen 23 Prozent davon aus. Im Vorquartal lag der Anteil der Mobilwerbung noch bei 14 Prozent.

„Es lässt sich heute nicht bestreiten, dass Facebook ein mobiles Unternehmen ist", sagte Konzernchef Mark Zuckerberg im Telefongespräch am Mittwoch.

[image] dapd

Facebook hat am Mittwoch die Zahlen für das vierte Quartal vorgestellt und ist demnach kräftig auf dem Markt für mobile Anzeigen gewachsen.

Anleger nahmen die neuesten Zahlen dennoch lauwarm auf; sie hatten ihre Erwartungen gerade erst wieder in die Höhe geschraubt. Kurz nach Bekanntgabe der Ergebnisse sank der Börsenkurs des Unternehmens nachbörslich um rund 5 Prozent, erholte sich dann wieder und notierte später knapp 3,5 Prozent niedriger bei 30,15 Dollar. Nach einem erheblichen Kurssturz im vergangenen Jahr hatten sich Facebooks Aktien seit September wieder um 70 Prozent erholt.

Einige Analysten reagierten auf Facebooks Wachstum im Bereich der mobilen Werbung eher verhalten. Richard Greenfield, Analyst beim Broker BTIG, verwies auf Facebooks mobile Werbeeinnahmen von rund 3 Millionen Dollar pro Tag am Ende des dritten Quartals – etwas mehr als das, was das soziale Netzwerk im vierten Quartal erwirtschaftete.

Lauwarme Reaktion von Analysten und Anlegern

„Obwohl sie die Menge der Anzeigen im mobilen Nachrichtenfluss erheblich gesteigert haben, scheint sich die Wachstumsrate verlangsamt zu haben", sagte Greenfield. Während der Telefonkonferenz erklärte das Unternehmen, dass das Geschäft mit mobiler Werbung nach wie vor in den Kinderschuhen stecke.

Die Ergebnisse hätten unterhalb der besten Erwartungen gelegen, sagte Jordan Rohan, Analyst beim US-Finanzdienstleister Stifel Nicolaus. Er selbst beurteilte Facebooks bisherigen Fortschritt jedoch optimistisch.

Seit dem enttäuschenden Börsengang im Mai vergangenen Jahres prangern Analysten die fehlende Mobilstrategie von Facebook an. Der Konzern setzt alles daran, diese Lücke zu schließen und mehr Anzeigen auf Smartphones und Tabletcomputern zu verkaufen. Facebook hat eine ganze Reihe neuer Produkte entwickelt, darunter Sofortnachrichten-Apps für Smartphones und neue Werbeformate. Erst in diesem Monat stellte das Unternehmen eine neue Suchmaschine namens Graph Search vor, die eine wichtige Stütze im mobilen Werbegeschäft sein soll.

Laut Facebook wählten sich Ende Dezember 680 Millionen Nutzer direkt über die Smartphone-App auf die Netzwerkseite ein – 57 Prozent mehr als noch im Vorjahr.

„Vor zwei Quartalen hatten wir überhaupt noch keine mobilen Einnahmen. Wir fangen gerade erst an", sagte Finanzchef David Ebersman in einem Interview.

Nach Angaben der Marktforschungsfirma Emarketer hat sich das Geschäft mit mobiler Werbung seit vergangenem Jahr auf 4 Milliarden Dollar fast verdreifacht und dürfte im Jahr 2013 auf mehr als 7 Milliarden Dollar klettern.

Manager aus der Werbebranche sagen, dass Facebooks mobile Werbestrategie an Fahrt gewinne. „Es gab definitiv eine positive Veränderung", sagte Colin Kinsella, Chef der Werbeagentur Digitas North America.

Gezielt Nutzer mit Anzeigen bombardieren

Während des Konferenztelefonats erläuterten die Facebook-Vorstände außerdem, wieviel leichter es für Werbekunden geworden sei, entscheidende Zielgruppen zu erreichen. Erfolgreich laufe etwa das im September gestartete Programm „Facebook Exchange", mit dem Werber das Internetverhalten von Facebook-Nutzern verfolgen und diese anschließend mit entsprechenden Anzeigen bombardieren können. Die Anzeigen der mehr als 1.300 Werbekunden auf dieser Plattform würden täglich rund 1 Milliarde Mal geklickt.

Facebook aber muss vorsichtig vorgehen: Das Unternehmen könnte mit einer allzu aggressiven Werbestrategie seine Mitglieder vergraulen.

Während der Telefonkonferenz warnte Facebook-Chef Zuckerberg die Anleger, ihre Erwartungen an neue Geschäftsbereiche des Unternehmens – etwa den Online-Geschenkehandel – nicht zu hoch zu hängen. Er sagte, Facebook werde weiter „aggressiv" investieren, vor allem in neue Mitarbeiter. Im vierten Quartal waren die Ausgaben gegenüber dem Vorjahr bereits um 82 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar gestiegen.

„Wir arbeiten in diesem Jahr nicht daran, unseren Gewinn zu maximieren", sagte Zuckerberg. „Wir machen, was wir für richtig halten, um langfristig die beste Dienstleistung und das beste Geschäft aufzubauen."

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