• The Wall Street Journal

Es werde wieder Licht

    Von REBECCA SMITH
[image] The Trentonian/Associated Press

In den USA verläuft ein Großteil des Stromnetzes überirdisch. Darum ist es für Wind und Wetter besonders anfällig.

Seitdem Hurricane Sandy in den USA Strommasten umgerissen hat und viele Amerikaner im Dunkeln sitzen ließ, werden Forderungen laut, das Stromnetz vor solchen Ausfällen besser zu schützen. Doch viele Versorger wollen das Problem anders angehen: Anstatt das Netz sturmsicher zu machen, wollen sie lieber daran arbeiten, den Strom nach einem Ausfall schneller wiederherstellen zu können.

Solche Systeme nutzen fortschrittliche Technologien, die Problemstellen im Netz lokalisieren und den Stromfluss automatisch umleiten können. Außerdem werden Handwerker automatisch benachrichtigt, wo sie Reparaturen vornehmen müssen, um für die größte Anzahl von Menschen den Strom wieder anzuschalten.

„Ich glaube, dass es durch Sandy ein größeres Interesse an Automatisierung geben wird", sagt Rita Wells, eine Ingenieurin, die für das Energieministerium am Schutz kritischer Infrastruktur arbeitet.

Diese Maßnahmen sind für die Versorger ungewöhnlich. In der Vergangenheit haben sie Milliarden für Elektrokabel und stärkere Masten ausgegeben, um das Netz vor einem Ausfall zu schützen. Ein solcher Sturmschutz ist teuer und wirkt nicht immer, wenn Wind und Wetter so stark wüten wie bei Sandy. Dieser hatte für Stromausfälle in zehn Millionen Wohnhäusern und Geschäftsräumen in 16 Staaten gesorgt.

Das neue Stichwort für Versorgungsexperten ist Flexibilität. Sie akzeptieren, dass Schäden entstehen werden, nutzen aber fortgeschrittene Technologien, um die Probleme zu finden und das Netz schneller wieder in Gang zu bringen. Einige Versorger nutzen „intelligente Strommesser", um ein Kontrollzentrum zu warnen, wenn irgendwo der Strom ausfällt, anstatt auf Meldung der Kunden zu warten. Dadurch können Reparaturteams schneller ausrücken.

Während viele größere Stromversorger mittlerweile ein intelligentes Stromnetz betreiben, gebe es noch weit mehr, das man tun könne, sagt George Pataki, ehemaliger Gouverneur von New York. Heute berät der Jurist Versorger und andere Energieunternehmen bei Chadbourne & Parke in New York.

Die Stadt Chattanooga in Tennessee hat ein „selbstreparierendes" Netz, das mithilfe von 100 Millionen US-Dollar staatlicher Gelder gebaut wurde und besonders schnelle Glasfaserkabel nutzt, um Informationen aus dem Stromnetz an eine Zentrale zu schicken. Das geschieht durch intelligente Schalter, die den Stromfluss leiten und auf veränderte Bedingungen reagieren können.

Strom wird automatisch umgeleitet

Wenn ein Baum also auf ein Stromkabel fällt, wird die Stromzufuhr dorthin abgeschnitten und umgeleitet, damit so viele anliegende Haushalte wie möglich weiterhin Strom haben. Ohne diese Technologie müssten diese Haushalte warten, bis ein Reparaturteam kommt, das Problem erkennt und händisch die Schaltung ändert, damit der Strom wieder fließt. Das kann oft Stunden dauern.

Die Umstellung auf ein intelligentes Netz war zwar teuer, doch immer noch billiger, als das gesamte Stromnetz unter die Straßen zu verlegen. Das hätte die Stadt zwei Milliarden Dollar gekostet, sagt David Wade, Chief Operations Officer beim städtischen Stromversorger Electric Power Board.

170.000 Haushalte und Unternehmen sind an das intelligente Netz von Chattanooga angebunden. Im Juli wurde es zum ersten Mal auf die Probe gestellt, als 35.000 Haushalte durch einen Sturm bis zu drei Tage lang keinen Strom hatten. In 42.000 Haushalten dauerte der Stromausfall jedoch nur einige Augenblicke, bis die intelligenten Schalter das Problem identifiziert und den Strom umgeleitet hatten. Früher wäre es in diesen Häusern auch dunkel geworden.

Ohne die neuen Schalter hätte es eineinhalb Tage länger gedauert, bis alle Haushalte wieder mit Strom versorgt gewesen wären, sagt Wade.

400 Schalter sollen Stromausfällen vorbeugen

Der Versorger Commonwealth Edison (ComEd) aus Chicago gibt über die nächsten fünf Jahre 150 Millionen Dollar dafür aus, im Norden des Bundesstaates Illinois ein Netz zu bauen, das dem in Chattanooga ähnlich ist und schätzt, dass die 400 intelligenten Schalter, die dort dieses Jahr installiert werden, etwa 70.000 Haushalte im Jahr vor Stromausfällen bewahren sollen.

Irgendwann soll ComEd über 5.000 intelligente Schalter haben, um die 3,8 Millionen Kunden zu versorgen, sagt Terry Donnelly, Chief Operating Officer bei ComEd. In den kommenden zehn Jahren will das Unternehmen bis zu 2,6 Milliarden Dollar für Verbesserungen des Netzes ausgeben, jeweils die Hälfte für intelligente Netze und für den externen Schutz vor Stürmen.

Die Technologie kann auch noch mehr als nur den Strom wiederherstellen. In Kalifornien, wo Waldbrände in den vergangenen Jahren tausende Wohnhäuser zerstört haben, hat die San Diego Gas & Electric Co. 140 kleine Wetterstationen gebaut. Diese sammeln Informationen über Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit und Temperaturen und liefern diese an eine Zentrale, die Waldbrände verhindern soll - vor allem solche, die durch das eigene Stromsystem des Versorgers ausgelöst werden.

Wetterstationen teilen Informationen mit der Feuerwehr

„Wenn die Bedingungen für Brände gut sind, schicken wir die Feuerwehr los", sagt Mike Niggli, Präsident und Chief Operation Officer von SDG&E, einer Abteilung des Versorgers Sempra Energy . Die Wetterstationen teilen ihre Informationen auch mit der staatlichen Feuerwehr für Waldbrände.

Versorgerunternehmen sind verpflichtet, ihre Stromnetze zu modernisieren, doch Sandy werde diesen Prozess weiter beschleunigen, sagt Irwin „Sonny" Popowsky, der bis vor kurzem Leiter des People's Counsel in Pennsylvania war. Die Vereinigung vertritt Steuerzahler gegenüber den Versorgern.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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