• The Wall Street Journal

Investoren setzen wieder auf steigende Kaffeepreise

    Von LESLIE JOSEPHS und ALEXANDRA WEXLER
[image] Reuters

Frisch geerntete Kaffeebohnen werden zum Trocknen ausgebreitet und durchgeharkt.

Nach einer langen Flaute am Kaffeemarkt wittern Investoren erstmals wieder Morgenluft. Um mehr als die Hälfte ist der Preis für Kaffeebohnen in den vergangenen zwei Jahren eingebrochen. Dieser Preisverfall war so gewaltig, dass so mancher Bauer bereits überlegt, ob er auf seinem Land nicht lieber etwas anderes anbauen sollte als Kaffeesträucher.

Ein solcher Schritt, so hoffen Investoren, würde zumindest einen Teil des Überangebots aus dem Markt nehmen und dem Kaffeepreis endlich wieder auf die Sprünge helfen.

Am Mittwoch fiel der Preis für Arabica-Kaffee an der US-Terminbörse auf den tiefsten Stand seit September 2009. Für die Besitzer von Kaffeeplantagen ist der Kaffeeanbau damit schon längst kein lohnendes Geschäft mehr. Während sich der Kaffeepreis in der führenden Kaffee-Exportnation Brasilien immer weiter den Produktionskosten annähert, liegt er in anderen Anbauländern wie Kolumbien bereits darunter.

Preisverfall setzt Kaffeebauern unter Druck

„Es ist unmöglich, so weiterzumachen", sagt Joaquim Libânio Ferreira Leite. Seine Familie baut bereits in der siebten Generation Kaffee in Brasilien an. Doch nun sollen erstmals Kühe auf seinem Land grasen. „Kein Geld, kein Kaffee", resümiert er.

Leite, der auch der größten Kaffeeanbaukooperative des Landes vorsteht, die für etwa 10 Prozent der Kaffeeproduktion Brasiliens steht, glaubt, dass andere Produzenten seinem Beispiel bald folgen werden. Schon jetzt wollen Kaffeeproduzenten keine neuen Kaffeesträucher mehr pflanzen, und schränken den Einsatz von Düngemitteln ein.

Zu den gegenwärtigen Preisen könne kein einziger Kaffeeproduzent Geld verdienen, sagt Mark Nucera, Präesident von M.A. Nucera, einer Consultingfirma aus Atlanta, die Investoren vor allem im Bereich Rohstoffhandel berät. Die Preise sind nach Einschätzung von Nucera derart schlecht, dass er in der nächsten Anbauperiode mit einer rückläufigen Produktion und in der Folge anziehenden Preisen rechnet.

Für den drastischen Preisverfall ist nicht etwa ein versiegender Kaffeedurst der Verbraucher verantwortlich, sondern der weltgrößte Kaffeeproduzent Brasilien, der den Markt in den vergangenen zwei Jahren mit Kaffeebohnen überschwemmt hat.

Fallende Kaffeepreise kommen beim Verbraucher kaum an

Im Jahr 2011, als der Kaffeepreis ein 14-Jahreshoch erreicht hatte, haben die brasilianischen Kaffeebauern viel Geld in die Hand genommen, um die Produktionskapazitäten ihrer Plantagen zu steigern. Als es mit den Kaffeepreisen bergab ging, machten die Produzenten zunächst weiter wie gehabt. Doch die Erholung am Kaffeemarkt, auf die sie spekuliert hatten, blieb aus.

Kaffeetrinker haben von dem großen Preisverfall hingegen nicht viel mitbekommen. Der Grund: Kaffeeröster kaufen die Bohnen in der Regel bereits Wochen oder Monate vor der Ernte ein. Entsprechend kommen Preisänderungen erst mit einiger Verzögerung bei den Verbrauchern an.

Ausschlaggebend ist zudem, wo Kaffee, Cappuccino & Co verkauft werden. Während Hersteller von Instantkaffee, die große Mengen ihrer Produkte in den Supermarkt-Regalen anbieten, zumindest einen Teil der fallenden Rohstoffpreise an die Konsumenten weitergeben, müssen die Besucher von Starbucks-Filialen beispielsweise unverändert tief in die Tasche greifen.

„Die Marke Starbucks hat mehr Preissetzungsmacht", erklärt Analyst Will Slabaugh von Stephens Inc. Zudem machen die reinen Rohstoffkosten laut einem Starbucks-Sprecher gerade mal 8 bis 10 Prozent der gesamten operativen Kosten einer Filiale aus. Andere Faktoren wie Arbeitskosten oder Miete fallen hier viel stärker ins Gewicht.

In kleinen Cafés brauchen Besucher erst recht nicht damit zu rechnen, dass ihr Lieblingsgetränk billiger wird. Denn dort werden meist höherwertige Kaffeebohnen in geringeren Mengen und zu entsprechend höheren Preisen eingekauft.

Investoren wetten zunehmend auf steigende Kaffeepreise

Mittlerweile rechnen ohnehin immer mehr Marktbeobachter mit einer baldigen Trendwende am Markt. Fain Shaffer, Präsident des Brokerhauses Infinity Trading Group, geht beispielsweise davon aus, dass der Kaffeepreis im Juli, der Haupterntezeit in Brasilien, dem Erzeugerland Nummer Eins, den Boden erreichen wird. Danach dürften die brasilianischen Kaffeeproduzenten mit Blick auf die nächste Ernte spürbar Angebot aus dem Markt nehmen, was sich entsprechend in steigenden Preisen niederschlagen sollte.

Doch nicht alle teilen diese Einschätzung. So setzt Broker Bill Collard von der Futures Management Group auf weiter fallende Preise. Zur Begründung verweist er auf das massive Überangebot aus Brasilien und die weltweite Konjunkturflaute. Beides macht steigende Rohstoffpreise seiner Meinung nach unwahrscheinlich.

Andererseits greifen die großen Anbaunationen ihren Kaffeebauern mittlerweile auch mit direkten Subventionen unter die Arme. Analysten glauben, dass dadurch ein wenig Druck aus dem Markt genommen werden und der Kaffeepreis dann wieder anziehen könnte.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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