• The Wall Street Journal

Amerikaner und Europäer im Banken-Clinch

    Von MADELEINE NISSEN

HAMBURG - Der Konflikt zwischen europäischen und amerikanischen Banken um Basel III spitzt sich zu. Während der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, die US-Blockade des Regelwerks „beschämend" nannte, drohte die US-Notenbank Fed, ausländische Banken zur Einhaltung der so genannten Dodd-Frank-Finanzreformen in den USA zwingen.

Fitschen drang bei einer Konferenz in Hamburg erneut auf eine zügige und einheitliche Umsetzung der vereinbarten verschärften Kapitalvorschriften. Es sei nicht akzeptabel, dass die USA ihr Inkrafttreten im nächsten Jahr in Frage stelle.

Auf Drohungen der Bundesbank, amerikanische Institute in Europa schärferen Regeln zu unterwerfen, sollte Basel III nicht auch in den USA in Kraft treten, reagierte die Federal Reserve mit einer Gegendrohung. Daniel Tarullo, der bei der US-Notenbank für die Bankenregeln zuständig ist, sagte am Mittwoch bei einem Vortrag, ausländische Banken mit großen US-Niederlassungen müssten letztere derart in ihrem Konzern führen, dass sie die US-Bankenregeln genauso erfüllten wie ihre US-Rivalen.

Fed wirft Deutscher Bank "juristische Winkelzüge" vor

Die Fed will verhindern, dass sich Finanzinstitute wie die Deutsche Bank den US-Regeln mit juristischen Winkelzügen entziehen. Die Deutsche Bank will sich zu dem Thema derzeit nicht äußern. Noch ist unklar, inwieweit der Konzern davon tatsächlich belastet wäre.

dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing (v.l.), der Co-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und der Präsident der Deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, in Frankfurt.

Insgesamt hängt der Haussegen zwischen Europa und den USA beim Thema Bankenregulierung schief. Bei einer Chinakonferenz in Hamburg fand Jürgen Fitschen ungewöhnlich klare Worte für die US-Blockade von Basel III. In einer Zeit, in der die Folgen der Finanzkrise schwer zu bewältigen seien, sei ein solches Verhalten inakzeptabel.

Mit Blick auf die Marktmacht von Wachstumsländern wie China müssten Europa und die USA an einem Strang ziehen und sich an gemeinsame Abmachungen halten. Dabei gebe es kein „unamerikanisch" oder „uneuropäisch", sagte Fitschen und reagierte damit auf eine Äußerung des Vorstandschefs von JP Morgan, der Basel III als „unamerikanisch" tituliert hatte.

Fitschen appelliert an Gemeinsamkeit

Fitschen sieht in den aufstrebenden asiatischen Märkten auch eine Gefahr für Europa. Jetzt heißt es, sich zusammenreißen und den härteren Anforderungen anpassen, sagte er. Nur dann könne Europa mithalten und von dem Aufschwung in Asien profitieren, erklärte Fitschen.

Die chinesische Währung werde in den nächsten Jahren zu den drei wichtigsten weltweit gehören, prognostizierte er. Schon jetzt hat sich der Renminbi als weltweite Handelswährung etabliert. Gerade chinesische Unternehmen nutzen die eigene Währung laut einer Studie von HSBC auch zunehmend für Finanzanlagen.

Die Aussichten für seinen Heimatkontinent beurteilt Fitschen kritisch. Es werde zwar nicht zu einem Kollaps der Eurozone kommen, aber es gebe neben der Verschuldung der europäischen Staaten weitere Gefahrenherde. Kritisch sei auch die zunehmende Verschuldung der einzelnen Haushalte, erklärte Fitschen. „Denn das bedeutet auch weniger Konsum." Für wirtschaftliches Wachstum ist der private Konsum essenziell.

Kontakt zum Autor: Madeleine.Nissen@wsj.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

Erwähnte Unternehmen