• The Wall Street Journal

Deutscher Arbeitsmarkt zeigt sich robust

    Von ANDREAS PLECKO und HANS BENTZIEN

Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt hat sich im November trotz der anhaltenden Konjunkturschwäche kaum eingetrübt. Die Arbeitslosenzahl sank wie in einem November üblich, wobei der Rückgang so schwach wie zuletzt 2004 ausfiel. Die Arbeitslosenquote blieb in der Nähe ihres Allzeittiefs, und die Beschäftigung verzeichnete ein neues Rekordhoch. Volkswirte erwarten nicht, dass sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt in nächster Zeit grundlegend ändern wird.

dapd

Die Konjunktur lässt nach, doch der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich bislang wenig beeindruckt.

Wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg mitteilte, waren im November rund 2,751 Millionen Menschen ohne Arbeit, knapp 1.900 weniger als im Vormonat. Zugleich lag die Arbeitslosenzahl um rund 38.000 über dem Vorjahresstand. Die Arbeitslosenquote belief sich wie im Oktober auf 6,5 Prozent. Die Zahl der Erwerbstätigen stieg im Oktober um 2.000 und lag um 279.000 über Vorjahresniveau. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sank um 2.000, lag aber um 407.000 über dem Stand von September 2011.

„Der Arbeitsmarkt reagiert auf die nachlassende konjunkturelle Dynamik robust", erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise bei einer Pressekonferenz. Bereinigt um jahreszeitliche Einflüsse stieg im November die Arbeitslosenzahl um 5.000 gegenüber dem Vormonat. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen Anstieg um 15.000 Personen prognostiziert. Im Oktober war die Zahl der Arbeitslosen nach revidierten Angaben um 19.000 gestiegen, vorläufig war ein Anstieg um 20.000 gemeldet worden.

Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote verharrte wie erwartet auf ihrem Vormonatsniveau von 6,9 Prozent und lag damit in der Nähe des zuletzt im August gesehenen Allzeittiefs von 6,8 Prozent. Für Volkswirte ist die saisonbereinigte Zahl die wichtigste Angabe. Bei der Saisonbereinigung wird versucht, übliche jahreszeitliche Schwankungen, zum Beispiel durch Wettereinflüsse, herauszurechnen. So ist etwa die Beschäftigung am Bau, in der Landwirtschaft und in der Gastronomie stark von Jahreszeiten und der Witterung abhängig.

Unternehmen halten ihr Personal

Die globale Wachstumsdelle und Sparzwänge in nahezu allen großen Volkswirtschaften der Eurozone hinterlassen seit einiger Zeit ihre Spuren in den Auftragsbüchern deutscher Unternehmen. Die im Boom erhaltenen Aufträge sind abgearbeitet, neue kommen nicht mehr mit früherem Tempo. In einigen Industrien wird schon wieder über Überkapazitäten geredet, die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen sinkt, einige Firmen fahren auch schon wieder Kurzarbeit.

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Trotz der anhaltenden Konjunkturschwäche hat sich die Lage am deutschen Arbeitsmarkt kaum eingetrübt. Die Arbeitslosenzahl ist zwar wie in einem November üblich gesunken, doch der Rückgang fiel so schwach wie zuletzt 2004 aus.

Bereits im Herbst hatte der deutsche Arbeitsmarkt seinen Zenit überschritten, die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stieg zum ersten Mal seit über drei Jahren. Wie stark der Arbeitsmarkt von der Konjunkturschwäche erfasst wird, hängt davon ab, wie rasch sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen wieder verbessern.

Volkswirte rechnen für die nächste Zeit mit keiner deutlichen Eintrübung des Arbeitsmarkts. „Die deutsche Arbeitslosigkeit dürfte zunehmen, aber dieser Anstieg dürfte sehr schwach ausfallen und sich auf die exportorientierte Industrie konzentrieren", sagte ING-Volkswirt Carsten Brzeski. Alexander Krüger, Chefvolkswirt des Bankhauses Lampe, sieht das ähnlich: „Auch in zwei oder drei Monaten wird man noch sagen, dass sich der Arbeitsmarkt angesichts der Schwere der Krise enorm gut hält", sagte er. Nach seiner Einschätzung erwarten die Unternehmen derzeit nur eine Wachstumsdelle und halten daher ihr Personal.

Kontakt zu den Autoren: andreas.plecko@dowjones.com und hans.bentzien@dowjones.com

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