• The Wall Street Journal

Anleger schöpfen neues Vertrauen in europäische Banken

    Von BEN EDWARDS

Anleiheinvestoren erwärmen sich immer mehr für Banken aus wirtschaftlich schwachen europäischen Ländern wie Irland, Italien und Spanien. Vor allem besicherten Anleihen, die weniger riskant sind als normale Anleihen, können sie immer weniger widerstehen. In jüngster Zeit konnten sich einige Banken mit solchen Papieren Geld zu günstigeren Zinsen leihen als ihre eigenen Regierungen.

Die zuletzt hohe Nachfrage nach besicherten Anleihen von Geldhäusern wie Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) aus Spanien und Intesa Sanpaolo aus Italien legt nahe, dass die Investoren allmählich wieder Vertrauen in den europäischen Anleihemarkt fassen. Das dürfte daran liegen, dass die Euro-Staaten und die Europäische Zentralbank mit stärkeren Maßnahmen gegen die Schuldenkrise in der Region vorgehen. Anfang des Jahres hatte die Krise die Anleger noch in Scharen aus dem Markt getrieben.

Reuters

Der spanische Banco Bilbao Vizcaya Argentaria (BBVA) verkaufte im November besicherte Anleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren im Wert von 2 Milliarden Euro.

Die Geschichte besicherter Anleihen reicht bis ins Preußen des 17. Jahrhunderts zurück. Auch heute sind sie sehr beliebt, weil sie im Falle einer Pleite der Bank mit einem breiten Portfolio an hoch gerateten Wertpapieren abgesichert sind, wie zum Beispiel Hypotheken auf Häuser und Wohnungen. In Europa sind sie weit verbreitet und auch in den USA fassen sie immer mehr Fuß.

In den vergangenen drei Monaten haben Banken aus Spanien, Italien und Irland – Länder, die mit Rezession, hoher Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefiziten zu kämpfen haben – besicherte Anleihen im Wert von insgesamt über 8 Milliarden Euro am Markt untergebracht. Das entspricht laut Daten von Dealogic etwa einem Drittel aller in Euro platzierten Emissionen. In den ersten achten Monaten dieses Jahres waren es gerade mal 10 Prozent.

Besicherte Anleihen sind guter Schutz gegen Eurokrise

Für Anleger, die sich um ein erneutes Aufflammen der Schuldenkrise in Europa sorgen, sind „besicherte Anleihen wahrscheinlich die beste Möglichkeit, weil mit diesen Papieren wenig passieren kann", sagt Ben Bennett, Kreditanalyst bei Legal & General Investment Management, die Vermögen im Wert von 391 Milliarden britischen Pfund verwaltet und auch in besicherten Anleihen europäischer Banken investiert ist.

Wegen der zusätzlichen Sicherheiten haben besicherte Anleihen von Banken zumeist ihr hohes Rating behalten können, obwohl eine Reihe von Staaten in diesem Jahr abgestuft wurde.

BBVA war im vergangenen Monat die erste Bank, die sich auf diesem Wege sogar billiger Geld besorgen konnte als der spanische Staat. Bei der Ausgabe von fünfjährigen besicherten Anleihen im Wert von 2 Milliarden Euro, die von Moody's mit A3 geratet wurden, lag die Rendite bei 3,5 Prozent. Einige Tage zuvor musste Spanien – mit Baa3 geratet – für ihre fünfjährigen Staatsanleihen im Volumen von 645 Millionen Euro den Anlegern dagegen einen Zins von 4,477 Prozent anbieten.

Ebenfalls im November lag die Rendite für neue zehnjährige besicherte Anleihen von Intesa Sanpaolo im Wert von 1,25 Milliarden Euro unter der des italienischen Staates. Auch hier war das A2-Rating von Moody's für die Intesa-Anleihe besser als das Baa2 für Italien.

Banken begeben immer weniger Anleihen

Ein Grund für die Rally ist auch, dass Bankenanleihen immer seltener werden. Die europäischen Institute haben ihre Anleiheemissionen in diesem Jahr stark zurückgefahren, um ihre Bilanzen angesichts strengerer Kapitalauflagen einzudampfen.

Zudem hatten die Banken Anfang des Jahres die Möglichkeit, einen großen Teil ihrer Finanzierungsbedürfnisse über günstige Kredite der Europäischen Zentralbank abzuwickeln. Insgesamt wurden in diesem Jahr laut Dealogic-Daten nur noch Euro-Anleihen im Wert von 162 Milliarden Euro ausgegeben – nur noch halb so viel wie 2011.

Dennoch warnen einige Investoren, dass das Angebot an Bankenanleihen wieder steigen, und sich der Trend Richtung immer niedrigerer Zinsen wieder umkehren könnte. So sagt Kristion Mierau, Portfoliomanager bei Pacific Investment Management (PIMCO), die Vermögen im Wert von 1,8 Billionen US-Dollar verwaltet, dass die Emissionen aus Italien zuletzt begrenzt gewesen seien, weil viele Banken dort ihre Absicherung bei der EZB hinterlegt hätten.

Wenn die Kreditkosten weiter fallen sollten, "werden die Banken versuchen, sich von der EZB zu entwöhnen, was zu steigender Ausgabe von besicherten Anleihen führen wird", glaubt Mierau. Das wiederum ziehe die Renditen nach oben.

Hohe Zinsen für viele Jahre

Gleichwohl sind die Anleger noch immer wählerisch, je nachdem, wie gesund sie eine Bank einschätzen. So musste etwa die italienische Banco Popolare im Oktober eine geplante Emission wegen zu geringer Nachfrage absagen.

Besicherte Anleihen anderer Banken werden aber angesichts hoher Zinsen über viele Jahre durchaus als attraktiv eingeschätzt. Aviva Investors etwa, die Vermögen im Wert von 274 Milliarden Pfund managt, kaufte den Covered Bond von Intesa Sanpaolo. „Das war ein zehnjähriges Euro-Papier von einem Institut, das zwar unter Druck steht, aber unserer Ansicht nach auf seinem Heimatmarkt fundamental gesünder ist als einige der Wettbewerber", sagt Oliver Judd, Analyst bei Aviva.

Andrew Fraser, Investment Director für Anleihen bei Standard Life Investments, die 157,6 Milliarden Pfund verwaltet und auch in besicherte Anleihen investiert, geht davon aus, dass die Renditen für besicherte Anleihen niedrig bleiben werden, weil die Anleger sie weiterhin als Alternative für riskantere Wertpapiere sehen.

"Wenn sich die Schuldensituation des spanischen Staates verbessert, dann werden die Leute wahrscheinlich mehr Vertrauen zu Spanien fassen und weniger risikoavers sein", sagt Fraser. „Aber bis das passiert, werden sie die zusätzliche Sicherheit besicherter Anleihen vorziehen."

—Mitarbeit: Giovanni Legorano und Carol Dean

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Peking Auto Show 2014

  • [image]

    Die Auto-Neuheiten aus China

    Der chinesische Automarkt gilt als schwierig - aber auch als lukrativ. Im Jahr des Pferdes versuchen die Autobauer mit limitierten Editionen und protzigen Modellen, die Käufer zu umgarnen. Wir zeigen Ihnen die Neuheiten der Automesse in Peking.

  • [image]

    Australische Villa im Zeichen des Drachens

    Feurig kommt dieses Luxusanwesen im australischen Melbourne daher: Auf dem Dach wacht ein mächtiger Terrakotta-Drache und im Haus lodern Dutzende Kaminfeuer. Die Ausstattung mit Tennisplatz, Pool und ausgiebigen Ländereien lässt es jedem Australien-Fan warm ums Herz werden.

  • [image]

    Panini-Sticker: Höhepunkte aus 40 Jahren

    Zur Weltmeisterschaft im eigenen Land kamen 1974 die ersten Panini-Klebebilder in Deutschland auf den Markt, inzwischen haben sie Kultstatus. Ein Rückblick auf 40 Jahre Fußballgeschichte.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.