• The Wall Street Journal

Israel plant Erdgas-Deal mit Jordanien

    Von JOSHUA MITNICK, SUMMER SAID und SARA TOTH STUB

Jordanien könnte bald das erste Land werden, das Erdgas aus Israel kauft. Die beiden Nachbarstaaten haben Gespräche über ein entsprechendes Abkommen begonnen, sagen Analysten und Insider. Israel hat am Sonntag einem Plan zugestimmt, nach dem 40 Prozent der Energiereserven, die es in jüngster Zeit im Mittelmeer entdeckt hat, exportiert werden sollen.

Ein Deal mit Israel käme Jordanien sehr zupass: Das Land hätte künftig eine günstige Energiequelle und könnte die schmerzhafte Energiekrise ein wenig lindern. Ein zwei Jahre währender Lieferengpass aus Ägypten hat die Preise in Jordanien ansteigen lassen und zu Unruhen geführt. Die Regierung denkt sogar darüber nach, die Spannung im Stromnetz zwischenzeitlich abzusenken.

Agence France Presse/Getty Images

Anschläge auf eine ägyptische Gaspipeline sorgten für Lieferengpässe nach Israel und Jordanien.

Mit einem Abkommen würden sich die Beziehungen zwischen den beiden Ländern, die vor zwei Jahrzehnten ein Friedensabkommen geschlossen haben, verfestigen. Das Königreich Jordanien könnte durch einen Deal mit dem jüdischen Nachbarland aber auch Kritik aus der arabischen Welt auf sich ziehen.

Israel machte 2009 und 2010 wichtige Funde: Das Land entdeckte riesige Gasfelder, die die bestehenden Reserven um mehr als das 30-Fache übertreffen. Nun will die Regierung Milliarden mit Exporten nach Europa und Ostasien verdienen. Allerdings wird es noch Jahre dauern, bis Abkommen über die nötige Infrastruktur und über Lieferungen mit anderen Staaten getroffen sind.

Jordaniens Energiehunger ist zwar eher bescheiden. Dennoch habe Israel Interesse daran, die Wirtschaft des Nachbarn mit günstigen Gaslieferungen zu stützen, sagen Analysten. Der Lieferengpass aus Ägypten hat dort den Preis für Kochgas um 50 Prozent ansteigen lassen, auch der Strom ist teuer geworden. Im vergangenen Oktober gingen die Jordanier deshalb gegen die Regierung auf die Straße.

„Jordanien hat sofortigen Bedarf und wäre unser erster Kunde", sagt Oded Eran, früherer israelischer Botschafter in Jordanien, der mit den Gesprächen vertraut ist. Dass die Lieferungen aus Ägypten immer wieder unterbrochen werden, habe die Diskussionen beschleunigt. „Stabilität in Jordanien ist für Israel von großem Interesse."

Politische gesehen ist ein Abkommen mit Israel für Jordanien wenig attraktiv

Eine Verbindung zu Jordanien könne „relativ schnell" hergestellt werden, indem man eine Pipeline einige Kilometer über die Salzwasserbecken des Toten Meeres verlängert, sagt Eran. Sie würde dann von einem Gaskraftwerk von Israel Chemicals zu einem Kraftwerk von Arab Potash Corp. (APC) in Jordanien führen.

Der jordanische Energieminister sagte im Februar, dass der größte Aktionär von APC, die kanadische Potash Corp. of Saskatchewan, auf die Verbindung dränge, um die Produktionskosten zu senken.

Die Regierungen der beiden Länder verhandelten auch darüber, die ganze jordanische Wirtschaft mit Gas aus Israel zu versorgen, berichtet Eran. In diesem Fall könnte eine eigenständige Pipeline zwischen dem Jezerrel Tal in Nordisrael durch das Mittelmeer nach Beit Shean nahe der Grenze und dann weiter nach Jordanien errichtet werden. Potash Corp. wollte sich dazu nicht äußern.

Jordanien sei bereit dazu, Gas aus anderen Ländern zu importieren, wenn eine Anlage zur Verflüssigung von Erdgas in der Hafenstadt Akaba im kommenden Jahr ihren Dienst aufnimmt, sagt ein Insider. Allerdings wäre das Gas, das durch eine Pipeline durch Israel fließt, günstiger als das verflüssigte Erdgas.

Jordanien hat auch mit dem Irak und Katar über Energielieferungen gesprochen. Politisch gesehen wäre ein Abkommen mit Israel am wenigsten attraktiv für das Land. Die Jordanier geben Israel die Schuld für Stromausfälle im Gazastreifen und verzögerte Zahlungen von Steuereinnahmen an die palästinensische Regierung in Ramallah.

„Ein direktes bilaterales Abkommen ist für viele Leute sehr beängstigend.", sagt Daoud Kuttab, ein Journalist und politischer Analyst aus Amman. „Doch wenn es durch eine dritte Partei geschieht, könnte man die Menschen vielleicht besser davon überzeugen."

Türkei und Zypern wollen als Transitpunkte dienen

Der Bedarf jedenfalls ist da. Nach Anschlägen auf Gaspipelines in Ägypten konnte das Land kein Gas mehr nach Israel und Jordanien liefern. Nach Israel fließt immer noch nichts und Jordanien erhält 40 Prozent weniger als ein Abkommen mit Ägypten vorsieht.

„Es ist kein großer Markt, aber die Israelis werden dort sicher verkaufen. Es ist klar, dass wir das wollen", sagt Uri Aldubi, Vorstandschef des Verbands der Öl- und Gasindustrie in Israel. „Sie brauchen das Gas wirklich" in Jordanien.

Am Sonntaghatte das israelische Kabinett einen Plan gebilligt, 40 Prozent der Erdgasreserven des Landes zu exportieren. Ministerpräsident Bejamin Netanjahu will so in 20 Jahren 60 Milliarden Dollar einnehmen. Das Bruttoinlandsprodukt soll dadurch jährlich um ein bis zwei Prozent wachsen und der Energiebedarf für 25 Jahre gestillt sein. „Israel ist gesegnet – mit Gas aus dem Mittelmeer", sagte Netanjahu. Die Reserven würden „die Staatskoffer durch Exporte und Steuern mit Milliarden Schekel füllen".

Während Israel sich schon auf höhere Einnahmen durch Exporte einstellt, konkurrieren die Türkei und Zypern darum, als wichtigster Transitpunkt für Exporte von israelischen Gasfeldern zu dienen. Doch der Wettstreit könnte zu politischen Querelen führen. Auf einer Konferenz in Israel deuteten Energieexperten aus beiden Ländern an, dass sie versuchen würden, ein Abkommen zwischen Israel und ihrem Rivalen zu blockieren.

„Die günstigste Möglichkeit für Jordanien ist es, Erdgas aus Israel zu bekommen", sagt Amit Mor von der israelischen Energieberatung Eco Energy. „Doch Jordanien muss eine geopolitische Entscheidung treffen."

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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