• The Wall Street Journal

Fiskalklippe wird auch für China gefährlich

    Von TOM ORLIK

Im US-Wahlkampf ist China vor allem mit der Drohung des republikanischen Herausforderers Mitt Romney in den Vordergrund gerückt, das Land als Währungsmanipulator zu geißeln. Aber die wirkliche Bedrohung für den asiatischen Wirtschaftsriesen kommt aus einer ganz anderen Ecke: Es ist die Fiskalklippe, die sich in Washington auftut.

Wenn es jetzt bis zum Jahresende keine andere politische Vereinbarung gibt, treten zum 31. Dezember automatisch massive Ausgabenkürzungen in Kraft. Gleichzeitig laufen zahlreiche noch in der Bush-Ära eingeführte Steuersenkungen aus. Der Internationale Währungsfonds hat ausgerechnet, dass mit allen Änderungen der US-Haushalt im nächsten Jahr in einer Größenordnung von vier Prozent der Wirtschaftsleistung schrumpfen würde. Genug, um die größte Volkswirtschaft der Welt wieder in eine richtige Rezession zu schicken.

Reuters

In Asien berichten die Zeitungen bereits über den Wahlsieg von Präsident Barack Obama. Für China und seine Wirtschaft ist aber eigentlich das drohende Fiskalkliff in den USA viel wichtiger.

Es scheint unwahrscheinlich, dass das passiert. Aber wenn es so kommt, wären die Folgen für China dramatisch. Nachdem die Nachfrage aus Europa im Zuge der Schuldenkrise zurückgegangen ist, sind die USA wieder zu Chinas größtem Exportziel geworden. Die Ausfuhren dorthin hatten 2011 einen Wert von 324 Milliarden US-Dollar, was gut 17 Prozent aller Exporte und 4,4 Prozent der gesamten chinesischen Wirtschaftsleistung entspricht. Nach Europa gingen im gleichen Jahr knapp 19 Prozent der Ausfuhren; 2012 war der Anteil geringer.

Wenn die USA Europa in die Rezession folgten, würden die zwei größten Handelspartner Chinas schrumpfen. Zudem bestünde das Risiko eines ernsthaften Schocks auf den internationalen Finanzmärkten. Dem Weltwährungsfonds zufolge würde im schlimmsten Fall die Wirtschaft der USA um 4,8 Prozent einbrechen und das chinesische Wachstum 2013 um 1,2 Prozentpunkte nach unten ziehen. Wenn die Turbulenzen an den Finanzmärkten noch starker ausfallen als befürchtet, könnte der Einbruch in China auch doppelt so hoch ausfallen.

Für China ist also weniger die Wahl entscheidend, sondern die schwierigen Verhandlungen, die ihr folgen werden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Werbung

  • [image]

    Biene, Eule, Pinguin: Die tierischen Maskottchen von Tech-Firmen

    Viele Produkte von Tech-Firmen sind schwer verständlich für Laien. Die Unternehmen haben es darum oft nicht leicht, für sich zu werben. Etliche setzen auf Tiere, um ihre Marke bekannt zu machen. Wir stellen 30 von ihnen vor.

  • [image]

    Die teuersten Hotelstädte Europas

    Paris, London, Berlin, Lissabon: Im Sommer locken Städte die Urlauber. Bei den Zimmerpreisen sind die Unterschiede groß. Wir zeigen, wo Touristen sich das Hotel leisten können - und in welchen Städten die saftigsten Preise fällig werden.

  • [image]

    Zu Besuch bei deutschen Start-ups

    Ständig wird über sie berichtet, ihre Dienste werden von Millionen genutzt: Deutsche Start-ups müssen sich vor der Konkurrenz aus den USA längst nicht mehr verstecken. Das zeigt auch ein Blick auf die Büros der jungen Firmen. Wir haben Onefootball, Eyeem, Wooga, Amorelie, Mymuesli, Researchgate und Outfittery in Berlin besucht.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 30. Juli

    Viel Wasser in Los Angeles, viel Sonne über Hongkong, bunte Hindu-Pilger in Indien, eine zerstörte Schule im Gazastreifen und Männerbeine in Glasgow: Das und noch mehr steckt heute in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Die schlimmsten Stau-Städte der Welt

    Für alle deutschen Autofahrer im Stau gilt: Es geht noch schlimmer. Der Navigationsgeräte-Hersteller TomTom hat die Fahrzeiten in den Metropolen verglichen. Wir stellen die Stau-Hochburgen der Welt vor.

  • [image]

    Der neue Villen-Boom in Berlin

    „Arm, aber sexy" war gestern. Heute zeigt Berlin wieder Luxus. Besonders die Altbauvillen im Südwesten der Hauptstadt erleben derzeit eine neue Blütezeit.