• The Wall Street Journal

Firmenchefs pilgern nach Washington

    Von DAMIAN PALETTA und KRISTINA PETERSON

Sommer 2011: In den USA wird über eine Erhöhung der Schuldenobergrenze diskutiert. Viele Unternehmen beobachten die Entwicklungen nervös – aber greifen nicht ein. Dass sie damals nur eine Zuschauerrolle spielten, bereuen viele der Chefs heute. Jetzt, wo das Land kurz davor steht, über seinen Schuldenhaufen zu stolpern.

Am Dienstagnachmittag standen etwa ein halbes Dutzend CEOs vor dem Weißen Haus im kalten Novemberregen. Sie waren gekommen, um mit Finanzminister Timothy Geithner über die drohende Fiskalklippe zu sprechen. Die könnte schon bald für Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen sorgen und damit den wirtschaftlichen Aufschwung im Land bremsen. Während manche Unternehmenslenker warteten, kamen andere gerade von einem Gespräch mit Präsident Barack Obama und seinem Vize Joe Biden zurück. Nachdem sich Obama bereits am 14. November und nun auch am Dienstag mit zahlreichen CEOs getroffen hatte, soll es am Mittwoch bereits weitergehen.

Associated Press

Arnulfo Ventura, Mitbegründer der Getränkefirma Cobá.

Selbst die Firmenchefs, die nicht nach Washington gereist sind, klingen im Dialog mit Kunden und Mitarbeitern immer alarmierter. Morgan Stanley -Chef James Gorman rief die 16.000 Finanzberater und Manager seines Unternehmens am Dienstag in einer E-Mail auf, Kontakt mit ihren Kongressmitgliedern aufzunehmen. „Kein Thema ist momentan wichtiger für die US-Wirtschaft, für die weltweiten Finanzmärkte und für die Finanzlage unserer Kunden. Darum bitte ich Euch, am demokratischen Prozess teilzunehmen und auf Euch aufmerksam zu machen", schrieb Gorman. Die Chefs von Caterpillar und Honeywell International haben ebenfalls an ihre Mitarbeiter appelliert, Druck auf den Kongress auszuüben, damit ein Kompromiss gefunden wird.

Die Treffen haben bei den Republikanern für Kritik gesorgt. Obama solle mehr Zeit darauf verwenden, zu verhandeln - und nicht ständig über seine bevorzugten Lösungen werben. Gleichzeitig hält die republikanische Opposition im Kongress ihre eigenen Treffen ab. Führende Mitglieder wollen sich am Mittwoch unter anderem mit dem Chef von Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, treffen. In der kommenden Woche sollen die Leiter kleinerer Unternehmen folgen.

Videos auf WSJ.com

Last August, President Obama and Congress put the U.S. economy on course to go over a "fiscal cliff." WSJ's David Wessel tells you everything you need to know about the "cliff" but were afraid to ask.

Should we gradually raise the Medicare eligibility age to 67 from 65? Proponents say the health-overhaul law makes it easier for seniors to buy private insurance while opponents say the change could raise premiums for younger people. Photo: AP Images

Leaders tackling the fiscal cliff return to Washington Monday with the eyes of the world on them and seemingly only one point settled: that they've all pledged to try for an agreement. Photo: Bloomberg News.

Bei den Treffen im Weißen Haus konnten die Geschäftsführer eine Reihe von Themen auf den Tisch bringen, die ihnen am Herzen liegen. Sie sprachen unter anderem über Patente, Job-Training, Regulierung und Exportrichtlinien. Mehrere CEOs erklärten am Dienstag, sie hätten von Obama wissen wollen, welche Rolle die Kapitalertragssteuern bei einem Schuldenreduzierungsplan spielen würden.

Arnulfo Ventura ist Mitbegründer der Getränkefirma Cobá. Er gehörte zu den 15 Unternehmenseigentümern, die den Präsidenten im Weißen Haus trafen. Er stimmte in den Chor seiner Kollegen ein, die davor warnten, dass die drohende Fiskalklippe bei den Konsumenten für Zurückhaltung im Weihnachtsgeschäft sorgen könnte. „Unser Produkt ist ein bisschen ein Impulskauf", sagte Ventura.

Während Demokraten und Republikaner um eine Einigung ringen, sieht es auf Unternehmerseite nicht anders aus. Die Firmen haben unterschiedliche Meinungen darüber, was die Politik tun sollte, um das Defizit zu reduzieren. Einige der Teilnehmer des Treffens im Weißen Haus erklärten, sie würden mehr Steuern für US-Amerikaner mit hohem Einkommen unterstützen. Eine Reihe anderer Geschäftsgruppen verschickte am Dienstag einen Brief an den Kongress. Darin warnten sie vor Steuererhöhungen. Sie würden die Wirtschaft zusätzlich belasten.

Bei seinem Treffen mit den Geschäftsführern kleinerer Unternehmen sagte Obama, beide Seiten müssten Kompromisse eingehen. Er sei bereit, massiv Ausgaben zu kürzen. Die Verantwortlichen im Weißen Haus erklärten den Firmenchefs, am wahrscheinlichsten sei ein Zwei-Stufen-Plan. Danach würde man sich am Ende des Jahres auf erste Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen einigen und 2013 dann über weitere Maßnahmen verhandeln.

—Mitarbeit: Carol E. Lee

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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