• The Wall Street Journal

Schäuble glaubt nicht an pünktliche Hilfszahlung

    Von MARKUS KLAUSEN

Griechenland muss sich bei der dringend notwendigen nächsten Hilfszahlung gedulden. Bundesfinanzminster Wolfgang Schäuble geht nicht davon aus, dass beim Treffen der Eurogruppe über die nächste Tranche entschieden werden kann. "Es sieht momentan nicht so aus, dass wir am Montag einen fertigen, vollständigen Troika-Bericht bekommen können, zumal das griechische Parlament erst am Sonntag den Haushalt beschließt", sagte Schäuble der Welt am Sonntag. Für den Zeitverzug machte der Minister die Griechen verantwortlich.

"Wir alle in der Eurogruppe und im IWF wollen Griechenland helfen, aber wir lassen uns nicht unter Druck setzen", sagte Schäuble. Griechenland wartet seit langem auf die Auszahlung der Tranche über 31,5 Milliarden Euro - die Zeit drängt. Das Land muss am 16. November kurzfristige Anleihen im Milliarden-Wert tilgen. Die Athener Regierung müsse dafür sorgen, dass Voraussetzungen für die Auszahlung der nächsten Tranche erfüllt seien, erklärte Schäuble.

[image] dapd

Bundesfinanzminster Wolfgang Schäuble geht nicht davon aus, dass beim Treffen der Eurogruppe über die nächste Hilfszahlung an Griechenland entschieden werden kann.

Von der Sanierung des angeschlagenen Landes innerhalb der Währungsunion ist der Finanzminister aber nach wie vor überzeugt. Es gebe einen Weg, aber der sei hart.

Ähnlich äußerte sich auch Bundesbankchef Jens Weidmann. Es bestehe offenkundig der politische Wille, den Euroraum als Ganzes zu erhalten. "Griechenland kommt um weitgehende Einschnitte (aber) nicht herum, und ohne die umfangreichen Hilfen gingen die Einschnitte noch viel tiefer."

Weidmann mahnte daher Reformen an. "Die Hilfen ergeben nur dann Sinn, wenn Griechenland selbst genug tut." Der Bundesbankchef geht davon aus, dass es weitere Finanzhilfen für das Land geben werde. "Die Politik hat sich offenbar entschieden, Griechenland weiter zu finanzieren", sagte Weidmann der Rheinischen Post. Einen Schuldenerlass der öffentlichen Hand für die Griechen lehnte er ab.

Die Schuldensituation des Landes hat sich seit dem Schuldenschnitt im März verschlechtert. Die Gründe dafür seien stärkere Wirtschaftseinbrüche und die zu langsame Privatisierung, hatte Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Jörg Asmussen, der belgischen Zeitung De Tijd gesagt. Um einen zweiten Schuldenschnitt zu vermeiden, gebe es ein "Menü von Optionen".

"Mein Eindruck ist, dass der Appetit auf eine zweite Restrukturierung extrem niedrig in den Mitgliedsländern ist", so Asmussen. "Wir müssen daher auf ein Menü von Optionen blicken, darunter ein freiwilliger Schuldenrückkauf, eine Senkung der Zinsen für ausstehende Kredite und ein höherer Primärüberschuss im griechischen Haushalt."

Das strauchelnde Land muss kurzfristig fällig werdende Anleihen im Volumen von 5 Milliarden Euro zurückzahlen. Vergangenen Freitag hatte die Finanzagentur des Landes mitgeteilt, die kurzfristige Schuldenaufnahme hochzufahren und die Auktion vier- und 13-wöchiger Schuldverschreibungen im Volumen von 3,125 Milliarden Euro angekündigt.

Marktteilnehmer hatten im Vorfeld damit gerechnet, dass Griechenland wie bereits im August erneut diesen Weg des Schuldendienstes wählen wird, da dem Land andere Möglichkeiten der Mittelbeschaffung verschlossen sind. Griechenland kann die neuen Papiere aber nur im Markt unterbringen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) der griechischen Zentralbank erlaubt, diese als Sicherheit in Repo-Geschäften zu akzeptieren. Das könnte unter dem Deckmantel der so genannten Emergency Liquidity Assistance (ELA) geschehen.

Angeblich wollte der griechische Zentralbankpräsident am Donnerstag den EZB-Rat von diesem Plan unterrichten. Dieser muss nicht zustimmen, kann ELA aber mit einer Zweidrittelmehrheit ablehnen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte einen Kommentar hierzu bei seiner Pressekonferenz am Donnerstag abgelehnt.

Kontakt zum Autor: markus.klausen@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Haus der Woche

  • [image]

    Hippe Box aus Licht und Glas in Venice Beach

    Ein Haus aus Licht und Glas, nur einen Steinwurf von dem bunten Treiben auf der Promenade von Venice Beach entfernt, ist unser Haus der Woche. Von der Couch aus blickt man hier direkt in den blauen Himmel über dem Strand bei Los Angeles.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 10. April

    Eine Ostereier-Färbe-Maschine in Nordrhein-Westfalen, frisch gezimmerte Särge in Wien, gewalttätige Polizisten in den USA und Papp-Wahlkandidaten in Indien. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

  • [image]

    Die besten deutschen Aktien –
    und die größten Verlierer

    Die große Rally scheint es in diesem Jahr an den Aktienmärkten nicht zu geben. Der Dax etwa notiert nach den ersten drei Monaten 2014 nur wenig verändert. Umso wichtiger ist es deshalb, die richtigen Aktien herauszupicken. Wir zeigen die größten Gewinner und Verlierer aus Deutschland.