• The Wall Street Journal

Bitcoins finden bei kleinen Unternehmen immer mehr Freunde

    Von SARAH E. NEEDLEMAN

Immer mehr kleine Unternehmen setzen in den USA auf die virtuelle Währung der Bitcoins. Sie erhoffen sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der großen Konkurrenz, die Bitcoins noch nicht annimmt. Kleinunternehmer wie der Gemüsehändler Adam Sah begrüßen die neue Bezahlmöglichkeit. Mit Bitcoins lässt sich online zahlen, der Händler spart dabei die ansonsten anfallenden Kreditkartengebühren.

Annie Tritt for The Wall Street Journal

Schild an der Tür des Gemüsehändlers Adam Sah.

Sah bietet die neue Bezahlmethode seit April an. Sein Kalkül: Kunden zahlen lieber mit virtuellem Geld für eine Tafel Schokolade oder eine Packung Reis als extra zur Kreditkarte zu greifen. Der 42-jährige frühere Software-Programmierer bestellte Sticker mit dem orange-weißen Logo des Bezahlsystems und dem Vermerk: "Bitcoins werden hier akzeptiert." Sah befestigte die Aufkleber an den Fenstern seiner drei Gemüseläden in San Francisco. Zunächst machten nur wenige Käufer mit. Aber jetzt begleicht jeden Tag mindestens ein Kunde seine Rechnung mit dem virtuellen Geld, freut sich Sah.

Bitcoins basieren auf einem mathematischen Algorithmus und lassen sich über das Internet kaufen und verkaufen. In Geschäften vor Ort kann ein Kunde per Smartphone damit zahlen. Dazu scannt er einfach den Barcode ab, den der Händler ihm hinhält. Wagniskapitalfirmen haben im vergangenen Jahr Millionen von US-Dollar in Start-ups investiert, die auf Bitcoins setzen.

Die großen Einzelhandelsketten akzeptieren das virtuelle Geld nicht. Bis es soweit ist, könnten noch Jahre vergehen - oder vielleicht wird es auch nie etwas. "Wir beobachten zwar die verfügbaren Zahlungsoptionen sehr genau, aber dieses Modell ist zum jetzigen Zeitpunkt einfach noch nicht auf unserem Radarschirm", sagte Paula Drake, Sprecherin der Heimwerkerkette Home Depot aus Atlanta.

Bei großen Unternehmen steht das Thema nicht auf der Agenda

Bisher stehe das Thema Bitcoins nicht auf der Agenda, gibt auch Tom Litchford zu. Er ist Vizepräsident des Nationalen Einzelhändlerverbands, der insbesondere große Ketten vertritt. Er sieht kaum einen Vorteil für den Verbraucher. "Warum soll ich nicht meine Kreditkarte nutzen, mit der ich zum Beispiel Bonusmeilen sammeln kann?"

Kleine Einzelhändler sehen das immer häufiger anders. Oft sind sie Technologie-Enthusiasten und handeln selbst mit der virtuellen Währung. Andere weisen auf die Kostenersparnis hin. Kreditkartenunternehmen verlangen Gebühren von bis zu 3 Prozent des Verkaufswerts. Mit Bitcoins ist ein Händler meist mit unter 1 Prozent dabei. Bitcoin-Transaktionen sind auch endgültig und können nicht im Nachhinein angefochten werden.

Mehr als 100.000 Dollar zahlt Christian Dumontet, Mitgründer des Online-Lebensmittelhändlers Foodler, jeden Monat für Kreditkartengebühren. Zudem würden immerhin fast 1 Prozent der Transaktionen im Nachhinein angefochten. Es könne mehrere Monate dauern, bis hier eine Einigung gefunden ist, ärgert sich Dumontet. "Da gibt es große zeitliche Verzögerungen, die absolut ins Gewicht fallen." Der Online-Händler nutzt Bitcoins seit April. Allerdings zahlten die Kunden seitdem nur rund 400 Aufträge mit der virtuellen Währung. Das sind nicht einmal 1 Prozent aller Bestellungen.

Es ist nicht ganz klar, ob Geschäftstransaktionen Teil der ursprünglichen Idee des 2009 gestarteten Bitcoin-Projekts waren. Die Währung wird von keiner einzigen Notenbank gestützt. BitPay Inc aus Atlanta wickelt Bitcoin-Zahlungen ab und hat bei sich nach eigenen Angaben inzwischen 8.000 Händler aus der ganzen Welt registriert.

Unternehmer und Ärzte setzen auf Bitcoin

Viele Unternehmer - und selbst Ärzte - favorisieren die virtuelle Währung, da die Transaktionen zügig über das Internet abgeschlossen werden können. "Bargeldzahlungen sind sehr nervig", sagt der plastische Chirurg Aaron Rollins aus dem kalifornischen Beverly Hills. Manche Patienten zahlten bar, obwohl die Eingriffe mindestens 3.000 Dollar kosten. "Ich muss extra das Geld zählen und zur Bank bringen." Ein Patient wollte seine Rechnung neulich mit Bitcoin begleichen. Seitdem gab es eine Reihe weiterer Anfragen. "Ich habe mir das angeschaut und finde es irgendwie cool", erklärt Rollins. "High-tech zu sein gefällt mir."

Ein Manko ist für Bitcoin-Nutzer allerdings, dass die virtuelle Währung plötzlich erheblich an Wert verlieren kann. Eine Bitcoin-Einheit war beispielsweise vor einem Jahr 5 Dollar wert, dieses Jahr im April schoss die virtuelle Währung auf 266 Dollar hoch, nun sackte sie wieder auf rund 100 Dollar ab. Deswegen wandeln viele Händler ihre virtuelle Währung lieber schnell in traditionelles Geld um.

Aktuelle Ereignisse könnten die Geschäfte mit Bitcoins für Händler auch wieder unattraktiver machen. Zwei Wochen lang konnten Bitcoin-Nutzer keine Guthaben in US-Dollar umwandeln. Der Grund war eine Modernisierung des Systems der Bitcoin-Börse in Tokio. Die virtuelle Währung gerät gleichzeitig von offizieller Seite her unter Druck. Bankenaufseher in Kalifornien, New York und Virginia warnen, dass sie Börsen für virtuelle Währung schließen könnten, sofern diese gegen Geldgesetze der Bundesstaaten verstießen.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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