• The Wall Street Journal

Anleger strafen Rabatthändler Groupon ab

    Von NATHALIE TADENA
[image] dapd

Rabatthändler Groupon verfehlte die eigenen Erwartungen und enttäuschte Analysten. In Nordamerika steigen zwar die Umsätze, in Europa aber lahmt das Geschäft. Jetzt will sich der Konzern stärker diversifizieren.

Couponhändler Groupon hat im dritten Quartal seine Verluste verringert, blieb aber hinter den eigenen Erwartungen und denen der Analysten zurück. Nach Bekanntgabe der Zahlen am Donnerstagabend straften Anleger das Unternehmen an der Börse ab: Die Aktie fiel nachbörslich um fast 16 Prozent auf 3,30 US-Dollar. Damit liegt Groupon seit seinem Börsengang im November vergangenen Jahres nun schon 80 Prozent unterhalb des Ausgabepreises von 20 Dollar.

Das Unternehmen, das im Auftrag von Händlern Rabattcoupons auf Waren und Dienstleistungen im Internet anbietet, verfehlte die eigenen Umsatzprognosen im dritten Quartal und enttäuschte Analysten mit dem erwirtschafteten Ertrag je Aktie.

Zwischen Juli und September machte die Rabattseite 3 Millionen Dollar Verlust, was je Aktie eine schwarze Null bedeutet. Im selben Zeitraum des Vorjahres lag der Verlust noch bei 54,2 Millionen Dollar oder 18 Cents je Aktie. Analysten hatten aber mit einem Gewinn von 3 Cents je Aktie gerechnet.

Die Einnahmen stiegen im Berichtsquartal um fast ein Drittel auf 568,6 Millionen Dollar. Aber im August hatte das Unternehmen noch Einnahmen zwischen 580 und 620 Millionen Dollar vorausgesagt. In den ersten beiden Quartalen waren die Einnahmen auch noch um je 89 Prozent und 45 Prozent gestiegen.

Wie Konzernchef Andrew Mason mitteilte, bleiben die Nachfrage und das Umsatzwachstum in Europa schwach: „Unser solides Abschneiden in Nordamerika wurde von den anhaltenden Herausforderungen in Europa überlagert", sagte er. Er betonte aber, dass die neue Online-Resterampe, über die der Konzern rabattierte Waren verkauft, „sich in eine zweite große Kategorie entwickelt hat, die unsere Kunden klar lieben".

Groupon war mit seinem Geschäftsmodell anfangs steil gewachsen. Aus der kleinen, 2008 gegründeten Webseite aus Chicago hat sich ein internationaler Gutscheinhandel im Internet entwickelt. Aber seit dem Börsengang im Jahr 2011 stehen die Bilanzen, die Werbekosten und die Wachstumsaussichten des Unternehmens zunehmend auf den Prüfstand.

Das Kernmodell, der Vertrieb von Rabattgutscheinen im Internet, hat inzwischen einige Nachahmer gefunden. Und Rivalen wie die Seite Livingsocial drängen mit Macht in den Markt für die täglichen Angebote. Groupons neue Restposten-Sparte läuft zwar gut, ist aber weniger ertragreich. Im September führte das Unternehmen zudem einen eigenen Zahlungsdienst ein, um sich von seinem Kernmodell zu diversifizieren.

International nahm Groupon im vergangenen Quartal 3,1 Prozent mehr ein, in Nordamerika stiegen die Umsätze um 81 Prozent. Die Marketingkosten sanken um 58 Prozent und die gesamten operativen Ausgaben um 0,3 Prozent im Vergleich zum selben Quartal des Vorjahres. Die Bruttoabrechnungen – also der Gesamtbetrag den Groupon für seinen Gutscheinvertrieb von Kunden einnimmt – stiegen um 5,3 Prozent auf 1,22 Milliarden Dollar.

Im vierten Quartal soll der Umsatz zwischen 625 Millionen und 675 Millionen Dollar liegen. Analystenprognosen liegen mit 634 Millionen Dollar ebenfalls in dieser Spanne.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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