• The Wall Street Journal

Ägyptischer Investor nimmt Telecom Italia ins Visier

    Von MANUELA MESCO

Die hochverschuldete Telecom Italia SpA ist ins Visier des ägyptischen Unternehmers Naguib Sawiris geraten. Der Geschäftsmann hat Interesse an einem Einstieg, teilte Italiens größte Telekommunikationsgesellschaft in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht Consob mit. Über die Höhe der möglichen Investition wurden keine Angaben gemacht. Ein Informant hatte gesagt, Sawiris bietet dem Konzern eine Kapitalspritze von bis zu fünf Milliarden Euro.

Ein Einstieg des Investors würde ins Bild passen. Neuerdings greifen vielfach Investoren aus Schwellenländern bei unterbewerteten Unternehmen der angeschlagenen Eurozone zu.

In der Mitteilung an die Börsenaufsicht hieß es lediglich, Sawiris wolle sich Aktien über eine Kapitalerhöhung bei dem Konzern sichern. Telecom Italia sei dabei, dass Angebot zu prüfen. Es sei dem Board bei einer Sitzung in der vergangenen Woche vorgelegt worden.

[image] dapd

Die hochverschuldete Telecom Italia SpA ist offenbar ins Visier des ägyptischen Unternehmers Naguib Sawiris geraten.

Die Offerte wäre ein gigantischer Brocken, den der Markt zu verdauen hätte. Der Kauf eines so großen Aktienpakets auf dem freien Markt könnte ein Übernahmeangebot durch den Ägypter erfordern. Eine - allerdings unwahrscheinliche - Alternative: Die Hauptaktionäre von Telecom Italia könnten einer Verwässerung ihrer Anteile zustimmen.

Das Angebot von Sawiris unterstreicht die Anfälligkeit hochverschuldeter Unternehmen aus südeuropäischen Staaten - wie der Telecom Italia - für mehr und minder feindliche Übernahmen. Die bereits seit drei Jahren köchelnde Staatsschuldenkrise macht es für hochverschuldete Unternehmen schwer, an den Kapitalmärkten frisches Kapital einzusammeln. Dagegen sind die Brieftaschen so manchen Investors aus Schwellenländern gut gefüllt.

Anfang dieses Jahres stach die chinesische Three Gorges Corp eine Zahl von europäischen Mitbietern bei der Privatisierung der portugiesischen EDP-Energias de Portugal aus. Der mexikanische Milliardär Carlos Slim kaufte jüngst große Anteile an der niederländischen Telekommunikationsgruppe Royal KPN NV und der Telekom Austria AG, um seine europäische Präsenz zu stärken.

Aggressive Übernahmestrategien

Einige Banker rechnen jetzt mit teils aggressiven Übernahmestrategien für europäische Anlagen durch Investoren aus Schwellenländern. Das dürfte vor allem für den südlichen Rand der Eurozone gelten, sollte die Eurokrise nicht langsam abebben. Obwohl Telecom Italia in diesem Jahr mehr Finanzmittel einwerben konnte, setzen immer mehr Anleger Fragezeichen hinter die Langfriststrategie der Südeuropäer. Auf den einstigen Staatskonzern drücken ein riesiger Schuldenberg, Rückschläge auf dem Heimatmarkt und ein drastisch zunehmender Wettbewerb.

Mit seinem Investment könnte Sawiris - der bereits über eine Beteiligung am Telekommunikationsbetreiber Wind Mobile SA auf dem italienischen Markt mitmischt - auch Anteile an Telco erwerben. Das ist das Holdingunternehmen, zu dem einige der größten Namen der italienischen Wirtschaft zählen und das 22,4 Prozent an Telecom Italia hält. Aber um Sawiris den Weg frei zu machen, müssten die Anleger entweder ihre Aktien verkaufen wollen oder über eine Kapitalerhöhung sich auf eine Verwässerung ihrer Anteile einlassen, was ein eher unwahrscheinliches Szenario ist.

"Momentan unterbewertet"

"Telecom Italia ist momentan unterbewertet. Deswegen wäre es definitiv eine gute Anlageentscheidung für Sawiris", sagte Francesco Sacco, Professor für Management-Strategien von der Bocconi-Universität in Mailand.

Telecom-Italia-Chef Bernabe versucht derzeit Unternehmensteile zu veräußern, um den riesigen Schuldenberg von rund 27,5 Milliarden Euro bis zum Jahresende wenigstens etwas abzutragen. Das Unternehmen aus Mailand erwägt auch eine Abspaltung seiner Festnetzsparte. Vergangene Woche erklärte der Konzern nach Angaben des Kreditanalysten Diwakar Vijayvergia von der Royal Bank of Scotland, seine bis 2014 fällig werdenden Schulden begleichen zu können.

Sollte das Unternehmen wirklich fünf Milliarden Euro an frischem Eigenkapital von Sawiris erhalten, dürfte sich seine Finanzposition deutlich verbessern. Die Ratingagentur Standard & Poor's könnte ihre Kreditbewertung von derzeit BBB markant anheben.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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