• The Wall Street Journal

Japans Wirtschaft kommt nicht auf die Beine

    Von ANDREAS PLECKO und TAKASHI NAKAMICHI

TOKIO--Die japanische Wirtschaft hat im dritten Kalenderquartal den heftigsten Rückschlag seit der Erdbeben- und Flutkatastrophe im Frühjahr 2011 erlitten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte aufs Jahr hochgerechnet um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Das berichtet das Kabinettsbüro. Mit den Exporten, den Konsumausgaben und den Unternehmensinvestitionen zeigten sich gleich drei potenzielle Wachstumsquellen schwach. Allerdings war der BIP-Rückgang nicht ganz so stark wie von Ökonomen befürchtet, die von einer Schrumpfung um 3,9 Prozent ausgegangen waren.

Zuletzt war die japanische Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2011 geschrumpft und hat seitdem meist nur schwache Zuwächse erzielt. Im zweiten Quartal dieses Jahres war das BIP um annualisiert 0,3 Prozent gewachsen.

[image] dapd

Der private Konsum, der über die Hälfte der japanischen Wirtschaft ausmacht, ist im dritten Quartal um annualisiert 1,8 Prozent gesunken.

Ohne Hochrechnung aufs Jahr sank das BIP um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal, während Volkswirte in dieser Berechnung ein Minus von 1,0 Prozent erwartet hatten.

Die schwache Weltwirtschaft versetzte den japanischen Exporten einen harten Schlag, insbesondere im Bereich der Automobile und der Computerchips. Die Ausfuhren fielen aufs Jahr hochgerechnet um 18,7 Prozent. Die Importe sanken ebenfalls und zwar um 1,4 Prozent, was unter anderem auf einen schwachen Konsum hinweist.

Der private Konsum, der über die Hälfte der japanischen Wirtschaft ausmacht, sank um annualisiert 1,8 Prozent. Bereits im Vorquartal hatten sich die Verbraucher zaghaft gezeigt, ihre Ausgaben waren damals um 0,4 Prozent zurückgegangen.

Auch die Unternehmen schalteten auf Sparflamme und führten ihre Investitionen zurück. Die Kapitalanlagen fielen um 12,1 Prozent und verzeichneten damit den stärksten Rückgang seit dem Schock der globalen Finanzkrise, der zwischen April und Juni 2009 zu einem Rückgang der Investitionen um 20,1 Prozent geführt hatte.

Kapitalanlagen des Staates steigen

Nur die vierte potenzielle Wachstumsquelle, die öffentlichen Investitionen, erfüllten die in sie gesetzten Hoffnungen. Die Kapitalanlagen des Staates - einschließlich der Ausgaben in Infrastruktur - stiegen um 16,8 Prozent und zeigten damit das dritte Quartal in Folge nach oben. Dahinter stand vor allem der Wiederaufbau in den Katastrophengebieten, die von dem Erdbeben und Tsunami im März 2011 verwüstet worden waren.

Unterdessen hielt die Deflation an: Der BIP-Deflator, eine Maßzahl für die Inflationsentwicklung, sank um 0,7 Prozent. Damit ist die Kennzahl das zwölfte Quartal in Folge gesunken, auch wenn der aktuelle Rückgang der geringste in diesem Zeitraum war, was auf ein Nachlassen des Deflationsdrucks hindeutet. Der BIP-Deflator misst die Preisentwicklung anhand aller produzierten Waren und Dienstleistungen. Die Verbraucherpreise werden dagegen mittels eines repräsentativen Warenkorbs erhoben.

Die schwache Wirtschaft und die fortgesetzte Deflation hält den Druck auf die Bank of Japan aufrecht, die Geldpolitik weiter zu lockern. Neben der flauen Weltkonjunktur und der Yen-Stärke belasten auch die Auswirkungen des Inselstreits mit China die Exportwirtschaft des Landes.

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