• The Wall Street Journal

Intelligentes Schreiben mit dem Smartpen

    Von BONNIE CHA
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Schreiben und gleichzeitig Audio aufnehmen: Mit dem Smartpen von Livescribe ist das möglich.

Nennen Sie mich ruhig altmodisch. Selbst in Zeiten wie heute, in denen Laptops und Tablets die Welt regieren, mache ich mir noch gerne Notizen auf Papier. Es ist einfach angenehmer. Und es hilft mir dabei, mich besser an Dinge zu erinnern.

Doch über die Jahre ist meine Handschrift etwas schlampig geworden. Ich bin heute nicht mehr schnell genug, alles Wichtige während eines Interviews aufzuschreiben. Also brauchte ich eine neue Lösung. Und die habe ich mit dem Livescribe Smartpen gefunden.

Livescribe ist ein digitaler Stift, mit dem man auf einem speziellen Papier schreiben kann. Mit dem Stift können Töne und Sprache aufgenommen werden und diese mit den handschriftlichen Notizen synchronisiert werden. Vor vier Jahren wurde das Produkt erstmals vorgestellt und sollte sich in erster Linie an Studenten richten. Livescribe ist nicht für jeden etwas. Doch in journalistischen oder rechtlichen Berufen, wo häufig auf einen Stift zurückgegriffen wird, lohnt sich ein zweiter Blick.

Eingebauter WLAN-Chip

Bei der ersten Version des Livescribe mussten die Notizen noch umständlich per USB auf einen Computer übertragen werden. Doch weil immer mehr Menschen mobile Geräte wie Tablets kaufen, wollte die Firma den Prozess einfacher gestalten. Die Nutzer sollten in der Lage sein, auf ihre Notizen von unterschiedlichen Geräten zugreifen zu können. Und der Livescribe Sky Wifi Smartpen erlaubt genau das. Er hat einen eingebauten WLAN-Chip und Inhalte können automatisch zum Produktivitätsprogramm Evernote hochgeladen werden.

Mit einem Startpreis von 190 Euro für einen 2-Gigabyte-Stift ist der Smartpen nicht unbedingt günstig. Und die Evernote-Integration ist auch ein bisschen umständlich. Doch für Vielschreiber ist Livescribe von unschätzbarem Wert. Wer kein WLAN braucht und auch mit USB-Synchronisation leben kann, kann das Vorgängermodell kaufen. Den Echo Smartpen gibt es bereits für 100 Euro im Online-Handel.

Aber wie funktioniert dieser „magische" Stift denn nun eigentlich? Zunächst einmal befindet sich eine kleine Kamera an der Spitze des Stiftes, die das spezielle Papier „liest". Der Stift lässt sich nur mit Notizbüchern von Livescribe nutzen, da jedes Stück Papier über ein spezielles Muster winzig kleiner Punkte verfügt. Die Kamera registriert die Punkte, um Notizen und Audioaufnahmen zu speichern. Daraus wird anschließend eine digitale Version des Materials erzeugt und an Evernote gesendet.

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Livescribe ist ein digitaler Stift, mit dem man auf einem speziellen Papier schreiben kann. Mit dem Stift können Töne und Sprache aufgenommen werden und diese mit den handschriftlichen Notizen synchronisiert werden.

Der Livescribe Sky Wifi Smartpen wird mit einem 50 Seiten dicken Notizbuch geliefert. Wer mehr braucht, muss noch einmal rund 25 Euro investieren.

Auf allen Seiten und auf den Buchcovern befinden sich zahlreiche Icons, mit denen bestimmte Kommandos eingegeben werden können, wenn man mit der Spitze des Stiftes darüberfährt. Damit können zum Beispiel die Audioaufnahme gestartet und der Zugang zum Wifi-Netz aktiviert werden.

Vor allem der letzte Punkt gelang recht einfach: Über die Kommandos und das kleine LED-Display am Stift war ich schnell mit dem Internet verbunden. Während des Installationsprozesses wird man auch nach seinem Evernote-Passwort gefragt. Wenn man erstmal verbunden ist, kann man einfach Notizen aufzeichnen, indem man losschreibt. Soll Audio aufgenommen werden, tippt man einfach auf das „Aufnehmen"-Icon am Ende des Papiers.

Der Stift ist größer und dicker als ein normaler Schriftstift. Man muss sich also erst daran gewöhnen. Hin und wieder fühlte ich mich wieder wie in der Grundschule, als wir mit riesigen Stiften Schreibschrift übten.

Der Livescribe Sky Wifi Smartpen hat eine Kugelspitze und wird mit drei Tintenpatronen geliefert. Fünferpakete Nachfüllminen kosten jeweils 10 Euro. Die Tinte war nicht so geschmeidig, wie ich es normalerweise mag. Doch das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Schließlich bringt Livescribe ansonsten viele Vorteile mit sich.

Ich habe den Stift bei mehreren Arbeitstreffen verwendet. Weil ich wusste, dass auch Audioaufnahmen möglich sind, konnte ich mich besser auf mein Gegenüber konzentrieren. Ich war bemühter und stellte mehr Fragen als sonst. Trotzdem schrieb ich wie sonst auch vieles mit. Es war auf jeden Fall eine Verbesserung gegenüber dem herkömmlichen Mitschreiben. Normalerweise hätte ich versucht, so viel wie möglich zu notieren. Doch einige wichtige Dinge wären mit trotzdem entgangen.

Wenn man fertig ist, muss nur das Stop-Icon mit dem Stift angetippt werden. Solange eine WLAN-Verbidnung besteht, werden die Notizen und Audioaufzeichnungen anschließend automatisch an Evernote gesendet. Ist keine WLAN-Verbindung möglich, werden die Aufzeichnungen einfach beim nächsten Mal synchronisiert.

Als ich den Stift zum ersten Mal verwendet habe, wurden zunächst nur die Audioaufnahmen an Evernote gesendet. Doch 15 Minuten später erschienen dann auch die Textaufzeichnungen. Da ich wusste, dass normalerweise beides gleichzeitig hochgeladen werden soll, machte ich mich auf die Suche nach einem Software-Update. Das funktionierte über das entsprechende Icon im zugehörigen Notizbuch. Mir wurde angezeigt, dass ein Update vorliegt. Nachdem ich es installiert hatte, trat der Fehler nicht mehr auf.

Sobald die Notizen zu Evernote hochgeladen wurden, tauchen sie im Ordner „A5 Wifi Starter Notebook" auf. Dort werden sie mit entsprechender Seitennummer, Datum und Uhrzeit angezeigt. Wenn man auf eine bestimmte Seite klickt, wird die digitale Version davon aufgerufen. Audioaufnahmen finden sich unter „Livescribe Recordings". Ein wichtiger Hinweis: Livescribe und Evernote verwandeln Handgeschriebenes nicht in Text.

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Der Livescribe Sky Wifi Smartpen wird mit einem 50 Seiten dicken Notizbuch geliefert. Wer mehr braucht, muss noch einmal rund 25 Euro investieren. Darin befinden sich auch die Bedienungsicons.

Alle meine Notizen und Audioaufnahmen landeten ohne Probleme bei Evernote. Allerdings bin ich der Meinung, dass man die Wiedergabefunktion von Audiotracks besser in die App hätte integrieren können. So wie es derzeit ist, muss man auf eine Notiz klicken, damit sich ein neues Fenster öffnet. Erst dann lässt sich die Aufnahme anhören. Mir würde es besser gefallen, wenn man all das in einem einzelnen Fenster machen könnte.

Die Audioaufnahmen sind mit den textlichen Aufzeichnungen verbunden. Man kann also auf eine Zeile oder ein Wort drücken, um den Ton vor- und zurückzuspulen. Am oberen Ende des Stiftes gibt es auch einen eingebauten Lautsprecher. Der aufgezeichnete Ton kann also direkt über den Smartpen abgespielt werden. Wenn ich mir die Aufnahmen aus einem kleinen Raum anhörte, gab es kaum Probleme. War die Person gegenüber jedoch weit entfernt, musste ich die Lautstärke nach oben drehen.

Livescribe gibt an, man könne mit dem 2-Gigabyte-Modell etwa 200 Stunden Audiomaterial speichern. Mit 4 Gigabyte sind 400 und mit 8 Gigabyte 800 Stunden möglich. Mit WLAN-Verbindung soll der Akku des Smartpen bis zu 5 Stunden halten. Wer sich nur zwischendurch mit dem Internet verbindet, soll bis zu 12 Stunden erreichen. Ich habe den Stift in der vergangenen Woche hin und wieder mit WLAN genutzt und musste bisher noch nicht nachladen.

Mein Fazit: Der Livescribe Sky Wifi Smartpen ist zwar nicht besonders billig. Doch für Studenten und Menschen, die bei ihrer Arbeit viele Notizen machen müssen, ist er auf jeden Fall eine Überlegung wert.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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