• The Wall Street Journal

Ein neues Office findet seinen Platz in der Wolke

    Von KATHERINE BOEHRET

Tablets und Smartphones erfreuen sich vielleicht größter Beliebtheit. Doch Microsoft ist es gelungen, die Menschen mit einem Produkt auch weiterhin an die Rechner zu binden: Das gute alte Office.

Doch die neuste Version der Produktionssuite unterscheidet sich grundlegend von ihren Vorgängern. Erhältlich ist sie seit Dienstag, und um eines gleich vorwegzunehmen: Office 365 kommt mit einem überraschend neuen Preismodell daher. Es ist als Abo erhältlich, das sich jedes Jahr automatisch verlängert – wenn man sich dafür entscheidet. Mit dem neuen System bekommt man das ganze Jahr über die neuesten Updates. Wann immer das Programm geöffnet wird, läuft die aktuellste Version.

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Office 365 ist auch enger mit der Cloud verbunden. Dokumente werden in der Grundeinstellung in Microsofts SkyDrive-Speicherdienst abgelegt. Dadurch kann man von überall auf seine Texte und Tabellen zugreifen. Damit eifert Microsoft den Herausforderern wie Google Drive hinterher. Dort gibt es schon länger eine Funktion, mit der Dokumente online bearbeitet, gespeichert und mit anderen ausgetauscht werden können.

Was ebenfalls neu ist: Mit Office 365 wird eine zentrale Anlaufstelle eingeführt, mit der die Nutzer ihre Accounts organisieren können. Ihnen wird angezeigt, wo sie überall Office installiert haben, und sie können unbenutzte Computer mit einem Click deaktivieren oder das Abo komplett kündigen. Die Dateien lassen sich auch weiterhin herunterladen, auch wenn das Abo abgelaufen ist.

Zusätzlich zu diesen neuen Funktionen wurden auch die Office 365-Programme überarbeitet. Dazu gehören Word, PowerPoint, Excel, Outlook, OneNote, Publisher und Access. Einige Features, die bisher tief in den Menüs vergraben waren, wurden mit Office 365 an die Oberfläche geholt. Aber auch neue Funktionen wurden eingearbeitet. Einige davon richten sich vor allem an Touchscreens und wurden für das neue Betriebssystem Windows 8 entwickelt. Microsoft hat außerdem seine Office Web Apps überholt. Dabei handelt es sich um eingeschränkte Programme, mit denen man kostenlos über den Internetbrowser Dokumente bearbeiten kann, die in der Cloud gespeichert sind.

Ich habe Office 365 Home Premium getestet. Das Programm kostet 99 Euro im Jahr und kann auf bis zu fünf Computern installiert werden. Dabei ist es egal, ob die Rechner mit Windows 7, Windows 8 oder dem Apple-Betriebssystem OS X ab Version 10.5.8 laufen. Office 365 University kostet 79 Euro für vier Jahre. Diese Version ist für Schüler, Studenten, Lehrpersonal und Universitätsmitarbeiter verfügbar. Und schließlich gibt es noch Office 365 für Unternehmen. Das soll am 27. Februar erscheinen und zwischen 3,30 und 19 Euro pro Monat kosten.

Microsoft will die traditionellen Office-Pakete neben dem Abo-Modell auch weiterhin anbieten. Dazu zählen Office Home und Student 2013 für 139 Euro, Office Home und Business 2013 für 269 Euro und Office Professional 2013 für 539 Dollar. Auch diese Programme erhalten Sicherheitsupdates – wie es schon immer der Fall war – dürfen jedoch nur auf einem Rechner installiert werden. Genau wie Office 365 können die „normalen" Varianten nun ebenfalls Dokumente in der Cloud, also in SkyDrive speichern.

Ich habe Office 365 auf zwei Geräten installiert – auf einem Samsung ATIV Smart PC Pro 700T mit Touchscreen und Windows 8 Betriebssystem und auf einem MacBook Pro mit OS X 10.8.2. Mit Hilfe der Microsoft Web Apps habe ich auch auf anderen Computern, auf denen kein Office 365 installiert war, Dokumente angeschaut und bearbeitet. Außerdem habe ich die neue Office-Version noch auf einem Windows Phone installiert, um unterwegs auf Dokumente zugreifen und sie bearbeiten zu können.

Um Office 365 auf einem Windows 8-Computer zu installieren, habe ich einen Produkt-Schlüssel verwendet, den Microsoft mir zum Vorabtest zur Verfügung gestellt hatte. Anderenfalls muss man zunächst die Seite Office.com besuchen und dort ein Abo-Modell wählen, um an einen Schlüssel zu kommen. Es gibt allerdings die Möglichkeit, das Programm 30 Tage lang zu testen. Auf dem Windows 8-Computer dauerte es etwa 20 Minuten, bis Office installiert war. Eine Anleitung half mir dabei, die Schlüsselfunktionen von Office 365 kennenzulernen. Einmal wurde ich danach gefragt, wie Office für mich aussehen solle. Anschließend konnte ich aus einer Reihe von Farbmustern wählen. Ich entschied mich für einen Hintergrund, der wie die Ringe in einem Baumstamm aussah.

Um Office 365 auf meinem Mac zu installieren, besuchte ich zunächst office.com/myaccount. Dann wählte ich die Option aus, mit der man sich mit einem bereits bestehenden Abo über seinen Nutzernamen und ein Passwort anmelden kann. Das Herunterladen der Daten dauerte auf dem Mac etwa 30 Minuten – anschließend bekam ich auch dort den bereits gewohnten Hintergrund mit Baumkreisen zusehen. Die Version auf dem Mac war Office 2011. Aber das verwundert kaum: Es dauert immer etwas länger, bis eine neue Office-Version es auf den Mac schafft.

Einfache Deaktivierung der Computer

Die Website „My Account" ist besonders für die Menschen eine Erleichterung, deren Computer kaputt gegangen sind und eine Kopie von Office mit sich ins digitale Grab genommen haben. Nun lässt sich ein Computer einfach über die Seite deaktivieren. Anschließend kann Office auf an anderer Stelle neue installiert werden.

Die Cloud-basierte Struktur von Office 365 braucht noch ein paar Nachbesserungen. Doch Nutzer können immer noch Dokumente auf dem Computer speichern. Wenn ich nicht mit dem Internet verbunden war, wurde mir bei Word zum Beispiel beim Öffnen eines Dokumentes angezeigt, dass es sich dabei um eine Offline-Kopie handelte. Der Hinweis teilte mir auch mit, wann das Dokument zuletzt bearbeitet und online gespeichert wurde. Bei jedem Office 365-Account gibt es 20 Gigabyte Speicherplatz gratis. Allerdings erhält auch jeder SkyDrive-Nutzer sieben Gigabyte. Wer also Office 365 nutzt, könnte im Endeffekt auf 27 Gigabyte Speicherplatz kommen.

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Mit haben besonders die neuen Touch-Funktionen Spaß gemacht. In Outlook gibt es zum Beispiel fünf kleine Quadrate ganz rechts im Posteingang. Mit ihnen kann man komfortabel durch die Inbox navigieren. Mit den kleinen Icons kann man eine Nachricht beantworten, verschieben, löschen, als ungelesen markieren und für eine spätere Verwendung markieren. Ich habe diesen Artikel mit der neuen Word-Version geschrieben – das Dokument zwischendurch in SkyDrive gespeichert und unterwegs auf einem Windows Phone und auf anderen Rechnern geöffnet und bearbeitet.

Excel-Tabellen sind heute noch viel intelligenter als früher. Grund sind die neuen automatischen Vervollständigungsfunktionen. Ich habe eine davon ausprobiert, und es kam mir so vor, als könnte das Programm meine Gedanken lesen. Namen wurden automatisch eingetragen, nur weil ich sie in einer vorherigen Spalte verwendet hatte. Bei Powerpoint-Präsentationen kann man nun spezielle Notizen einfügen, die nur der Vortragende zu sehen bekommt.

Office 365 fühlt sich wie ein ausgereiftes Produkt an, das bereit ist für die schnelle Geschwindigkeit des Internets. Es ist ausgelegt für Menschen mit vielen Geräten – für PCs, Laptops, Tablets und Smartphones. Wenn sich die Kunden auf das Abo-Modell einlassen, dann hat Microsoft mit Office 365 erneut einen Joker in der Hand.

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