• The Wall Street Journal

Anleger sind irritiert über Fed-Aussagen

    Von RALF ZERBACK

Wieder kein klares Signal: Ziemlich irritiert haben die Anleger auf das lang ersehnte Fed-Protokoll reagiert. Die US-Notenbank sagte allerlei zu Wirtschaft und Konjunktur, doch eine deutliche Aussage zur weiteren Geldpolitik fehlte. Nach den Aussagen tendierten die Märkte wechselhaft.

Die Anleihenkäufe der Fed werden zunächst unvermindert fortgesetzt, was erwartet worden war. Immerhin gab es zwei kleine Änderungen in den Aussagen: Die Fed rechnet nun mit einem etwas weniger starken Wachstum als bisher. Und die niedrige Inflation wurde als Problem thematisiert. Beides lässt Raum für eine lockere Geldpolitik.

Der Dow-Jones-Index schloss mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 15.500 Punkten. Im Frühhandel erreichte der Index sogar ein neues Allzeithoch bei 15.634 Punkten. Der S&P-500 tendierte unverändert bei 1.686 Stellen. Der Nasdaq-Composite stieg um 0,3 Prozent auf 3.626 Punkte.

Die vorsichtigere Wachstums-Prognose der Notenbank fand keinen Spiegel in den Daten des Tages, denn die fielen überwiegend freundlich aus. So ist die US-Wirtschaft im zweiten Quartal stärker als erwartet gewachsen. Zugleich wurde allerdings das Wachstum für das Vorquartal nach unten revidiert. Auch erste Signale vom Arbeitsmarkt im Juli lasen sich freundlich. Die Daten des privaten Dienstleisters ADP zeigten, dass es mehr Stellen gibt als erwartet. Am Freitag folgt der offizielle Job-Bericht. Eher durchwachsen präsentierte sich indes der Index der Einkaufsmanager aus der Region Chicago für Juli.

Vor allem am Devisen- und Goldmarkt wurde zwischenzeitlich gespielt, dass das Fed-Protokoll die Schleusen für mehr Dollar offenhält. Der Goldpreis sprang vorübergehend um rund 20 Dollar nach oben bis auf 1.330 Dollar je Feinunze, kam dann aber auf 1.319 Dollar zurück. Zuvor war er auf den tiefsten Stand seit dem 22. Juli gefallen.

Der Euro kletterte – ebenfalls mit Fed-Fantasie – bis auf 1,3340 Dollar. Später fiel er auf 1,3300 Dollar zurück. Am US-Rentenmarkt erholten sich die Notierungen der Staatsanleihen von sehr viel stärkeren Tagesverlusten. Auch hier setzten die Anleger auf weiter frisches Geld der Fed. Die Rendite für US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit stieg auf 2,61 nach 2,60 Prozent am Vorabend. Im frühen Handel rentierten die Titel noch mit 2,68 Prozent.

Der Ölpreis profitierte von den amerikanischen Lagerbestandsdaten. Zwar legten die Bestände auf nationaler Ebene zu, doch das zentrale Lager in Cushing, Oklahoma, verbuchte einen deutlichen Rückgang. Über lange Zeit hatte sich dort wegen unzulänglicher Transport-Möglichkeiten ein Überhang aufgebaut. Das Fass für die Sorte WTI stieg um 1,95 Dollar auf 105,03 Dollar, das ist ein Plus von 1,9 Prozent.

Unter den Einzelwerten sprangen die Titel der weltgrößten Brauerei Anheuser-Busch Inbev ins Auge. Der in Belgien beheimatete Konzern mit überzeugenden Geschäftszahlen aufgewartet hat. Die Facebook -Aktie kam von ihrem Tageshoch deutlich zurück, nachdem sie zwischenzeitlich über den IPO-Preis von 38 Dollar gestiegen war. Damit kommt der Höhenlauf erst einmal an ein Ende. Bis zum Vortag hatte der Titel seit den überraschend positiven Zweitquartalszahlen an nur vier Handelstagen 42 Prozent zugelegt.

Symantec -Papiere sprangen nach oben. Der Hersteller der Norton-Antivirus-Software hat im ersten Quartal bei Umsatz und Gewinn die Prognosen hinter sich gelassen. Aktien von Garmin kletterten. Der Navi-Produzent hat zwar einen Rückgang beim Ergebnis von über sieben Prozent ausgewiesen – doch die Analysten hatten noch weniger erwartet.

Kontakt zum Autor: ralf.zerback@dowjones.com

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