• The Wall Street Journal

Bei Eon wird ab Montag unbefristet gestreikt

    Von HENDRIK VARNHOLT

Die Beschäftigten des Energiekonzerns Eon kämpfen zum ersten Mal seit der Liberalisierung des Energiemarktes mit unbefristeten Streiks für mehr Lohn. In einer Urabstimmung über den Arbeitskampf erzielten die Gewerkschaften Verdi und IG BCE jeweils Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent. Der Energieriese setzt bei den Tarifauseinandersetzung indes weiter auf Verhandlungen.

Nach Verdi-Angaben von Freitag stimmten 91,4 Prozent der eigenen Mitglieder für den Streik. Die IG BCE bezifferte die Zustimmung unter ihren Mitgliedern auf 96,9 Prozent. Schon am Montag würden die Arbeitnehmer an einzelnen Eon-Standorten die Arbeit niederlegen, teilte Verdi mit. Die Arbeitsniederlegungen beträfen sowohl die Energieerzeugung als auch Service- und Abrechnungsabteilungen.

dapd

Ab Montag wird gestreikt: Die Beschäftigten des Energiekonzerns Eon kämpfen zum ersten Mal seit der Liberalisierung des Energiemarktes mit einer unbefristeten Arbeitsniederlegung für mehr Lohn. In einer Urabstimmung sprachen sich über 90 Prozent für einen Streik aus.

Mit dem Arbeitskampf wollen Verdi und IG BCE den Eon-Konzern zu Zugeständnissen im laufenden Tarifkonflikt zwingen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, die Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss für ein Jahr und die unbefristete Übernahme von mindestens 250 Auszubildenden im Jahr 2015. Nach Vorstellung der Arbeitnehmervertreter soll sich Eon zudem auch in Zukunft verpflichten, bei Unternehmensausgründungen die Tarifbindung zu wahren.

Eon hatte in der dritten Verhandlungsrunde 1,7 Prozent mehr Lohn angeboten. Die Arbeitnehmervertreter erklärten die Gespräche daraufhin Mitte Januar für gescheitert. Am Montag dieser Woche riefen sie ihre Mitglieder zur Urabstimmung auf. Die Beschäftigten ließen sich nicht länger von den Arbeitgebern hinhalten, sagte nun das Verdi-Bundesvorstandsmitglied Erhard Ott laut einer Mitteilung.

Der Dax-Konzern zeigt sich weiter gesprächsbereit. "Wir hoffen sehr, dass wir noch vor Beginn eines möglichen Streiks an den Verhandlungstisch zurückkehren und eine für beide Seiten tragbare Lösung erreichen können", sagte Eon-Personalvorstand Regine Stachelhaus laut einer Mitteilung des Unternehmens.

"Jedes Kraftwerk wichtig"

Eon hatte zuvor angesichts der Streikpläne vor einem Risiko für die Versorgungssicherheit gewarnt. Jedes Kraftwerk, das am Netz sei, sei wichtig, sagte ein Unternehmenssprecher. Zwar sei Eon auf einen Arbeitskampf vorbereitet. Stromausfälle ließen sich trotzdem "nicht endgültig ausschließen". Die Versorgungssicherheit hänge beispielsweise auch von der Wetterlage ab. Verdi teilte mit, die Fernwärmelieferungen sollten aufrechterhalten werden. Kunden müssten nicht befürchten, dass sie im Kalten sitzen, sagte Ott. Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur sagte, die Behörde behalte die Versorgungssicherheit auch vor dem Hintergrund der Tarifauseinandersetzung im Auge.

Die Streiks belasten Eon in einer ohnehin schwierigen Zeit. Das Unternehmen leidet unter der Energiewende in Deutschland und der sinkenden Stromnachfrage in Südeuropa. Unter anderem deshalb rechnet der Konzern für das angefangene Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Eon prüft die Schließung konventioneller Kraftwerke und reduziert die Investitionen. Weltweit will der Konzern rund 11.000 Stellen abbauen.

Ein Streik droht auch beim Energiekonzern RWE. Die Gewerkschaften hatten die Verhandlungen mit dem Eon-Konkurrenten am Montagabend einstweilen abgebrochen. Sie wollen am Dienstag nächster Woche über weitere Schritte beraten. Auch RWE ist von sinkenden Margen betroffen. Bei dem Unternehmen sollen rund 10.000 Stellen wegfallen.

Kontakt zum Autor: hendrik.varnholt@dowjones.com

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