• The Wall Street Journal

Regulierer will britische Banken zu mehr Härte zwingen

    Von MAX COLCHESTER und MARGOT PATRICK

Britische Banken geraten unter Druck: Die Regulierer im Land werfen den Geldinstituten vor, kriselnden Entwicklern von Geschäftsimmobilien zu leichtfertig Kredite zu geben. Ein Ausschuss der britischen Notenbank Bank of England hat jetzt besonders deutliche Worte gesprochen: Die britischen Banken könnten ihre Vermögenswerte übertreiben, indem sie faule Kredite nicht klar benennen und indem sie Risiken systematisch unterschätzen.

Vor der Finanzkrise waren die Preise für Geschäftshäuser in England kräftig gestiegen. Danach standen die Entwickler vor einem Scherbenhaufen. Also haben die Banken ihnen erlaubt, die Rückzahlungen zu verschieben oder neu zu verhandeln. Diese Praxis lässt die Bilanzen der Banken besser aussehen, denn die Institute müssen kein Geld zur Seite legen, um die faulen Kredite abzusichern. Aber sie kann den Glauben von Regulierern und Investoren in die Qualität der Kredite unterminieren.

dapd

Die Bank of England in Londons City. Die Notenbank will die privaten Institute zu mehr Härte bei der Kreditvergabe zwingen.

Die Aktien großer britischer Banken werden zurzeit nur mit etwa 60 Prozent ihrer zusammengerechneten Vermögenswerte gehandelt. Analysten schätzen, dass Zweifel über die Kreditbücher ein Grund für den hohen Bewertungsabschlag an der Börse sind.

Die USA haben die Bedingungen für ihre Banken bereits verschärft. Dort haben die Behörden unter anderem Institute geschlossen, weil sie nicht genug Kapital zur Seite gelegt haben, um ein Polster für wahrscheinliche Verluste zu schaffen. Ein anderer Teil des Instrumentariums waren Strafanzeigen gegen Unternehmenslenker, die den Wert von Immobilienkrediten übertrieben haben sollen.

Die britischen Regulierer wollen vermeiden, dass wachsende Unternehmen zu wenig Kredite bekommen, weil das Kapital der Bank in schlechten Anlagen feststeckt und kränkelnde Firmen länger überleben als sie sollten. Dieses „Zombie-Szenario" wird als der Hauptgrund für Japans so genanntes verlorenes Jahrzehnt in den 1990er-Jahren gesehen.

Die Geldinstitute würden die eigene Gesundheit übertreiben, sagte der Ausschuss der Bank of England jetzt – zukünftige Verluste durch schlechte Kredite würden untertrieben, damit die Banken weniger Geld zur Seite legen müssen.

Das sind bisher die deutlichsten Anschuldigungen, aber nicht die ersten. Die Banken widersprechen ihnen seit längerem. Ihrer Meinung nach kann die Praxis, Kredite zu verlängern und umzutauschen, Wirtschaftszyklen die schlimmsten Ausschläge nach unten nehmen. Würden die Banken jeden Kredit aufkündigen, bei dem sich die Schuldner mit den Zahlungen verspäten, wären deren Verluste noch größer. Viele Unternehmen würde diese Praxis in die Knie zwingen.

Die Regulierer sehen ein wichtiges Problem darin, dass es in Großbritannien keine klaren Kriterien gibt, wann und wie Kredite verlängert oder umstrukturiert werden. Jede Bank würde ihre eigenen Regeln darüber machen, wann ein Kredit abgeschrieben werden müsse – so dass Vergleiche schwierig sind. Darum wollen die Regulierer ein System schaffen, das die Risiken jedes Immobilienkredits nach standardisierten Kriterien bemisst. Manche Immobilienexperten warnen aber, dass dieses System zu einer Kreditknappheit führen könnte, weil Banken mehr Kapital zur Seite legen müssten.

Die britischen Behörden haben sich auf die Geschäftsimmobilien eingeschossen, weil viele dieser Kredite nicht zurückbezahlt werden, ehe ein Projekt entwickelt und verkauft ist. Insgesamt wurde Ende 2011 bei 12 Prozent der Kredite für Geschäftsimmobilen gegen die Leihbedingungen verstoßen, wie Daten der De Montfort Universität in Leicester ergeben.

Bekommen die Banken das Problem nicht in den Griff, drohen ihn mittelfristig hohe Belastungen: Ende des Jahres 2016 werden auf einen Schlag 153 Milliarden Pfund an Immobilienkrediten fällig.

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