• The Wall Street Journal

Britische Banken versinken im Sumpf

    Von SIMON NIXON

Eine Milliarde hier, eine Milliarde da – und sehr bald schon dürfte es um richtige Summen gehen. Die wöchentliche Schandliste der britischen Banken umfasst diese Woche Standard Chartered. Die Bank zahlt 667 Millionen Dollar Strafe dafür, dass sie iranischen Kunden geholfen hat, US-Sanktionen zu umgehen. Außerdem war da noch HSBCs Rekordstrafe von 1,9 Milliarden Dollar für Verstöße gegen amerikanische Geldwäsche-Gesetze.

In den kommenden Wochen dürften britischen Banken weitere Megazahlungen an US-Regulierer ins Haus stehen. Die Royal Bank of Scotland etwa strebt einen Vergleich im Verfahren um versuchte Manipulationen des Libor-Zinssatzes an. Im Zusammenhang mit dieser Affäre bestätigten die britischen Behörden bereits die Festnahme dreier britischer Banker.

Reuters

"Engel der Unabhängigkeit" heißt die Statue vor der HSBC-Zentrale in Mexiko-Stadt. Engelgleich war das Verhalten britischer Banken in der Vergangenheit aber ganz und gar nicht.

Die Banken stellen die aktuellen Vefahren gerne als Nachwehen ihrer schmuddeligen Vergangenheit dar - als Preis, den sie für eine veraltete Praxis zahlen müssen, die sie schon längst korrigiert haben. Doch die Skandale haben auch unmittelbare Auswirkungen auf die Zukunft der Bankenbranche. Die Bank of England betrachtet die schnell wachsenden Kosten für die Wiedergutmachung früheren Fehlverhaltens wegen ihrer Auswirkungen auf die Kapitalausstattung des britischen Bankensystems mit großer Sorge.

Allein die Strafen für die Libor-Manipulation und Entschädigungszahlungen an Kunden, denen unter dubiosen Behauptungen Kreditversicherungen untergejubelt wurden, könnten die britischen Banken 20 Milliarden Pfund (knapp 25 Milliarden Euro) kosten – Geld, das die Banken auf der anderen Seite gut gebrauchen könnten, um verschärfte Kapitalanforderungen zu erfüllen oder die Wirtschaft mit mehr Krediten zu versorgen. Und die Kosten für andere Fehltritte wie etwa den Verkauf von ungeeigneten Zinsswaps an Kunden sind hier noch gar nicht mit eingerechnet.

Es bleibt nicht bei Einmalkosten

Es sollte auch niemand glauben, dass es sich bei den Entschädigungszahlungen um Einmalkosten handelt. Auf die Banken werden noch deutlich höhere Compliance-Kosten zukommen, wenn sie ihre Kunden davon überzeugen wollen, dass sie ihre Geschäftspraktiken tatsächlich geändert haben.

HSBC hat bereits angekündigt, dass die Umstellung auf ein neues Anti-Geldwäsche-System jährlich 900 Millionen Dollar zusätzlich kosten wird. Zudem droht die Gefahr, dass die Banken in dem Moment, in dem sie gezwungen werden, ihr Geschäft transparenter zu gestalten, auf bisher munter sprudelnde Erträge verzichten müssen.

Wie viel Standard Chartered und HSBC tatsächlich verdient haben, indem sie Kunden bei der Geldwäsche oder bei der Umgehung von Sanktionen geholfen haben, ist unklar. Ebenso wie viel Geld der Handel von Barclays mit der Manipulation des Libor gemacht hat oder Lloyds mit dem Verkauf ungeeigneter Produkte. Klar ist aber, dass sich der Verzicht auf diese Praktiken auf die Geschäftsmodelle der Banken auswirken wird.

Boni und Jobs der Banker in Gefahr

Barclays etwa ist gerade dabei, die Sparte zu schließen, die internationalen Konzernen dabei geholfen hat, aggressive Steuervermeidungsmodelle zu entwickeln und damit in der Vergangenheit beträchtliche Gewinne für die Investmentbank eingefahren hat. Und die Retail-Sparten der Banken könnten Probleme bekommen, ihre Erträge zu steigern, wenn sie gezwungen werden, ihren stark vertriebsgetriebenen Ansatz aufzugeben.

Britischen Bankenaufseher prüfen derzeit, ob die ungute Mischung aus Strafen, Entschädigungszahlungen und gesunkener Profitabilität bei einigen Banken zu einem erhöhten Kapitalbedarf führen könnte.

In jedem Fall aber werden die Banken jetzt den einzigen Hebel ziehen, der ihnen bleibt, und die Kosten senken. Die jetzige Banker-Generation wird den Preis für die Fehler ihrer Vorgänger zahlen müssen – mit ihren Boni und mit ihren Jobs.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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