• The Wall Street Journal

Griechenland hat einen Plan B

    Von NEKTARIA STAMOULI und ALKMAN GRANITSAS
Reuters/Yorgos Karahalis

Finanzminister Yannis Stournaras bei der Pressekonferenz am Mittwoch in Athen.

ATHEN – Griechenland hat nach den Worten seines Finanzministers einen Plan B für den Fall, dass der geplante Anleiherückkauf nicht klappen sollte. Durch den Rückkauf der Staatspapiere zum aktuellen Marktwert würde Griechenland Buchgewinne einstreichen, weil die Papiere derzeit nur noch zu rund einem Drittel des Nennwerts gehandelt werden. „Es gibt einen Plan B, aber eigentlich muss der Anleiherückkauf ein Erfolg werden. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit", sagte Yannis Stournaras bei einer Pressekonferenz. Nähere Details zu den Alternativen nannte er nicht.

Der Anleiherückkauf ist das Kerninstrument, das von den Finanzministern der Eurozone in der Nacht zu Dienstag beschlossen wurde, um den Schuldenberg der Griechen etwas abzutragen. Er betrifft die von privaten Gläubigern wie Banken oder Fonds gehaltenen Papiere, die ein Volumen von rund 63 Milliarden Euro besitzen. Finanzminister Stournaras schätzt, dass der Rückkauf Griechenland um 20 Milliarden Euro entlasten wird. Details zum Procedere sollen Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden.

Die Troika aus Experten von EU, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds schätzt, dass der Rückkauf rund 10 Milliarden Euro kosten wird. Griechenland braucht dafür frische Kredite, die nach jetzigem Stand der Dinge vom noch aktiven Rettungsschirm EFSF kommen sollen. Dafür müssten die Gläubigerstaaten, wie zum Beispiel Deutschland und Frankreich, zusätzliche Garantien an den EFSF ausstellen.

Ein Beamter des Finanzministeriums sagte zu Dow Jones Newswires, dass die Regierung zwischen 28 und 30 Prozent des Nennwerts für die Anleihen anbieten will. Das Verfahren muss bis 13. Dezember abgeschlossen sein, denn dann wollen die Finanzminister der Eurozone die ausstehenden Kreditraten freigeben, die Athen so sehnsüchtig erwartet. Sie summieren sich auf den hohen Betrag von 44 Milliarden Euro. Der Erfolg des Rückkaufprogramms ist eine Voraussetzung für die Freigabe der Mittel.

Nach Informationen des Finanzbeamten sind die Deutsche Bank und Morgan Stanley mit der Abwicklung des Rückkaufs beauftragt. Beide Geldhäuser wollten sich nicht dazu äußern. Finanzminister Stournaras trat bei der Pressekonferenz Befürchtungen entgegen, dass die griechischen Banken das zweite Mal in diesem Jahr vor deutlichen Verlusten stehen. Sie halten rund 15 Milliarden an Schatzwechseln und hatten im Frühjahr massiv unter dem ersten Schuldenschnitt gelitten, der ihr Kapital aufgefressen hat.

Stournaras versicherte, dass der Rückkauf ohne wenn und aber freiwillig erfolge und niemand dazu gedrängt werde. Die dafür nötigen 10 Milliarden Euro vom EFSF werden nach seinen Angaben auch nicht der offiziellen Verschuldung des Landes zugerechnet.

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