• The Wall Street Journal

BBC-Chef Entwistle tritt nach falschem Bericht zurück

    Von dapd

Wegen eines unzutreffenden Berichts über einen Missbrauchsskandal ist der Chef des britischen Rundfunksenders BBC, George Entwistle, nach nur zwei Monaten im Amt zurückgetreten. Er habe sich für diesen Schritt entschieden, da er als Generaldirektor letztlich für alle Sendungsinhalte verantwortlich sei, erklärte Entwistle am Samstag. Die BBC hatte Anfang November einen Bericht ausgestrahlt, in dem ein konservativer Politiker fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs beschuldigt wurde.

Er habe sich mit seinem Rücktritt für einen "ehrenvollen" Schritt entschieden, erklärte Entwistle in einer kurzen Stellungnahme vor der BBC-Zentrale in London. "Aber nach den gänzlich ungewöhnlichen Ereignisse der vergangenen Woche bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass die BBC einen anderen Direktor berufen sollte." Entwistle war erst Mitte September zum Generaldirektor ernannt worden. Der Chef des BBC-Weltdienstes, Tim Davie, übernimmt nun die Leitung des Senders, bis ein Nachfolger für Entwistle gefunden ist.

dapd

Wegen eines unzutreffenden Berichts über einen Missbrauchsskandal ist der Chef des britischen Rundfunksenders BBC, George Entwistle, nach nur zwei Monaten im Amt zurückgetreten.

In der am 2. November ausgestrahlten BBC-Sendung "Newsnight" hatte ein mutmaßliches Opfer von Kindesmissbrauch angegeben, es sei von einem bekannten Mitglied der konservativen Partei missbraucht worden. Zwar wurde der Name des Politikers in dem Beitrag, der sich um mutmaßliche Missbrauchsfälle in Wales in den 1970er und 1980er Jahren drehte, nicht genannt. Im Internet kursierten aber später Gerüchte, die sich auf einen bestimmten Politiker konzentrierten.

Dieser wies den Vorwurf am Freitag entschieden zurück und drohte mit einer Klage. Der in "Newsnight" zitierte Zeuge räumte daraufhin ein, dass er sich bei der Identität seines Peinigers geirrt habe und entschuldigte sich wie auch die BBC bei dem Politiker.

Entwistle auch wegen Savile-Skandals unter Druck

Schon im Oktober hatte die BBC einräumen müssen, dass ihr früherer Kinderprogramm-Moderator Jimmy Savile Kinder missbraucht hatte. Savile starb bereits im vergangenen Jahr, wurde aber offensichtlich bis nach seinem Tod durch den BBC gedeckt. Auch dieser Fall hatte für viele Schlagzeilen gesorgt, die Polizei ermittelt.

Der Rücktritt Entwistles stieß in Großbritannien auf Respekt. Er sei "schade, aber die richtige Entscheidung", sagte Kulturministerin Maria Miller in der Nacht zum Sonntag. Der BBC-Ombudsmann Chris Patten nannte den Samstag "einen der traurigsten Abende in meinem öffentlichen Leben". Er lobte "Ehre und Mut", die Entwistle bewiesen habe. John Whittingdale, Vorsitzender des für die BBC zuständigen Parlamentsausschusses für Medien, sagte: "Was in den letzten Tagen passiert ist, hat seine (Entwistles) Autorität und Glaubwürdigkeit immens geschmälert." Unter den Umständen wäre es für Entwistle sehr schwierig gewesen weiterzumachen.

"Völlig inakzeptabel"

Bereits am Samstagmorgen hatte Entwistle sich wegen der Ausstrahlung des umstrittenen TV-Beitrags entschuldigt und von einem Fehler gesprochen. "Wir hätten nicht einen Film zeigen sollen, der so fundamental falsch gewesen ist. Was hier passiert ist, ist völlig inakzeptabel", sagte er im BBC-Radio. Entwistle räumte ein, dass der "Newsnight"-Beitrag dem Vertrauen in die BBC geschadet habe. Vor der Ausstrahlung habe er keine Kenntnis von der umstrittenen Sendung gehabt. Rückblickend hätte er sich gewünscht, dass man sich in der Angelegenheit an ihn gewandt hätte, erklärte Entwistle, der seit 23 Jahren für die BBC arbeitete.

Ministerin Miller sagte nun: "Es ist unerlässlich, Glaubwürdigkeit und öffentliches Vertrauen in diese wichtige nationale Institution wiederherzustellen." Dabei sei entscheidend, dass die BBC durch ihre interne Organisation sicherstelle, ein erstklassiges Nachrichtenprogramm zu liefern. Die BBC sendet seit 1922.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Panorama

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 24. April

    Kleingedruckte Rezepte auf Sri Lanka, ein kleiner Eisbär in St. Petersburg, eine brenzlige Lage im Osten der Ukraine und ein tief gefallener Bernie Ecclestone in München. Das und noch mehr steckt diesmal in unseren Bildern des Tages.

  • [image]

    Wo Europas Schuldenberge am höchsten sind

    Trotz Fiskalpakt: Die Haushaltsdefizite und die Staatsschulden in der Europäischen Union bleiben hoch. Vor allem die Spanne zwischen den finanziellen Musterschülern und den Haushaltssündern ist beträchtlich.

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.