• The Wall Street Journal

Britische Banken müssen Kunden Schadenersatz zahlen

    Von MARGOT PATRICK und MAX COLCHESTER
[image] dapd

Lloyds, Barclays, HSBC und RBS haben laut der britischen Finanzaufsicht Produkte verkauft, deren Risiken die Käufer nicht verstanden hätten.

Die vier größten britischen Banken werden kleinen Geschäftskunden wahrscheinlich hunderte Millionen britische Pfund an Schadensersatz zahlen müssen. Sie müssen dafür büßen, dass sie die Kunden nicht ausreichend über komplexe Zinsabsicherungsprodukte informiert haben.

FSA: "Von Gier getrieben"

Die Finanzaufsicht FSA hatte sich im vergangenen Jahr 173 dieser zur Absicherung gegen Zinsbewegungen kreierten Produkte angeschaut und ernste Missstände bei der Vermarktung festgestellt. Die regulatorischen Vorgaben seien in mehr als 90 Prozent der Verkäufe verletzt worden. Viele Kunden hätten die Risiken nicht verstanden, und das Endprodukt habe ihre tatsächlichen Anforderungen nicht immer erfüllt. Die Banker seien von Gier getrieben worden, und hätten wegen der Provisionen den Kunden Produkte verkauft, die am tatsächlichen Bedarf vorbeigingen.

Der Behörde zufolge werden Barclays, HSBC Holdings, Lloyds Banking Group und Royal Bank of Scotland Group sich die einzelnen Deals nun anschauen und die Kunden gegebenenfalls entschädigen. Jeder einzelne Fall würde an einen unabhängigen Experten übergeben, so die FSA. Eine erste Überprüfung war bereits im Juni 2012 eingeleitet worden.

Analysten schätzen, dass die vier Banken seit 2001 insgesamt 28.000 Absicherungsprodukte verkauft haben. Die Entschädigungen könnten sich auf hunderte Millionen Pfund belaufen.

Die britischen Banken kämpfen bereits seit zwei Jahren immer wieder mit Skandalen, die auf die Ergebnisse drückten und ihren Ruf schädigten. Die Institute haben bereits rund 13 Milliarden Pfund dafür gezahlt, dass sie ihren Kunden sogenannte Payment Protection Insurances (PPI) ohne ausreichende Beratung angedreht haben. Die PPI sollten sie für den Fall absichern, dass sie bei Arbeitslosigkeit oder Krankheit ihre Kreditkartenrechnungen und Hypothekenkredite nicht mehr hätten zahlen können.

Einige Banken sind zudem in eine weltweite Untersuchung von mutmaßlichen Zinsmanipulationen verwickelt. Barclays hat sich aus dieser Überprüfung durch die Zahlung von 453 Millionen US-Dollar herausgekauft. RBS dürfte sich in den kommenden zwei Wochen mit den Behörden einigen.

Angesichts des Ausmaßes warnte ein Ausschuss der Bank of England im November, dass die Banken möglicherweise nicht genügend Rückstellungen für Kosten im Zusammenhang mit Fehlverhalten gebildet hätten und forderte die FSA auf, die Kapitalausstattungen zu überprüfen.

Weitere Banken müssen vor Strafzahlungen zittern

Die komplette Überprüfung des jüngsten Fehlberatungs-Debakels dürfte 6 bis 12 Monate dauern. Barclays hat im vergangenen Jahr für mögliche Schadensersatzforderungen rund 450 Millionen Pfund zurückgelegt, bei RBS und HSBC ist die Summe geringer. Lloyds rechnet mit "unbedeutenden" Kosten.

Die FSA hat sich noch weitere Banken angeschaut und auch diese zu Überprüfungen bis zum 14. Februar aufgefordert. Dazu zählen Allied Irish Bank, Bank of Ireland, National Australia Bank, Clydesdale and Yorkshire Banks, Co-Operative Bank und die britische Tochter der Banco Santander SA. Die FSA schätzt, dass in Großbritannien insgesamt rund 40.000 Zins-Swap-Produkte verkauft worden sind.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Fußball-WM

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.