• The Wall Street Journal

Twitter bringt kleinen Unternehmen nichts

    Von EMILY MALTBY und SHIRA OVIDE

Sechs von zehn Kleinunternehmern glauben, dass soziale Medien wichtig für das Wachstum ihrer Firma seien. Am wenigsten nutze ihnen jedoch Twitter.

dapd

Twitter auf einem iPhone. Für kleine Unternehmen lohnen sich eher Business-Netzwerke und Facebook als Aktiviäten im Social Web.

Nur drei Prozent der 835 vom Wall Street Journal und Vistage International befragten Kleinunternehmer sagten, Twitter könne ihrer Firma am meisten nutzen.

Das Karrierenetzwerk LinkedIn führte die Umfrage mit 41 Prozent an. 16 Prozent fanden YouTube am nützlichsten, 14 Prozent wählten Facebook. An der Umfrage nahmen Unternehmen mit jährlichen Umsätzen von bis zu 20 Millionen Dollar teil.

Twitter beginnt kleine Unternehmer zu umwerben

Twitter fängt nach eigenen Angaben gerade erst an, kleine Unternehmen zu umwerben, die den Großteil der amerikanischen Firmenlandschaft ausmachen und für Technologiefirmen wie Google eine wichtige Einkommensquelle darstellen.

Todd DeMann, Gründer von Freshology, einer kalifornischen Firma, die kalorienreduzierte Mahlzeiten herstellt und liefert, hat verschiedene Soziale Medien getestet. Vor drei Jahren begann der 47-Jährige, auf Facebook und Twitter für sein Unternehmen zu werben. 2011 beauftragte er einen seiner 78 Mitarbeiter damit, 20 Stunden pro Woche damit zu verbringen, auf Facebook Debatten über gesunde Ernährung anzustoßen und auf Twitter Gesundheitstipps und relevante Artikel zu teilen.

2012 sei Facebook die sechstwichtigste Quelle für Nutzerverkehr auf der Internetseite seiner Firma gewesen, sagt DeMann. Die virtuelle Pinnwand Pinterest, die das Unternehmen erst seit vier Monaten nutzt, sei an 59. Stelle. Twitter sei auch nach langen Bemühungen nur an 117. Stelle. „Über Twitter kann man sich nicht sinnvoll unterhalten", sagt er.

Begrenzte Ressourcen für die Social-Media-Strategie

Kleinunternehmer haben oft nur begrenzte Ressourcen für ihre Social-Media-Strategie. ei der Umfrage gaben nur vier von zehn Unternehmern an, dass sie Angestellte haben, die sich speziell um die Sozialen Medien kümmern. Fast die Hälfte von ihnen verbringe pro Woche ein bis fünf Stunden mit Sozialen Medien, ein Drittel verbringe gar keine Zeit damit.

Ken Lopez, der seit 2011 Soziale Medien nutzt, um seine Beratungsfirma bekannter zu machen, misst den Nutzen der unterschiedlichen Kanäle an den Seitenaufrufen auf seiner eigenen Internetseite und den Umsätzen, die er dadurch generiert.

„Wir twittern zehnmal am Tag und veröffentlichen etwa genauso viele Nachrichten auf LinkedIn. Doch die beiden Kanäle liefern extrem unterschiedliche Ergebnisse", sagt Lopez, der auch Anwaltskanzleien berät.

Während der vergangenen zwei Jahre hat er zwei Tage pro Woche damit verbracht, über LinkedIn, YouTube, Facebook und Twitter mehr potentielle Kunden auf seine Internetseite zu locken. Das habe sich ausgezahlt, sagt er. Mittlerweile kämen monatlich 12.000 Besucher auf seine Internetseite. 2011 waren es noch 800. Seine Umsätze, die er über das Internet generiert hat, hätten sich verfünffacht. „LinkedIn lockt die meisten Interessenten an", sagt Lopez. „Twitter macht im Vergleich dazu nur einen kleinen Anteil aus."

Wie können Unternehmen Kunden via Twitter erreichen?

Richard Alfonsi, Vice President Online Sales bei Twitter, sagt, Twitter müsse kleine Unternehmen noch besser darüber informieren, wie der Kurznachrichtendienst ihnen dabei helfen könne, potentielle Kunden zu erreichen. Derzeit nutzten etwa 4,5 Millionen kleinere Unternehmen Twitter, ohne dass das Unternehmen auf diese zugegangen ist.

Vor etwa einem Jahr kündigte Twitter an, dass bald nicht mehr nur große Konzerne, sondern auch kleine Firmen Anzeigen auf der Seite kaufen könnten. Dadurch könnten zum Beispiel bestimmte Twitter-Nachrichten hervorgehoben oder Anzeigen auf bestimmte Nutzergruppen zugeschnitten werden. Derzeit wird das Anzeigengeschäft für kleine Unternehmen mit einer begrenzten Gruppe von Kunden ausgetestet.

Freed Maxick, eine Buchhaltungsfirma im Bundesstaat New York, gehört zu denen, die am Anzeigentest von Twitter teilnehmen können. Die Firma berichtet, dass ihre Twitter-Anzeige, die speziell auf Nutzer zugeschnitten waren, die sich für die Steuerpläne der beiden Kandidaten in der Präsidentschaftswahl interessierten, 2,1 Millionen Klicks auf ihrer Webseite generiert habe.

„Wir haben viele neue Interessenten gefunden, spannende Gespräche geführt und eine Menge Nutzer zu unserer Internetseite gelockt", sagt Emily Burns Perryman, Spezialisting für E-Marketing bei Freed Maxick.

Twitter gibt Bilanzdaten nicht preis

Twitter gibt seine Bilanzdaten nicht preis, doch die Analysefirma E-Marketer rechnet damit, dass Twitter dieses Jahr etwa 545 Millionen Dollar an Anzeigenumsätzen generiert. Vergangnes Jahr waren es noch 288 Millionen Dollar.

Facebook hat 2012 4,28 Milliarden Dollar aus Anzeigen erlöst. LinkedIn hat in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres 668,7 Millionen Dollar Umsatz gemacht, etwa ein Viertel davon mit Anzeigen, bezahlten Stellenanzeigen und anderen Marketingumsätzen. Keine der Unternehmen äußern sich dazu, wie viel dieser Umsätze von kleinen Unternehmen stammt.

Josh Weiss, 27, verbringt etwa zehn Stunden pro Woche damit, über Soziale Medien Kunden auf die Internetseite seines zehn Mann großen Unternehmens Bluegala.com zu locken, wo er Ball- und Abendkleider verkauft. Seit 2009 twittert er auch für das Unternehmen.

Das habe jedoch nicht besonders gut funktioniert. „Auf Twitter ist die Aufmerksamkeitspanne der Nutzer extrem kurz. Einkaufen will bei Twitter kaum jemand", sagt er.

Weiss sagt, er nutze Twitter mittlerweile lieber als Informationskanal, um immer über neue Modetrends und die Aktionen seiner Wettbewerber Bescheid zu wissen. Vor kurzem habe er bemerkt, dass sich Kunden von Wettbewerbern über die Versandgebühren beschwerten. Also fing er an, seine Waren versandkostenfrei anzubieten.

Anthony Saladino, Gründer des Online-Küchenausstatters KitchenCabinetKings.com, sagt, der Nachteil von Twitter sei, dass man nicht so leicht Fotos einbinden könne wie bei Pinterest oder Facebook. Firmen, die vor allem über Bilder für ihre Produkte werben, hätten dadurch einen Nachteil. Auch seine Firma lockt Kunden vorrangig mit qualitativ hochwertigen Fotos von renovierten Küchen und Bädern an.

Jeden Monat kommen zwischen 12.000 und 14.000 Nutzer über Pinterest auf seine Seite, sagt Saladino. Etwa 1000 finden über Facebook ihren Weg auf die Seite, weniger als 100 über Twitter. „Bilder sind sogar stärker als Mundpropaganda", sagt Saladino. „Kunden wollen das fertige Produkt sehen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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