• The Wall Street Journal

"Four more years": Obama schlägt Romney

    Von COLLEEN MCCAIN NELSON
[image] Getty Images

US-Präsident Barack Obama bedankt sich bei seinen Anhängern in Chicago.

Amerikas alter Präsident ist auch der neue. Um 5.16 Uhr verkündete Barack Obama auf Twitter "Four more years". Kurz darauf stand sein Erfolg auch offiziell fest. Nach einer spannenden Wahlnacht gab der Erfolg des Demokraten im bereits zuvor zum Schlüsselstaat auserkorenen Ohio den Ausschlag für den Sieg über den republikanischen Herausforderer Mitt Romney.

Zwar waren noch nicht alle Staaten ausgezählt und in einigen war das Ergebnis so knapp, dass noch kein Ausgang vorhergesagt wurde. Doch mit den Erfolgen von Obama in Ohio und Iowa waren für Romney die 270 Wahlmännerstimmen, die nötig sind, um ins Weiße Haus einzuziehen, de facto nicht mehr zu erreichen.

Lange Zeit stand in der Wahlnacht Florida im Fokus. In dem Bundesstaat, in dem sich George W. Bush und Al Gore im Jahr 2000 ein so knappes Duell geliefert hatten, dass der Sieger erst nach Wochen feststand, ging es erneut eng zu. Nach Auszählung von 94 Prozent der Stimmen lag Obama nur mit wenigen tausend Stimmen vorne. Dafür hatte Romney in einem anderen Swing-State, Virginia, kurz vor der Ziellinie die Nase vorne.

Die meisten Wahlergebnisse standen bereits vorher fest

In dem Augenblick, in dem der Sieg des Präsidenten in Ohio feststand, war das Ergebnis aus den beiden umkämpften Staaten aber nicht mehr entscheidend. Weitere wichtige Erfolge verbuchte Obama in New Hampshire, Iowa, Pennsylvania und Michigan. Außerdem gewann er den größten Bundesstaat Kalifornien.

Die meisten Ergebnisse waren nicht überraschend. Eine große Zahl an Bundesstaaten ist politisch so eindeutig festgelegt, dass die jeweiligen Lager fest auf sie zählen konnten. Die typischen Republikaner-Staaten Utah, Mississippi, Arkansas, Nebraska, Wyoming, Kansas, Louisiana, South Dakota, Texas, North Dakota, Tennessee, Kentucky, West Virginia, Indiana, South Carolina, Oklahoma, Alabama und Nebraska fielen denn auch Romney zu. Außerdem siegte er in den umkämpfteren Staaten Idaho, North Carolina und Missouri.

US-Präsidentschaftswahl

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Auf der anderen Seite war Barack Obama in New York, New Jersey, Vermont, Illinois, Connecticut, Maine, the District of Columbia, Delaware, Rhode Island, Maryland, Massachusetts und Maine erfolgreich. Darüber hinaus setzte er sich in Washington, Hawaii und New Mexico durch.

Einer der Schlüsselstaaten für Obama war New Hampshire. Romney hatte seine Kampagne in im Juni 2011 hier gestartet und war am Montag für seine Abschluss-Veranstaltung nach New Hampshire zurückgekehrt. Auch in der Zwischenzeit war der Bundesstaat immer wieder Teil seines Reiseplans.

Späte Aufmerksamkeit für Pennsylvania

Auch Pennsylvania galt als Schauplatz eines entscheidenden Duells. Allerdings hatte es diesen Status erst spät erlangt, da die Republikaner hier zunächst wenig Zeit und Geld ließen. Doch in der heißen Phase des Wahlkampfs änderte die Partei ihre Taktik, da sie hier plötzlich Chancen auf einen Erfolg witterte.

Bis zur letzten Minute kämpfte Mitt Romney in dem nord-östlichen Staat noch um Stimmen. Am Dienstag Nachmittag legte er noch einen Zwischen-Wahlkampf-Stopp in Pittsburgh ein, danach kehrte er nach Boston für die Wahlnacht zurück.

Fotos: Der Tag der Entscheidung

Associated Press

Barack Obama gewann auch in Michigan. Obwohl der Bundesstaat nicht als hart umkämpft galt, investierten die Republikaner viel in dem Staat, in dem Romney geboren wurde. Zwar gaben sich die Wahlkämpfer von Romney bis zuletzt zuversichtlich, dass ihr Kandidat durchaus Chancen habe, doch nur wenige Minuten nach der Schließung der Wahllokale und Beginn der Stimmauszählung war klar, dass Präsident Obama diesen Kampf für sich entscheiden wird.

Um die Präsidentschaft für sich zu entscheiden, hätte Romney seinen Vorsprung in Virginia halten müssen und zudem Florida mitsamt einiger weiterer Swing States gewinnen müssen – der wichtigste davon Ohio.

In den meisten Bundesstaaten waren die Wahllokale bereits geschlossen, während in den Pazifik-Anrainerstaaten noch gewählt wurde. Quer durchs Land mussten die Wähler teils bis zu zwei Stunden und länger vor den Wahlstuben ausharren, um ihre Stimme abzugeben.

Neueste Umfragen zeigen: Das Land ist immer noch zerrissen

In den jüngsten Wahlumfragen von Dienstag blieb nach wie vor die Sorge um die nationale Wirtschaftslage das bestimmende Thema unter den Wählern. Viele bewerteten die wirtschaftliche Lage als "nicht so gut" beziehungsweise "schlecht", und eine leichte Mehrheit sagte, dass das Land "den richtigen Weg verloren" habe.

Insgesamt lieferte die Wählerschaft auf den ersten Blick widersprüchliche Botschaften, so wie es zuvor schon einige Umfragen angedeutet hatten. Eine kleine Mehrheit erklärte in Nachwahlbefragungen, sie hätte eine gute Meinung von Obama. Das sagten von Romney weniger. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten sagten, die Politik der Republikaner bevorzuge die Reichen.

Obama: Staatsmann, Stratege, Familienvater

AFP/Getty Images

Die denkwürdigsten Momente aus der ersten Amtszeit des amerikanischen Präsidenten.

Frühe Nachwahlbefragungen zeigten auch, wie gespalten die Wählerschaft in kritischen Staaten ist. In Ohio etwa teilen sich die Wähler fast zu gleichen Teilen in jene auf, die glauben, die Demokraten beziehungsweise die Republikaner hätten das bessere Händchen für Wirtschaftspolitik. Eine Mehrheit der Befragten in Ohio glaubt aber, dass vor allem Ex-Präsident George W. Bush für die aktuellen wirtschaftlichen Probleme der USA verantwortlich sei.

In Florida erklärten mehr Wähler, dass Romney der bessere Wirtschaftslenker sei. In Virginia sehen mehr als die Hälfte der Wähler die Obama-Regierung in einem positiven Licht, glauben aber trotzdem, dass Romney die Wirtschaft besser führen würde.

Obama: "Vorsichtig optimistisch"

In zahlreichen Wahllokalen bildeten sich riesige Schlangen, manche mussten mehr als zweieinhalb Stunden warten, um ihr Kreuzchen zu machen.

Hier und da gab es technische Probleme, aber die Störungen hielten sich im Rahmen dessen, was normalerweise an Wahltagen zu erwarten ist.

Der Bauch wählt mit - was Obama und Romney essen (mussten)

Der Herausforderer Mitt Romney ging bis zur letzten Minute auf Stimmenfang. Schon als die ersten Amerikaner zur Wahlurne schritten, flog er noch einmal in den umkämpften Staat Ohio, um zusammen mit seinem Vize Paul Ryan Anhänger zu mobilisieren. „Dieses Land ist in die falsche Richtung gegangen, wir werden es wieder auf einen Kurs bringen, der dem amerikanischen Volk zu einer besseren Zukunft verhilft", sagte er bei einer Rede in Ohios Hauptstadt Cleveland.

Auch Vizepräsident Joe Biden machte überraschend noch einmal in Cleveland Halt, während der Präsident selbst den Wahltag in Chicago verbrachte. In einem örtlichen Wahlkampfbüro gab er am Dienstag letzte Interviews und appellierte an Wähler in den umkämpften Schlüsselstaaten. Er sei „vorsichtig optimistisch", dass er sich eine zweite Amtszeit sichern werde, wenn nur genügend Leute wählen gingen, sagte Obama.

Er sollte Recht behalten.

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