• The Wall Street Journal

Adidas siegt im Schuhstreit gegen Nike

    Von NATALI SCHWAB
dapd

Läufer bei den Leichtathletik-Europameisterschaften in Helsinki in diesem Jahr - Adidas soll bei Nike abgekupfert haben, gewann nun aber in erster Instanz vor Gericht.

Nicht nur die Technologie- oder Pharmabranche wacht eifersüchtig über ihre Erfindungen. Auch die Sportartikelhersteller verteidigen Neuheiten gegen die Konkurrenz. Es geht um Geld, Prestige und um die Verteidigung des eigenen Image. Notfalls ziehen die Kontrahenten vor Gericht, wie zuletzt Nike und Adidas.

Was Unternehmen wie Apple und Samsung können, können die beiden Sportartikelhersteller schon lange. Nike und Adidas streiten sich um eine Schuhtechnologie, von der Nike ein Patent für sich reklamiert. Die US-Amerikaner haben nun jedoch eine Schlappe vor Gericht verbuchen müssen: Die Herzogenauracher können ihren Schuh Adizero Primeknit in Deutschland weiter produzieren und verkaufen. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat eine von Nike erwirkte einstweilige Verfügung gegen Adidas aufgehoben, da Nike nach Aussage des Gerichts eine Patentverletzung nicht glaubhaft machen konnte.

Nike hatte Ende August per einstweiliger Verfügung die Vermarktung des Adidas-Schuhs untersagen lassen. Adidas soll von den Amerikanern abgekupfert haben. Stein des Anstoßes ist der Oberschuh, der aus einem Stück gewebt ist. Üblicherweise werden die Schuhe sonst aus mehreren Teilen zusammengenäht oder geklebt. Adidas bestreitet den Ideenklau und argumentiert, dass die Technologie bereits seit den 1940er Jahren bekannt ist. Deswegen hat das Unternehmen auch den Widerruf des Nike-Patents beantragt.

Ausgestanden ist der Streit mit der jetzigen Entscheidung damit noch lange nicht: Geurteilt wurde erst in erster Instanz. Nike kann Berufung einlegen.

Adidas

Das Steitobjekt: der Schuh namens Adizero Primekit von Adidas.

Bedeutung haben in solchen Prozessen nicht allein mögliche finanzielle Einbußen, sondern auch immaterielle Schäden. Sportartikelhersteller etwa verwenden viel Zeit und Geld darauf, ihre Kunden von ihrer Marke zu begeistern und damit auch emotional an sich zu binden. Die Marke soll mit einem Lebensgefühl verbunden werden. So wacht etwa auch Adidas mit Argusaugen über seine drei Streifen und hat deswegen schon mehrere Prozesse gegen Nachahmer angestrengt.

Den nun umstrittenen Sneaker hat Adidas während der Olympischen Spiele in London vorgestellt, zunächst mit einer roten Sonderedition von lediglich 2012 Stück. Auch wenn es damit bislang um wenig Geld geht, soll der neue Schuh mittelfristig stärker an Bedeutung gewinnen. Er gilt als wichtige Innovation des Unternehmens, die 2013 und darüber hinaus weiter ausgebaut werden soll.

Der Schuhmarkt ist hart umkämpft. Absatz- und Umsatzzahlen nennen die Herzogenauracher zwar traditionell nicht, der Bereich gehört aber zum Kerngeschäft von Adidas wie auch von Nike.

Nike hatte zuletzt mit Gegenwind zu kämpfen. Vor allem das China-Geschäft läuft nicht mehr rund. Die Bruttomarge fiel zuletzt deutlich hinter der der Adidas AG zurück, die mit Ausnahme des Sorgenkinds Reebok bislang glänzende Geschäfte macht.

Kontakt zum Autor: natali.schwab@dowjones.com

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