• The Wall Street Journal

Der "Wal von London" kommt ungeschoren davon

    Von DAN FITZPATRICK, JEAN EAGLESHAM und GREGORY ZUCKERMAN

Der ehemalige Händler Bruno Iksil, dessen riskante Wetten seinem Arbeitgeber J.P. Morgan vergangenes Jahr einen Milliardenverlust eingebrockt haben, kommt wohl ungeschoren davon. Für seine Rolle in dem Handelsskandal wird sich der als "Wal von London" bekannt gewordene Händler wohl nicht vor Gericht verantworten müssen, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Fehlgeleitete Wetten auf Derivate hatten der US-Bank 2012 einen Verlust von mehr als 6 Milliarden US-Dollar beschert.

Associated Press

Der "Wal von London", der J.P. Morgan einen Milliardenverlust eingebrockt hat, wird sich wohl nicht vor Gericht verantworten müssen.

Das US-Justizministerium ermittle derzeit, ob die in den Skandal verwickelten Händler ihre Positionen wissentlich falsch bewertet haben, um das Ausmaß der potenziellen Verluste zu verschleiern, sagten die Insider. Auch die US-Börsenaufsicht SEC befasse sich mit dem Handelsfiasko. Iksil selbst, der schon Anfang 2012 versucht hatte, andere in der Bank wegen der steigenden Risiken zu warnen, stehe dabei nicht länger im Zentrum der Ermittlungen.

Ein Sprecher des US-Justizministeriums wollte die Informationen nicht kommentieren. Vertreter der SEC waren unmittelbar nicht zu erreichen.

Der Franzose Iksil, der sich seinen Spitznamen durch überbordende Finanzwetten verdient hat, war Teil des Londoner Außenpostens des Chief Investment Office von J.P. Morgan. Die dort aufgebauten Positionen führten ab Januar 2012 zu Verlusten.

Iksil war an diesen Vorgängen beteiligt. Aber er versuchte auch, andere zu warnen, wie aus den von J.P. Morgan und dem zuständigen Ausschuss des US-Senats durchgeführten Untersuchungen hervorgeht. In einem aufgezeichneten Gespräch nannte er die aufgebauten Positionen "mehr und mehr monströs" und in einer E-Mail an seinen damaligen Chef Javier Martin-Artajo beschrieb er das Ausmaß der Positionen als "beängstigend".

Iksil wird also wohl nicht vor Gericht stehen. Was mit Iksils ehemaligen Chefs, Martin-Artajo oder Achilles Macris geschehen wird, ist noch nicht klar. Die Anwälte beider Manager waren für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Keine US-Bank hat so viel Ärger mit der Justiz

Keine andere große US-Bank hat wohl so viele Probleme mit der Justiz wie J.P. Morgan. Sie rechne damit, dass zu den bisherigen Rückstellungen weitere 6,8 Milliarden Dollar für Rechtsstreitigkeiten hinzukämen, teilte die Bank in dieser Woche mit. Mit einer so großen Summe kalkuliert einer Analyse von Barclays Capital zufolge keine andere amerikanische Bank.

Gerade erst hat das US-Justizministerium wegen Geschäften mit Hypothekenanleihen Untersuchungen gegen J.P. Morgan eingeleitet. Die Aufsichtsbehörden haben die Bank nach eigenen Angaben auch davor gewarnt, dass ihr Strafen drohen dafür drohen, wie sie Kreditkartenschulden eingetrieben und Informationen ihrer Kunden verkauft hat

8 Milliarden Dollar – diese Summe hat sich laut Barclays Capital seit Anfang 2011 bei J.P. Morgan für die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten und die Rückstellungen für künftige Zahlungen angesammelt. Auf mehr Geld kommt nur die Bank of America . Erst vergangene Woche zahlte J.P. Morgan 410 Millionen Dollar, um die Vorwürfe um Manipulation auf dem Energiemarkt beizulegen. Die Bank gesteht kein Fehlverhalten ein, bestreitet es aber auch nicht.

—Mitarbeit: Devlin Barrett

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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