• The Wall Street Journal

Sony-Chef Hirai hat den Härtetest noch vor sich

    Von DAISUKE WAKABAYASHI

TOKIO – Sony -Chef Kazuo Hirai hat geliefert. Der seit Jahren kriselnde japanische Elektronikkonzern hat im vergangenen Jahr erstmals wieder einen Gewinn geschrieben. Hirai hat damit einen Teil seines Versprechens gehalten, Sony wieder in die Erfolgsspur zu führen. Ob das tatsächlich gelingt, wird aber erst das laufende Jahr zeigen.

Sony hatte bereits Ende April angekündigt, im Geschäftsjahr 2012/13 einen deutlich höheren Gewinn als angekündigt erzielt zu haben. Insbesondere der schwache Yen und Immobilienverkäufe - darunter der Verkauf der New Yorker Zentrale - haben dem Traditionskonzern zu unerwarteten Sondererträgen verholfen. Deshalb hat Sony nach vorläufigen Angaben unterm Strich 40 Milliarden Yen, umgerechnet rund 309 Millionen Euro, verdient – das ist doppelt so viel wie ursprünglich in Aussicht gestellt. Die endgültigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr per Ende März will Sony zu Himmelfahrt bekannt geben.

Reuters

Sony-Chef Kazuo Hirai hat beim Umbau des Unternehmens erste Erfolge erzielt.

Eins ist aber schon jetzt klar: Die Rückkehr in die Gewinnzone nach mehreren Jahren mit roten Zahlen ist bislang vorrangig Bilanzeffekten und Sonderfaktoren geschuldet. Operativ hat Sony noch Hausaufgaben zu erledigen. Die Geschäfte mit Unterhaltungselektronik laufen weiterhin schwach. Mit Fernsehern verdient Sony beispielsweise schon seit fast zehn Jahren kein Geld mehr.

Dennoch sind die Hoffnungen auf eine Wende zum Besseren zuletzt deutlich gestiegen. Dies zeigt auch der Aktienkurs: Seit dem 32-Jahres-Tief im November hat sich der Kurs bereits mehr als verdoppelt. Investoren hoffen insbesondere darauf, dass der schwache Yen dauerhaft zu höheren Gewinnen führt. Die schwache Heimatwährung verbilligt die Produktion in Japan, exportorientierte Unternehmen wie Sony werden deshalb deutlich wettbewerbsfähiger.

Erfolg nur mit neuen Produkten

Erste Erfolge kann Sony auf operativer Ebene aber schon vorweisen. So kam das Smartphone Xperia Z gut bei den Kunden an. Analysten gehen inzwischen davon aus, dass Sony den Nettogewinn im neuen Geschäftsjahr noch einmal um mehr knapp 70 Prozent auf 68 Milliarden Yen steigern kann.

Dabei helfen auch die eingeleitete Kostenreduzierung und die Restrukturierung, die Hirai in seinem ersten Jahr an der Spitze des Sony-Konzerns umgesetzt hat. Nun müssen attraktive Produkte kommen, die für eine stetige Nachfrage und damit für Wachstum bei Sony sorgen. In der Pipeline ist beispielsweise die Spielekonsole PlayStation 4, die noch im laufenden Jahr auf den Markt kommen soll. Nötig ist aber auch eine breitere Produktpalette an Smartphones, die es mit dem iPhone von Apple oder dem Galaxy von Samsung aufnehmen können.

Der Erfolg kann sich bei Sony nur mit neuen Produkten einstellen. Mit den etablierten Geschäften geht es permanent abwärts. So verkauften sich die LCD-Fernseher des Unternehmens im vergangenen Jahr knapp um ein Drittel schlechter. Für Digitalkameras fanden sich Sony-Schätzungen zufolge 29 Prozent und für Vaio-Computer 10 Prozent weniger Kunden.

Hirai hat angesichts solcher Negativzahlen schon ein persönliches Zeichen gesetzt. Er und 40 weitere Manager verzichten auf ihre Bonuszahlungen, die bis zur Hälfte der Jahresvergütung ausmachen können.

Die Rückkehr in die Gewinnzone im vergangenen Jahr kann auch aus Sicht von Analysten nicht über die Probleme Sonys hinwegtäuschen. Yasuo Nakane von Deutsche Securities sagt, es werde nicht einfach sein, das Fernsehgeschäft wieder in die schwarzen Zahlen zu führen oder mit Videospielen mehr zu verdienen. Auch Verbesserungen mit Vaio-Produkten kämen nicht von selbst.

Turbulenzen stehen bei Videospielen ins Haus

Hirai war in seinem ersten Jahr bei Sony aber nicht untätig. Er verkaufte das Chemieproduktegeschäft, restrukturierte die Mobilfunksparte und löste Gemeinschaftsunternehmen mit Sharp und Samsung für LCD-Bildschirme auf. Die Displays kauft Sony jetzt günstiger auf dem freien Markt, eine wichtige Voraussetzung für die Rückkehr des Fernsehgeschäfts in die Gewinnzone. Im laufenden Jahr will Sony hier als erste Etappe ein ausgeglichenes Ergebnis schaffen.

Größere Turbulenzen sind aber in der Videospielesparte zu befürchten. Die Markteinführung der neuen Konsole birgt zwar große Geschäftschancen. Üblicherweise bringen neue Spielesysteme die ersten Jahre nach Einführung aber zunächst Verluste. So hatte Sony die Vorgänger-Konsole PlayStation 3 lange Zeit subventioniert, um sie in den Markt zu drücken. Erst nach Jahren waren die Produktionskosten soweit gesunken und der Spieleverkauf so gut angelaufen, dass der Konzern damit Geld verdiente. Diesmal hofft Sony aber auf einen besseren Verlauf. Mit Komponenten aus dem Konzernregal soll die Produktion der Konsole nicht mehr so teuer wie die der Vorgängerin sein.

Auch die Herausforderungen für die Handysparte sind immens. Der Markt wird von Apple und Samsung dominiert. Diesen Wettbewerbern muss Sony erst Marktanteile abknöpfen, bevor sich die Hoffnungen auf mehr Erfolg mit Smartphones erfüllen können. Der Weg zurück an die Weltspitze der Elektronikkonzerne wird lang sein.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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