• The Wall Street Journal

Deutsche Start-ups verdienen kaum Geld

    Von MARCUS PFEIL

Die breite Masse der deutschen Start-ups erwirtschaftet mit ihrem Geschäft kaum Geld. Das geht aus einer Studie hervor, die der Bundesverband Deutsche Start-ups (BVDS) am Mittwoch veröffentlicht hat. Danach kommt nur jedes fünfte der 454 befragten Jungunternehmen auf einen Umsatz von mehr als einer halben Million Euro, fast jede zweite Neugründung erreicht nicht einmal jährliche Einnahmen von 50.000 Euro.

Auf dem Arbeitsmarkt ist die Bedeutung von Start-ups dennoch nicht zu vernachlässigen: In Erwartung künftigen Wachstums beschäftigen die befragten Gründer im Schnitt – inklusive Gründer - 12,4 Mitarbeiter und planen im laufenden Jahr fünf Neueinstellungen. Deutlicher wird der Beschäftigungseffekt bei Firmen, die sich bereits in der Wachstumsphase befinden: Sobald ein Start-up ein skalierbares Geschäftsmodell etabliert hat – das ist immerhin jedes dritte- beschäftigt es im Schnitt 26,9 Mitarbeiter und plant dieses Jahr 8,8 neue Jobs.

Verglichen mit dem typischen mittelständischen Gründer in Deutschland vergrößern Start-ups ihre Belegschaft deutlich früher: Firmen, die zum Befragungszeitpunkt nicht älter als ein Jahr waren, beschäftigen durchschnittlich 3,6 Angestellte, klassische Gründer hingegen lediglich 0,8 Mitarbeiter.

Da vier von fünf der befragten Start-ups zumindest auf Basis ihrer Einnahmen als Kleinstunternehmen gelten, ist es kein Wunder, dass 77 Prozent die eigenen Ersparnisse und die finanzielle Unterstützung durch Familie und Freunde als wichtigste Finanzierungsquelle nannten. Danach folgen Fördermittel (50%), Investitionen von Business Angels (46%), Cash Flow (immerhin 43%) und Venture Capital (33%). Nicht einmal jedes fünfte Start-up refinanziert sich über eine Bank.

Wagniskapital aus dem Ausland ist Mangelware

Der Start-up-Monitor bestätigt allerdings auch das Klagelied vieler Jungunternehmer, wonach es in Deutschland schwer sei, an Wachstumskapital zu kommen. Während die Frühphasenfinanzierung für die meisten Unternehmen kein Problem darstellt, geben 70 Prozent der befragten Gründer an, sie hätten Schwierigkeiten, weiteres Wachstum über Venture Capital zu finanzieren.

Wenn es doch mit einer Anschlussfinanzierung klappt, dauert diese im Schnitt über ein halbes Jahr, und das Volumen ist im Schnitt deutlich niedriger als in den USA oder Großbritannien: So betragen die deutschen „Series A- Finanzierungsrunden" lediglich ein Siebtel eines US-Investments (0,9 Millionen Dollar im Vergleich zu 7,1 Millionen in den USA) und ein Drittel einer Finanzierungsrunde in UK (2,6 Millionen Dollar).

Wichtigster Grund für die Probleme an Venture Capital zu kommen, ist das Fehlen ausländischer Geldgeber. 88 Prozent der befragten Start-ups erhalten ihr Wagniskapital aus Deutschland, 45 Prozent beziehen Mittel aus EU-Ländern, nicht einmal jedes vierte von VC-Gesellschaften aus dem Nicht-EU-Ausland.

Der BVDS zählt deutschlandweit etwa 5000 Start-ups, fast jedes zweite wurde erst 2012 oder 2013 gegründet. Die 454 Firmen, die der junge Verband gemeinsam mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht, Google und KPMG befragt hat, sind im Schnitt 2,4 Jahre alt. Knapp 60 Prozent der Unternehmen haben in Berlin ihren Standort, drei von vier kommen aus der IKT-Branche.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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