• The Wall Street Journal

Schiffskredite bedrohen Eigenkapital der Commerzbank

Gerüchte über schlecht laufende Verkaufsverhandlungen wecken Ängste bei den Anlegern

    Von ISABEL GOMEZ, MADELEINE NISSEN und BENJAMIN KRIEGER

Werden die Schiffskredite die Commerzbank erneut zu einer Kapitalerhöhung zwingen? Angeblich läuft der geplante Verkauf des Geschäftsbereichs so schlecht, dass an der Börse bereits die Angst umgeht, Konzernchef Martin Blessing werde nicht umhin kommen, das Eigenkapital abermals zu verstärken.

Die Commerzbank-Aktie ist daraufhin am Mittwoch deutlich ins Minus gerutscht. Zeitweilig notierte sie bei 6,70 Euro. Das ist ein Rekordtief.

Eine weitere Kapitalerhöhung käme einem Supergau für Vorstandschef Blessing gleich. Erst kürzlich hat er die fünfte Kapitalerhöhung binnen vier Jahren über die Bühne gebracht, wenige Wochen später scheinen die ausgelagerten Schiffskredite das mühsam aufgestockte Eigenkapital der Bank zu bedrohen.

Mit dem Abbau des 18 Milliarden Euro schweren Kredit-Portfolios will sich die Commerzbank nach eigenen Angaben Zeit lassen. „Wir wollen die Portfolien wertschonend und über die Zeit abbauen: Es gibt keine Firesales", versicherte Stefan Otto, Bereichsvorstand Non Core Assets – Deutsche Schiffsbank.

Schiffskredite machen Anlegern Angst

Gleichwohl kursieren in Frankfurter Händlerkreisen Gerüchte, dass es bereits Verkaufsgespräche gibt, die nicht so laufen wie gewünscht. Die Bank hat demnach für die Schiffskredite einen so niedrigen Preis geboten bekommen, dass ein Abschluss derart hohe Abschreibungen nach sich zöge, dass ein großer Teil des Eigenkapitals der Bank aufgebraucht würde. Die Spekulationen tauchten auf, nachdem die Commerzbank laut Händlern ein Treffen mit Investoren abgehalten hatte.

Reuters

Schotten dicht. Arbeiter machten vor Wochen die Commerzbank wetterfest, als in Frankfurt die Blokcupy-Proteste anstanden. Jetzt fürchten Anleger, dass der Bank bei den Schiffskrediten ein Leck droht.

Jetzt geht das große Rechnen los: „Eine Abschreibung von 100 Prozent ist unwahrscheinlich", sagt Analyst Christian Hamann von der Haspa. Auch müsse vom Nominalwert 18 Milliarden Euro die bisherige Risikovorsorge abgezogen werden, um etwaige Verluste zu beziffern.

In etwa drei Milliarden Euro hat die Commerzbank nach seinen Angaben für etwaige Risikien zurückgestellt. Hamann hält aber schon eine Lücke von 1 bis 2 Milliarden Euro zwischen Bilanz und Kaufpreis für nicht tragbar. „Selbst diese Lücke wäre nicht darstellbar, ohne Gefahr zu laufen, eine neue Kapitalerhöhung durchführen zu müssen", sagt Hamann.

Die wäre derzeit kaum machbar, glaubt der Analyst. Dazu habe sich der Aktienkurs seit der vergangenen Kapitalerhöhung Mitte Mai noch nicht ausreichend erholt. Die Anleger würden nicht mitziehen.

Das dürfte auch Blessing wissen. Er will den Kapitalmarkt nicht noch einmal anzapfen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich die Geschäfte wie erwartet entwickeln. Eine unsichere Wette, die die Commerzbank in den vergangenen Jahren verloren hat.

Das große Risikoportfolio der Bank hat sich auch nach der jüngsten Kapitalerhöhung als Bremse für den Aktienkurs erwiesen. Nach fünf Kapitalerhöhungen und einer Aktienzusammenlegung ist die Notierung von einstigen Höchstständen von 266 Euro Lichtjahre entfernt.

Analysten wollen keine Entwarnung geben

Trotzdem wollen Analysten wie Jaime Becerril von J.P. Morgan keine Entwarnung geben und erst dann zum Kauf der Commerzbank-Aktie raten, wenn die Bank Erfolge beim Verkauf von Risikopositionen vorweisen kann, zuvorderst bei den besagten Schiffsfinanzierungen. „Eine Erholung der Preise in diesem Segment ist für uns von zentraler Bedeutung", sagt Analyst Becerril.

Es scheint jedoch, als bliebe das Engagement der Commerzbank im Schifffahrtsgeschäft der größte Risikofaktor. Die Überkapazitäten im weltweiten Reedereigeschäft sind nach Angaben von Experten nach wie vor groß und die weltweite Nachfrage nach Frachtschiffen eher niedrig.

Analysten halten es trotzdem nicht für falsch, dass die Commerzbank schon jetzt versucht, Teile ihre Schiffsfinanzierungen zu veräußern. Damit sänken die Risiken in der eigenen Bilanzrisiko, sagt Haspa-Experte Hamann. Aktionäre bekämen wieder Vertrauen in die Konzernführung, das gegenwärtig so niedrig wie nie sei. „Die Aktionäre fordern einen Befreiungsschlag", sagt Hamann.

Es sind nicht die Gerüchte über eine Kapitalerhöhung allein, die aktuell den Aktienkurs der Commerzbank belasten. Ein Händler führt den Abwärtstrend auch darauf zurück, dass die Notierung inzwischen die Schwelle von sieben Euro nach unten durchbrochen hat. „Zu diesem Preis wurden die Soffin-Aktien im Mai platziert", sagt der Händler.

Der Bankenrettungsfonds hatte damals Aktien im Volumen von 625 Millionen Euro platziert. Mit dem Durchbrechen der Marke seien automatische Verkaufsaufträge ausgelöst worden, sagt der Händler. Sie drücken den Preis der Papiere weiter nach unten.

Kontakt zu den Autoren: isabel.gomez@dowjones.com, madeleine.nissen@wsj.com und benjamin.krieger@dowjones.com

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