• The Wall Street Journal

Jetzt droht der Crash – aber nach oben

    Von HERBERT RUDE
AFP

Startet der Dax jetzt in neue Dimensionen?

Der Aufschwung an den Aktienmärkten könnte sich in der kommenden Woche beschleunigen. Wie mehrfach vorhergesagt, ist der Dax, der am Freitag bei 8,278 Punkten schloss, mit dem Überwinden des ehemaligen Allzeithochs in eine Phase der Neubewertung eingetreten, deren Ende noch nicht absehbar ist.

In den nächsten Tagen ist eine regelrechte Stampede möglich, also eine Art Aufwärts-Crash. "Das Risiko eines solchen ist hoch und nimmt zu", warnt die Bank of America -Merrill Lynch. Die unterdurchschnittliche Entwicklung der konjunkturabhängigen Aktien ist ausgelaufen, ein Hinweis, dass die Jagd nach Rendite an Fahrt gewinnt. "Wir empfehlen Kaufoptionen für die Oberseite", ergänzt Merrill Lynch. Das Haus setzt auf US-Banken, Japan und Europa, aber auch auf Rohstoffaktien der BRIC-Staaten und auf China.

Ganz unerwartet kommt die Situation nicht. Ralf Flierl von Smart Investor erwartet bereits seit mehreren Jahren einen so genannten Crack-Up-Boom, zeitlich hat er seine Leser auf den Sommer 2013 eingestellt. Einen unangenehmen Beigeschmack hat ein solcher Crack-Up-Boom allerdings: Nach Ansicht der österreichischen Schule und ihres Vertreters Ludwig von Mises geht er einem Zusammenbruch des Papiergeldes voraus.

Die besten deutschen Aktien von 2007 bis heute

Für eine solches hochdramatisches Szenario spricht, dass die Sparanstrengungen in den Krisenländern derzeit über den Haufen geworfen werden. Dagegen spricht – noch – das Verhalten des Goldpreises: Dieser müsste in einem Crack-Up-Boom besonders stark steigen, derzeit fällt er allerdings schon wieder zurück.

Vermutlich ist es nur das Umfeld, das in seiner günstigen Zusammensetzung die Aktienkurse nach oben treibt. Die Realzinsen sind in vielen Ländern negativ, der US-Arbeitsmarkt scheint sich kräftig zu erholen, wie der starke Rückgang der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung zeigt, und die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland und der Eurozone sind deutlich besser ausgefallen als befürchtet.

Ohne Euphorie kein Ende der Hausse in Sicht

Hinzu kommt die skeptische Haltung vieler Anleger. Die Hausse stirbt bekanntlich in der Euphorie, doch davon ist der Markt nach wie vor meilenweit entfernt. Wie die neue Umfrage von cognitrend zur Stimmung unter den Dax-Anlegern zeigt, ist der Anteil der "Bären" oder Pessimisten im Vergleich zur Vorwoche nur leicht gesunken auf immer noch hohe 37 Prozent.

Schieflagen heizen Kursen ein.

Nach Meinung von cognitrend-Chef Joachim Goldberg warten die Pessimisten auf eine Korrektur. Der Kursrücksetzer müsste jedoch sehr deutlich ausfallen, und das komme in dynamischen Hausse-Märkten nur selten vor. "Deswegen ist die größte Gefahr für die Zauderer von heute, zu weitaus höheren Kursen zu kapitulieren und damit am Ende zu jedem Preis kaufen zu müssen", meint Goldberg.

Der Kursaufschwung verteuert die Aktien zwar, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,3 auf Basis der Gewinnschätzungen für dieses Jahr ist der Dax aber immer noch relativ günstig bewertet. Der S&P-500 wird derzeit mit dem 15-fachen Gewinn gehandelt. Sollte der Dax diese Bewertungslücke schließen, würde er auf 10.000 Punkte steigen.

Impulse könnten in der kommenden Woche vom Verfall der Mai-Optionen am Freitag ausgehen. Er könnte an den Nerven derer zerren, die gegen neue Rekorde positioniert waren und immer noch schief liegen. Daneben werden Zahlen zum Wirtschaftswachstum im ersten Quartal veröffentlicht, aus Deutschland, Frankreich und der Eurozone. Zudem geht die Berichtssaison in die nächste Runde: Aus dem Dax legen K+S, Deutsche Post, Merck, RWE, und Thyssen-Krupp neue Quartalszahlen vor, die Allianz ergänzt ihre Daten.

Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com

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