• The Wall Street Journal

Software AG will bei Big Data zukaufen

    Von ROSEMARY OKOLIE

Ein enttäuschendes viertes Quartal und ein nur vager Ausblick für 2013 haben die im Tecdax notierte Aktie der Software AG am Dienstag um 17 Prozent abstürzen lassen. Angesichts zahlreicher Herausforderungen versucht das zweitgrößte deutsche Software-Unternehmen nach SAP nun, Kapital aus dem Geschäft mit großen Datenmengen zu schlagen - bekannt unter dem Schlagwort Big Data.

Vorstandschef Karl-Heinz Streibich kündigte an, man werde sich nach Übernahmezielen im Big-Data-Markt umsehen. Mit einer Marktkapitalisierung von 2,5 Milliarden Euro im Rücken und finanziell weitgehend flexibel können die Darmstädter aus einer ganzen Reihe möglicher Kandidaten auswählen, darunter beispielsweise auch die kalifornische Actuate Corp., die bei dieser Stoßrichtung gut passen würde.

Schon jetzt hat die Software AG Anknüpfungspunkte zur Big-Data-Szene: 2011 ist der Konzern mit dem Kauf des In-Memory-Spezialisten Terracotta in den Markt eingedrungen. Mit Terracotta gingen Lösungen zum Datenmanagement auf das Unternehmen über, darunter auch die „BigMemory"-Technologie, die schnellen Zugang zu riesigen Datenmengen erschließt. Bislang trägt dieser Geschäftszweig aber nur einen kleinen Teil zum Gesamtumsatz der Software AG bei - 2012 waren es gerade einmal 16,5 Millionen von insgesamt 1,05 Milliarden Euro.

Die Software AG ist in drei Bereichen tätig: Im traditionellen Datenbankgeschäft Enterprise Transaction Systems - kurz: ETS - bietet das Unternehmen in erster Linie die hauseigene Adabas-Datenbank an - der Bereich kam 2012 auf einen Umsatzanteil von 36 Prozent.

dapd

Der Stand der Software AG auf der Cebit.

Der zweite Geschäftsbereich Segment Business Process Excellence, zu dem das schnelle Analyse-Werkzeug Terracotta zählt, bietet Middleware und Business-Process-Design-Software, mit deren Hilfe Firmen ihre internen Prozesse verbessern können. 53 Prozent des Konzernumsatzes wurden hier erwirtschaftet. Die Middleware mit dem Namen webMethods erlaubt es, IT-Bereiche, die sonst nicht miteinander kommunizieren könnten, zu homogenisieren. Mit der Software Aris können Anwender ihre geschäftlichen Prozesse graphisch abbilden und so Verbesserungsmöglichkeiten erkennen.

Der dritte Geschäftsbereich, IDS Scheer Consulting, erwirtschaftete zuletzt 11 Prozent des Konzernumsatzes und ist vor allem auf das Design und die Integration von SAP-Projekten spezialisiert.

Während die Software AG im größten Bereich Business Process Excellence - kurz: BPE - einen Wachstumsmarkt wittert, ist das traditionelle Datenbankgeschäft ETS eine Ertragsperle. Da die Technologie aber allgemein als veraltet gilt, wird sie wahrscheinlich nicht wesentlich zu künftigem Wachstum beitragen.

Beratungsgeschäft verzeichnet Verluste

Der kleine Bereich von IDS Scheer Consulting ist noch einmal ein anderer Fall: Das Beratungs- und Servicegeschäft schlägt sich seit mehreren Quartalen mit sinkenden Umsätzen und Verlusten herum. Allerdings hat die Software AG bereits Schritte zur Umstrukturierung eingeleitet. So wurde zuletzt das SAP-Consultinggeschäft in den USA und in Kanada an die Bielefelder itelligence AG verkauft.

Insgesamt verwundert es nicht, dass sich die Software AG auf den BPE-Bereich konzentriert, um wachsen zu können. Wenn es gelänge, die Actuate Corp. zu übernehmen, kämen die Darmstädter diesem Ziel ein Stück näher.

Das Unternehmen aus dem kalifornischen San Mateo verfügt über heißbegehrtes Know-How. Vor allem das erst vor wenigen Tagen vorgestellte Produkt BIRT Analyse könnte für die Software AG interessant sein: Eine Software, die die Analyse großer und komplexer Datenbestände erleichern und visualiseren soll - und das ist in der Tat ein heißes Thema: Der Marktforscher Gartner schätzt, dass die Nachfrage nach dieser Art von Software zwischen 2010 und 2015 um 30 Prozent pro Jahr wachsen wird als der gesamte Markt für sogennante "Business Intelligence" - Produkte zur Datenerfassung und Automatisierung des Berichtswesens.

Auch das Actuate mit einem Marktwert von 272 Millionen US-Dollar keine Schulden hat, sondern vielmehr über Barmittel in Höhe von 74 Millionen Dollar verfügt, macht das Unternehmen zu einem attraktiven Übernahmeziel.

Für das US-Unternehmen könnte eine Übernahme durch die Deutschen ebenfalls lohnen. Ihm fehlt bislang eine breite geographische Aufstellung, mehr als drei Viertel der Umsätze wurden 2011 in dem erzielt - ein Hemmschuh für weiteres Wachstum. Dieses Problem könnte mit einer Integration in die deutliche größere und breiter aufgestellte Software AG gelöst werden.

Für einen solchen Zukauf müsste die Software AG tief in die Tasche greifen. Erst vor wenigen Tagen ging die US-amerikanische Pervasive Software Inc auf eine Offerte der Actian Corp ein, die das Unternehmen mit dem 45-fachen EBITDA bewertete - und das ist noch nicht einmal der atemberaubendste Aufschlag, der in diesem Bereich geboten wird.

Das dürfte das Darmstädter Unternehmen aber nicht schrecken. Software-AG-Finanzvorstand Arnd Zinnhardt hatte im November gesagt, sein Unternehmen verfüge über das nötige Kleingeld, um sich nach Deals im Volumen von einer Millarde Euro umzusehen. Selbst zu einem großzügigen Preis sollte Actuate Zinnhardts Budget nicht sprengen.

Für die Software AG könnte die Integration des Actuate-Portfolios in ihre eigenen Big-Data-Produkte der Ausgangspunkt sein, um eine umfassende Big-Data-Management-Plattform zu schaffen - und ihre Chancen erhöhen, in diesem Segment weitere Marktanteile zu gewinnen und zu wachsen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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