• The Wall Street Journal

Asien kämpft gegen das heiße Geld

    Von ALEX FRANGOS

HONGKONG – Die Zentralbanken in Asien, Australien und Neuseeland stemmen sich gegen eine wahre Kapitalflut, die ihre Währungen in die Höhe treibt und das Wachstum erschwert.

Die neuseeländische Zentralbank gab am Mittwoch bekannt, dass sie in den Devisenmarkt eingegriffen hat, um den Anstieg des eigenen Dollars zu bremsen, und dies auch in Zukunft tun will. Einen Tag zuvor hatte Australiens Notenbank die Zinsen auf ein Rekordtief gesenkt. Auch sie klagt über eine starke Landeswährung. China wiederum wehrt sich gegen Wetten auf einen steigenden Yuan, und Thailand prüft ebenfalls Maßnahmen, um den Baht von seinem gegenwärtigen Hoch herunterzubekommen.

Reuters

Baht-Scheine in einem thailändischen Tempel. Die Philippinen kämpfen gegen die Stärke der eigenen Währung.

Überraschend senkte am Donnerstag Südkorea angesichts eines schwachen Wachstums seine Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte. Noch am Mittwoch hatte ein Regierungsvertreter geklagt, es gebe „einseitige Bewegungen" auf dem Devisenmarkt. Damit meinte er offenbar den steigenden Wert des Won.

Der Kapitalstrom in die Region ist ein weiteres Beispiel dafür, wie Anleger rund um den Globus nach höheren Zinsen jagen. Viele Zentralbanken in den Industrieländern pumpen Geld in die Märkte, um ihre Volkswirtschaften anzukurbeln. Dadurch sinken die Zinsen, und das Geld fließt in alternative Anlageformen. Selbst die Renditen von Ramschanleihen – hochriskanten Papieren, die in der Regel viel abwerfen – fielen in dieser Woche in einem Index von Barclays unter 5 Prozent, weil sich so viele Anleger auf die Anleihen stürzen. Wenn die Preise steigen, sinken die Renditen.

4,3 Billionen Dollar Reserven

„Das Wachstum ist relativ gesehen immer noch in Asien. Es ist ziemlich klar, wohin das Geld fließt. Asien profitiert an dieser Front", sagt Craig Chan, Devisenanalyst bei Nomura in Singapur. Informationen des Datendienstleisters EPFR Global zeigen, dass Anleger in diesem Jahr fast 7 Milliarden US-Dollar in Anleihefonds für Schwellenländer in Asien gesteckt haben. Eine Analyse der Weltbank zeigt in den Schwellenländern im April einen Kapitalanstieg um 42 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 64 Milliarden Dollar.

Ein weiteres Beispiel: Die Zentralbanken in Asien sammeln das zugeflossene Kapital und stecken es in Devisenreserven. Nach Daten der Weltbank haben asiatische Entwicklungsländer in diesem Jahr 120 Milliarden Dollar an Devisenreserven aufgebaut. Damit steigt die Gesamtsumme auf 4,3 Billionen Dollar.

Investitionen aus dem Ausland sind zwar im Prinzip eine gute Sache. Aber wenn sie nicht kontrolliert werden, machen sie die örtlichen Währungen stärker, wodurch die Produkte des Landes auf dem Weltmarkt weniger wettbewerbsfähig sind. Und viele Regierungen sorgen sich, dass das Geld genauso schnell wieder abfließen könnte und so Banken, Aktien- und Devisenmärkte destabilisieren.

„Das Dilemma für diese Zentralbanken ist, dass sie zwar durch Zinssenkungen den Zufluss begrenzen können. Aber in einigen Volkswirtschaften besteht die Gefahr einer Überhitzung und von Vermögenspreisblasen", die durch Geldpolitik verschärft werden könnten, sagt Stephen Schwartz, Volkswirt bei der BBVA .

Spekulanten treiben den Yuan in die Höhe

Die Philippinen, deren Rating in den vergangenen zwei Monaten von zwei Agenturen auf Investmentniveau angehoben wurde, haben mehrere Maßnahmen gegen das sogenannte "heiße Geld" eingeführt. Unter anderem wird es den Anwohnern erleichtert, Geld ins Ausland zu bringen. Für Banken, die grenzübergreifende Geschäfte abwickeln, wird der Einlagenzins gesenkt.

Die Entwicklung in Asien ist nicht einheitlich, da auch der US-Dollar weltweit stark ist. In Ländern wie Indien und Indonesien bleiben die Währungen wegen Defiziten in der Handelsbilanz schwach. Und verglichen mit 2010, als die Zentralbanken in hohem Maße in die Devisenmärkte eingriffen, ist es dieses Jahr noch ruhig.

Noch ist es zu früh, um die gesamten Ausmaße der Geldflüsse abzusehen. Aber einige Analysten schätzen, dass weniger Geld nach Asien kommt als 2010. Im Gegensatz zu damals stehen die USA gut da und locken ebenfalls Investitionen an.

In China stecken vor allem Spekulanten hinter dem Höhenflug des Yuan. Die Aufsichtsbehörden verdächtigen einige Exporteure, mit buchhalterischen Tricks Geld in das Land einzuschmuggeln. Peking reagierte am Sonntag mit Gegenmaßnahmen, bei denen Banken und Exporteure gezwungen werden, Yuan gegen Dollar zu verkaufen.

Die thailändischen Währungshüter stehen stark unter Druck der Regierung, aggressiv gegen die Stärke des Baht einzuschreiten. Am 30. April gab die Zentralbank eine Erklärung ab, die „rasante Aufwertung" des Baht sei „nicht durch wirtschaftliche Grundlagen gerechtfertigt". Analysten erwarten bald eine Zinssenkung oder andere Hürden gegen Kapitalzuflüsse.

Die Philippinen senkten im April ihre Zinsen auf bestimmte Einlagen, um die spekulativen Zuströme zu stoppen. Die Behörden fürchten, dass diese Gelder bei einem Umschwung auf dem Markt schnell wieder abfließen könnten.

Neuseeland will weiter eingreifen

Bisher hat noch keine Maßnahme gegen die starken Währungen wirklich gefruchtet. Die australische Notenbank hat am Dienstag zum siebten Mal seit Ende 2011 die Zinsen gesenkt. Trotzdem ist in diesem Zeitraum der heimische Dollar nur um 2 Cent gegen seinen US-Gegenpart gefallen. Zur Stärke des Aussie-Dollars trägt die hohe Nachfrage von ausländischen Anlegern bei. Mehr als 70 Prozent aller australischen Staatsanleihen werden im Ausland gehalten - doppelt so viel wie noch vor zehn Jahren.

In Neuseeland hat der Notenbankchef am Mittwoch erklärt, man habe in die Devisenmärkte eingegriffen, um die Aufwertung zu verlangsamen. Aber man habe nur begrenzte Möglichkeiten. „Wir würden angesichts der Stärke der Zuflüsse nicht erwarten, dass eine Intervention den Wechselkurs maßgeblich verändert. Aber wir könnten möglicherweise Rallies die Spitzen nehmen", sagte Graeme Wheeler, Gouverneur der Reserve Bank of New Zealand.

Seine Bemerkungen ließen die Kiwi am Mittwoch fast um einen Cent sinken. Wheeler sagte auch, der Kiwi sei „überbewertet, womöglich deutlich". Der Kurs bereitet den Notenbankern also weiter Sorgen.

Wie umfangreich der Eingriff vom Mittwoch war, ist nicht bekannt. Im Dezember verkaufte die Zentralbank fast 200 Millionen neuseeländische Dollar, etwa 128 Millionen Euro, wie offizielle Daten zeigen. Das Tempo der Verkäufe lag Anfang des Jahres niedriger. Im ersten Quartal brachte die Zentralbank nur 28 Millionen Kiwi-Dollar auf den Markt. Die Daten für April werden im Lauf des Monats veröffentlicht. Analysten rechnen damit, dass die Eingriffe wieder Fahrt aufgenommen haben.

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