• The Wall Street Journal

US-Kartellwächter blockieren Union der Bier-Riesen

    Von BRENT KENDALL und JOHN KELL
Associated Press

Wettbewerbshüter wollen nicht zulassen, dass der weltgrößte Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev den mexikanischen Bierkonzern Grupo Modelo kauft.

WASHINGTON—Die geplante Übernahme des mexikanischen Herstellers von Corona-Bier durch den weltgrößten Brauereikonzern Anheuser-Busch Inbev droht überraschend an den US-Kartellwächtern zu scheitern. Am Donnerstag legte das amerikanische Justizministerium offiziell Einspruch gegen den Zusammenschluss von Grupo Modelo und der belgischen Anheuser-Busch Inbev ein. Dieser schade den amerikanischen Verbrauchern, heißt es.

Nach der Nachricht stürzten die Aktienkurse der beiden Unternehmen ab. Noch heftigere Kursverluste erlebte der amerikanische Getränkekonzern Constellation Brands, der von der geplanten Übernahme profitiert hätte.

Wird die Übernahme jetzt komplett platzen?

Experten sind nun gespalten in der Frage, ob die Union der Bierriesen überhaupt noch stattfinden wird. Brauereikozern AB Inbev hatte das Megageschäft im Wert von 20,1 Milliarden US-Dollar bereits im vergangenen Sommer angeleiert in der Hoffnung, sich im rasch wachsenden mexikanischen Markt ein solideres Standbein zu schaffen und die Markenbiere der Mexikaner – darunter das auch in Deutschland bekannte Corona Extra – weltweit besser zu verkaufen.

Sollte die Übernahme tatsächlich platzen, müsste AB Inbev der mexikanischen Grupo Modelo eine Entschädigung von 650 Millionen Dollar zahlen, besagen die im vergangenen Juni geschlossenen Verträge.

Die beiden Unternehmen hatten fest mit grünem Licht gerechnet, weil die US-Behörden schon im Jahr 2008 zwei Großgeschäfte durchgewunken hatten. Sie billigten etwa den Zusammenschluss der amerikanischen Brauerei Anheuser-Busch mit der belgisch-brasilianischen Brauereigruppe Inbev, die Marken wie Stella Artois und Beck's herstellt. Auch die Konzerne SAB Miller und Molson Coors durften in den USA ihre Geschäfte zusammenlegen.

Der amerikanische Biermarkt ist hochgradig konzentriert. AB Inbev mit Marken wie Budweiser und Bud Light ist in den USA vom Absatz her der größte Bierproduzent, Modelo der drittgrößte. Zusammen würden die beiden Konzerne rund 46 Prozent der jährlichen Bierverkäufe in den USA dominieren.

Weniger Wettbewerb zu höheren Bierpreisen

Schon jetzt hält AB Inbev einen nichtbeherrschenden Anteil von 50 Prozent an Modelo. Vorgesehen war, dass der Konzern jetzt auch die restlichen Aktienanteile von den entsprechenden mexikanischen Eigentümerfamilien in bar übernimmt.

Das aber dürfte nun vorerst nicht klappen. Nach Auskunft des leitenden Kartellwächters im Justizministerium, Bill Baer, würde die Übernahme zu „weniger Wettbewerb und höheren Bierpreisen für amerikanische Verbraucher führen". Zwar besitze AB Inbev momentan nur 43 Prozent der Stimmrechte bei Modelo. Aber eine vollständige Übernahme würde dem Konzern erheblich mehr Marktmacht geben. Schon jetzt gäbe es auf dem amerikanischen Biermarkt zu wenig Preiswettbewerb, heißt es in der Klageschrift der Behörde.

Die weltgrößten Brauereien:

AB Inbev sagte daraufhin, der Vorstoß der Behörde sei „mit dem Gesetz, mit den Fakten und der Realität am Marktplatz nicht vereinbar" und drohte damit, die Übernahmepläne vor dem Bundesgericht vehement zu verteidigen. Zudem kündigte der Konzern an, dass die Übernahme nun wohl nicht, wie gehofft, im ersten Quartal 2013 stattfinden könne.

Grupo Modelo veröffentlichte eine ähnlich lautende Erklärung. Constellation Brands meldete, seine Manager seien „enttäuscht".

Getränkekonzern Constellation Brands hätte über eine Nebenklausel im Übernahmevertrag den vollen Vertrieb und die Einfuhr der mexikanischen Modelo-Biere erhalten. Bisher wickelten Modelo und Constellation dieses Geschäft über ihr gemeinsames Joint Venture Crown Imports ab. Constellation sollte für 1,85 Milliarden Dollar mit der Übernahme aber auch den 50-Prozent-Anteil von Modelo bekommen. Diese Hoffnung hat sich nun vorerst zerschlagen.

Vertriebsdeal wäre nur Fassade gewesen

Laut Justizministerium wäre der Abtritt von Crown Imports an Constellation nur eine „Fassade" gewesen und hätte die Macht auf dem Biermarkt kaum verschoben. Noch am Mittwoch hatten sich alle Beteiligten – Konzerne und Wettbewerbshüter - zusammengesetzt und nach Alternativen gesucht. Am Ende aber hätten die Positionen „einfach zu weit auseinander" gelegen, sagte Kartellwächter Baer.

Anleger reagierten entsetzt und verkauften Constellation-Aktien aus Angst, dass der Importeur nicht die volle Kontrolle über das Corona-Marketing in den USA bekommen würde. Der Kurs stürzte um knapp 20 Prozent ab. Im vergangenen Jahr war es für Constellation an der Börse noch um 71 Prozent nach oben gegangen, weil Investoren an die Übernahme glaubten, die Constellations Jahresumsatz verdoppelt hätte.

Wettbewerbsbehörden greifen zunehmend hart durch. So zwang das US-Justizministerium im Jahr 2011 den Telekommunikationsriesen AT&T, eine geplante Übernahme seines Rivalen T-Mobile USA fallenzulassen. Europäische Kartellwächter blockierten im vergangenen Jahr die Fusion der Deutschen Börse mit der NYSE Euronext . Im Januar verabschiedete sich der Paketdienst UPS von seiner Idee, die holländische Logistikfirma TNT Express zu kaufen, nachdem europäische Behörden das Geschäft missbilligt hatten.

—Mitarbeit: Valerie Bauerlein, David Benoit und Dana Cimilluca

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