• The Wall Street Journal

Computerausfall stoppt Handel an der NYSE

    Von CHRIS DIETERICH und JACOB BUNGE

In den USA hat erneut eine Börsenpanne für Unruhe gesorgt. Der Handel an der NYSE Euronext blieb wegen eines Systemfehlers den gesamten Montag über gestört und zwang seine Betreiber, die Schlusskurse von mehr als 200 Unternehmen mit Hilfe eines Notfallsystems zu ermitteln.

Associated Press

Das Handelsparkett der New Yorker Aktienbörse NYSE lag während des Wirbelsturms Sandy in den USA ausnahmsweise einmal völlig verwaist da. Eine Panne legte den Handel mit mehr als 200 Aktien am Montag lahm.

Die Panne reiht sich ein in eine Serie von Technologieproblemen, die in letzter Zeit die Verlässlichkeit des elektronischen Handels insgesamt in Frage gestellt haben. Im vergangenen Monat strich die Technologiebörse Nasdaq Stock Market den Handel mit Papieren der Kraft Foods Group, nachdem ein Computerfehler zu heftigen Preisausschlägen geführt hatte. Wochen zuvor hatte ein anderer Schnitzer die Preise verschiedener Aktien aus der Energiebranche durcheinandergebracht.

Die New Yorker Aktienbörse NYSE unterrichtete Händler kurz nach Handelsbeginn, dass eine neue Maschine, welche Kauf- und Verkaufsanträge für 216 börsennotierte Wertpapiere zusammenbringt, ausgefallen sei. Zu den betroffenen Unternehmen gehörten CVS Caremark Corp, Lazard Ltd und U.S. Steel Corp. Die NYSE setzte den Handel mit den betroffenen Papieren aus; andere Börsen leiteten Kauf- und Verkaufsgesuche fast den gesamten Montag erst gar nicht an die NYSE weiter.

Der Handel mit den 216 Aktien wurde am Montag auch nicht mehr aufgenommen, sodass die Börse die offiziellen Schlusskurse dieser Wertpapiere anhand der letzten Verkaufspreise ermitteln musste, anstatt wie sonst über ein Auktionssystem. Der offizielle Schlusskurs einer Aktie, der sich auf dem Primärmarkt – in dem Fall die NYSE – ergibt, ist eine wichtige Kennziffer für die Festlegung des täglichen Leitindex. Auch Fondsmanager sind auf die offiziellen Schlusskurse an den führenden Börsen angewiesen, um ihre Nettovermögenswerte zu berechnen.

Die Panne vom Montag hing nach Angaben einer Börsensprecherin mit der Umstellung auf eine neue Maschine zusammen, die den Handel noch stärker vereinheitlichen soll. Seit September wurden bereits 800 Aktien auf das neue System übertragen. Die betroffenen 216 Aktien stellen nach Auskunft der Sprecherin nur einen Bruchteil der insgesamt 3.825 Börsenwerte dar, die auf dem Parkett der NYSE gehandelt werden.

Am Dienstag wird die NYSE etwa die Hälfte der betroffenen Aktien wieder in die alte Maschine für Kauf- und Verkaufsanträge einspeisen. Die Sprecherin rechnet mit einem „normalen Handelstag".

Eine Reihe von Pannen an US-Börsen hat zahlreiche Investoren beunruhigt. Zu den größeren Desastern zählt ein Computerfehler, der den Börsenhändler Knight Capital Group im August beinahe in den finanziellen Ruin getrieben hätte, sowie die Probleme der Nasdaq beim Börsenstart von Facebook im Mai.

Grundsätzlich sei der Handel am Montag weitgehend glatt gelaufen, sagten Händler, weil man auf andere Börsen ausweichen konnte. „Wir haben die Möglichkeit, anderswo zu handeln und unser Geschäft zu steuern", sagte Joseph Cangemi, der den elektronischen Handel für den Technologiekonzern Convergex Group leitet.

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