• The Wall Street Journal

Tennet-Chef rechnet schon bald mit weiteren Investoren

    Von BEATE PREUSCHOFF

BERLIN--Der Netzbetreiber Tennet rechnet mit weiteren Erfolgen bei der Investorensuche und wird noch in diesem Jahr in die Stromnetzanbindung Dolwin3 investieren. "Die Entscheidungsprozesse für Dolwin3 gehen in die Endphase", sagte TenneT-Chef Lex Hartman im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland in Berlin. Mit Investitionen in das Projekt sei in jedem Fall noch in diesem Jahr zu rechnen.

Auch bei der Suche nach weiteren Investoren macht Tennet, zweitgrößter deutscher Netzbetreiber nach Amprion, nach eigenem Bekunden Fortschritte. Nach wie vor gebe es allerdings keine Gespräche mit der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) über deren Einstieg als Investor bei Tennets Offshore-Anbindungsprojekten. "Solche Gespräche gibt es nicht", sagte Hartman. Dabei könnte eine Beteiligung der KfW aus Sicht des Tennet-Chefs helfen, weitere Investoren zu gewinnen.

dapd

Der Geschäftsführer von Tennet Deutschland, Lex Hartman, hier mit Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU, r.) rechnet mit baldigen Erfolgen bei der Investorensuche.

"Für die anderen Investoren wäre es das Signal, dass die Regierung dahintersteht und das Risiko als überschaubar betrachtet", sagte Hartman. "Wenn die KfW einsteigen sollte, müsste das allerdings schon mit einem substanziellen Betrag sein, der tatsächlich auch als starkes Signal zu verstehen wäre", sagte Hartman. Zehn Millionen Euro wären sicher kein solcher Betrag. Zwar sei ein KfW-Einstieg nicht notwendig, um die weitere Finanzierung zu stemmen, aber er könne Investoren Sicherheit geben, zeigte sich Hartman überzeugt.

Vor gut zwei Wochen sei Mitsubishi als Investor mit ins Boot geholt worden. Das sei ein "absolut positives Signal" gewesen. Es sollte daher kein Problem darstellen, auch für die noch ausstehenden sechs Projekte Investoren zu finden. "Wir sind in Gesprächen mit Investoren aus dem In- und Ausland, die sehr interessiert sind, und ich hoffe, dass es in den kommenden Monaten zu Abschlüssen kommt", sagte Hartman.

Seriöse Investoren mit eigenem Kapital gesucht

Tennet hatte mit dem japanischen Mischkonzern Mitsubishi einen Finanzinvestor gefunden, der sich mit einer halben Milliarde Euro am Offshore-Netzausbau in Deutschland beteiligen will. Insgesamt wird Mitsubishi 576 Millionen Euro zu vier Netzanbindungsprojekten des niederländischen Netzbetreibers Tennet beisteuern.

Namen möglicher weiterer Geldgeber nannte Hartman nicht. Es handele sich um Investoren, die ein längerfristiges Engagement in Aussicht stellten, und bereit seien, mit nennenswerten Beiträgen einzusteigen, die eher im Milliarden- als im unteren Millionenbereich lägen. Die Zahl konkreter Interessenten sei überschaubar. "Von zwei zu sprechen, wäre zu wenig, von zehn zu sprechen, wäre zuviel", sagte Hartman. Tennet sei jedoch nicht auf der Suche nach vielen Investoren, sondern solchen, die in der Lage seien, viel Kapital möglichst projektbezogen einzubringen.

Angesichts der Milliardeninvestitionen, die in der Zukunft anstünden, gehe es um größere Summen. "Es sollen seriöse Investoren sein, die selbst Kapital haben, es sollen keine Investoren sein, die lediglich für andere vermitteln", sagte der Tennet-Chef. Dass es noch etwas dauern werde, bis weitere Investoren vorgestellt werden könnten, führt Hartman darauf zurück, dass das Haftungsgesetz für Offshore-Windparks erst seit Anfang des Jahres gelte und damit jetzt erst klar sei, wie sich das Verhältnis von Rendite und Risiko gestalte.

Um das Vertrauen von Investoren in die Projekte zu stärken, hatte die Bundesregierung Ende 2012 ein Haftungsgesetz für die Offshore-Anbindung verabschiedet, das die Risiken für Netzbetreiber und Investoren zu Lasten der Steuerzahler begrenzt.

Tennet lange Zeit finanziell überfordert

Tennet war lange Zeit damit überfordert, den Anschluss von Windparks in der Nordsee an das deutsche Stromnetz finanziell zu stemmen und bereits seit Monaten auf der Suche nach privaten Investoren. Nach Ansicht des Unternehmens schreckte die zuvor offene Frage der Haftung Kapitalgeber ab. Seit Anfang des Jahres müssen Netzbetreiber nur bis zu einer festgelegten Summe haften, wenn Windanlagen auf hoher See nicht rechtzeitig an das Stromnetz angeschlossen werden können.

Die am Mittwoch angekündigte Bürgerbeteiligung zur Finanzierung von Stromtrassen, die als bundesweit einmaliges Pilotprojekt in Schleswig-Holstein starten soll, ist auch nach Auffassung von Hartman nicht die Lösung für die Netzinvestitionen in Deutschland. Der Tennet-Chef betrachtet die gedachten "Bürgerleitungen" eher als Akzeptanzprojekt.

"Der Erfolg wird für uns nicht sein, dass 40 Millionen Euro zusammen kommen, sondern erfolgreich ist das Projekt, wenn viele Bürger mitmachen: Denn Akzeptanz bekommen wir über Beteiligung", sagte Hartman. Geplant ist, dass nur private Anleger Wertpapiere kaufen können. Der Zinssatz soll nach derzeitigen Kapitalmarktbedingungen 4,5 bis 5 Prozent betragen. Hartman rechnet damit, dass der Verkauf der Wertpapiere in frühestens zwei und spätestens fünf Monaten beginnen kann. Noch stünden einige Genehmigungen dafür aus.

Den gesamten Finanzierungsbedarf von Tennet für Offshore-Anbindungen derzeit zu beziffern, sei schwierig. Die weiteren Ausbaupläne und weitere Ausbaugeschwindigkeit stünden nicht fest. Davon aber werde der Finanzierungsbedarf abhängen, sagte Hartman. Klarheit verspricht sich der Tennet-Chef vom Offshore-Plan, der im März kommen soll. Hartman hält in diesem Zusammenhang eine erneute Diskussion über die Umsetzbarkeit der bislang festgeschriebenen Ziele für notwendig.

Bis zu 11 Mrd. Euro für Anbindung von Offshore-Windparks

"Wir sollten jetzt darüber reden, wie robust die Ziele sind", sagte der Tennet-Chef. Bisher sehen die Pläne der Bundesregierung vor, bis 2022 Offshore-Windanlagen mit einer Kapazität von insgesamt elf Gigawatt in der Nordsee zu bauen. Ein Engpass könnte sich laut Hartman bei den Windturbinen ergeben. "Viele halten es für wahrscheinlich, dass die Windturbinen-Industrie in den nächsten zehn Jahren nur in der Lage ist, sieben Gigawatt zu bauen ", sagte Hartman.

"Wie die Diskussion ausgeht, und was dann tatsächlich gebaut wird, bestimmt den Finanzierungsbedarf", sagte Hartman. Unter den gegenwärtigen Gegebenheiten müssten aber mindestens zwischen acht und elf Milliarden Euro aufgebracht werden, um die anstehenden Investitionen für die Netzanbindungen von Offshore-Windparks zu stemmen, so der Tennet-Chef.

Insgesamt arbeitet Tennet bislang an zehn Anschlussprojekten von Windparks in der deutschen Nordsee mit einer Übertragungskapazität von zusammen 5,3 Gigawatt Strom. Laut dem Netzbetreiber wurden bereits fast sechs Milliarden Euro in die Offshore-Infrastruktur investiert.

Mitarbeit: Jan Hromadko

Kontakt zum Autor: beate.preuschoff@dowjones.com

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