• The Wall Street Journal

Apple-Bären stürzen Aktie Richtung 500 Dollar

    Von STEVEN RUSSOLILLO und BENJAMIN PIMENTEL
dapd

Dunkle Wolken über Apple? Analysten halten die Sorgen über Lieferprobleme beim iPhone für übertrieben - ebenso wie den Kurssturz.

Willkommen im Bärenmarkt, Apple. Seit ihrem Hoch über 700 Dollar Mitte September ist die Aktie des weltgrößten Konzerns nach Marktkapitalisierung um mehr als 20 Prozent gefallen. Am Mittwoch, als Apple-Papiere 4,2 Prozent an Wert verloren, durchbrachen sie diese Grenze, ab der im Bösenjargon von einer Bärenrally gesprochen wird. Am Donnerstag setzte sich der Kursrutsch fort.

Der Absturz ging rasant. Es ist keine zwei Monate her, dass sich die Investoren in Vorfreude auf das iPhone 5 auf Apple-Aktien stürzten. Seither jedoch dreht sich am Markt alles um Lieferprobleme bei den neuen Produkten. Das drückt heftig auf die Stimmung.

Nach dem Kursrutsch um 4,2 Prozent am Mittwoch verloren Apple-Aktien am Donnerstag weitere 3,6 Prozent und schlossen bei 537,75 Dollar – dem tiefsten Stand seit Mitte Mai und ungefähr das Niveau, von dem aus die Aktie ihre Sommerrally startete. Diese endete am 19. September bei einem Allzeithoch von 702,10 Dollar. Seither ist der Kurs um 23,5 Prozent abgesackt. Am Freitag erholte sich die Aktie leicht und stieg um 1,7 Prozent.

Die jüngste Hiobsbotschaft für Apple-Anleger kam vom chinesischen Zulieferer Hon Hai Precision, besser bekannt unter dem Namen Foxconn: Der Chef des Unternehmens Terry Gou erklärte, man könne "deutlich weniger" neue iPhones ausliefern, als Apple nachfrage. Gou sagte, das iPhone 5 sei wegen seines Designs schwierig zu produzieren. Hon Hai könne den hohen Qualitätsstandards von Apple bisher nicht entsprechen.

Lieferprobleme haben dazu geführt, dass es für das iPhone 5 seit der Markteinführung Ende September lange Wartelisten gibt. Die Knappheit ist ein Grund für den Kursrutsch, da sich Anleger um Apples Einnahmen im Schlussquartal und eventuell darüber hinaus sorgen.

Es ist nicht das erst Mal in diesem Jahr, dass Apple-Aktien ins Taumeln geraten. Nach einem Zwischenhoch im April sank der Kurs bis Mitte Mai um 16 Prozent, ehe er in Erwartung des iPhone 5 wieder scharf anzog.

Aktie seit Jahresbeginn noch klar im Plus

Trotz des jüngsten Sinkflugs liest sich die Jahresbilanz für Apple an der Börse aber nach wie vor positiv. Die Aktie liegt nach wie vor 35 Prozent über ihrem Niveau zu Jahresbeginn. Und Analysten geben sich gelassen: Ittaie Kidron, Analyst bei Oppenheimer & Co., bezeichnete die Kursreaktion in einer Studie am Donnerstag als „übertrieben"und riet seinen Kunden, die Aktien in ihrer Schwächephase zu kaufen.

"An Apples Wettbewerbsposition hat sich nichts verändert. Nach unserer Meinung ist das Unternehmen für 2013 mit einem frischen Produktportfolio in fast allen Schlüsselbereichen sogar besser aufgestellt", schrieb Kidron. "Wir sehen viel Potenzial für eine Erholung, wenn die Nachfrage nach iPhones und iPads so hoch bleibt."

Ins gleiche Horn stößt Brian White, Analyst bei Topeka Capital. Apples Absturz habe "Anleger verschreckt", schreibt er. "Die Korrektur ähnelt aber den anderen drei der vergangenen 13 Monate. Und die haben sich alle als hervorragende Kaufgelegenheiten erwiesen", ist er überzeugt. White hält denn auch unbeeindruckt an seinem Kursziel von 1.111 Dollar für die Aktie fest.

Immerhin ein Kurspotenzial von fast 70 Prozent - auf 900 Dollar - sieht Jefferies-Analyst Peter Misek, der nach dem jüngsten Kursverfall ebenfalls mit einer Wiederholung seines scheinbar jenseits von Gut und Böse liegenden Kursziels aufhorchen ließ. Misek ist überzeugt, dass Apple seine Probleme mit der Bruttomarge noch im laufenden Quartal in den Griff bekommen wird. Auch die Produktionsprobleme bei Foxconn schrecken ihn nicht. Die dortigen Probleme mit fehlenden Komponenten hätten sich verringert und Foxconn suche bereits neue Mitarbeiter, um der Nachfrage nach dem iPhone 5 gerecht zu werden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Alt, neu, kurios und nicht chancenlos – Parteien zur Europawahl

    In Deutschland sind 25 Parteien zur Europawahl zugelassen. Neben den etablierten Bundestagsparteien können sich die Wähler für eine Menge kurioser Alternativen entscheiden – von der Christlichen Mitte bis zur Bayernpartei. Da die 3-Prozent-Hürde gefallen ist, haben die Kleinen sogar eine Chance.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 15. April

    Wilde Tulpen in Afghanistan, Wasserfontänen in China, der Vollmond über Schanghai und Ordensbrüder mit wunden Füßen in Spanien. Das und mehr zeigen unsere Fotos des Tages.

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.