• The Wall Street Journal

In China droht die Kreditklemme

    Von AARON BACK

Im November haben die chinesischen Banken weniger Geld verliehen als erwartet. Auch die Geldmenge, die im Umlauf ist, wuchs nicht so schnell wie von Analysten vorhergesagt. Das versetzt Beobachter in Sorge, China könnte zu Jahresende in eine Liquiditätsklemme kommen. Manche Analysten sagten, die Zentralbank sollte die Liquidität mit Geldspritzen ankurbeln.

Die chinesischen Banken haben im November 522,9 Milliarden Yuan verliehen, wie Daten der chinesischen Zentralbank zeigen. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Oktober, als 505,2 Milliarden Yuan verliehen wurden. Vom Wall Street Journal befragte Analysten hatten aber im Schnitt mit 550 Milliarden Yuan gerechnet.

Die Geldmenge, gemessen in der gängigsten Definition M2, wuchs Ende November derweil um 13,9 Prozent. Ende Oktober waren es noch 14,1 Prozent, die Analysten hatten für Ende November mit einem Anstieg von 14,2 Prozent gerechnet.

dapd

Eine Frau steht neben einer riesigen Yuan-Note. In China könnte es bald schwierig werden, an Kredite zu kommen.

Chinas Banken versuchen gegen Ende des Jahres meist verstärkt, die Anforderungen der Regulierer beim Kredit-Einlagen-Verhältnis zu erfüllen. Das führt dazu, dass sie weniger Kredite vergeben. Die chinesische Zentralbank könnte die Kreditklemme lindern, indem sie das erforderte Einlagen-Verhältnis senkt – also den Prozentsatz an Geld, das die Banken im Vergleich zum ausgeliehenen Kapital behalten müssen.

„Es ist der richtige Moment für die Zentralbank, den Einlagenanteil zu kürzen", sagt Liu Li-Gang, Volkswirt bei der australischen Bankengruppe ANZ. „Andernfalls ist es zu spät. Wartet die Zentralbank bis zum nächsten Jahr, könnte außerdem die Inflation wieder in Gang kommen" – das wäre ein ungünstiger Zeitpunkt, um mehr Geld in Umlauf zu bringen, meint Liu.

Auch nach einer anderen Messart sinkt die Geldmenge, die im Umlauf ist: Nimmt man neben den Krediten der Banken andere Quellen hinzu, ist die Menge von 1,29 Billiarden Yuan im Oktober auf 1,14 Billiarden im November gefallen, wie die Zentralbank erklärte.

Die People's Bank of China, hat den erforderlichen Anteil an Einlagen in diesem Jahr schon zwei Mal gekürzt, das letzte Mal im Mai. Seitdem hat die Behörde sich auf andere Maßnahmen verlassen, um Geld ins Bankensystem zu pumpen – so wie Reverse-Repos, eine Art von Kurzzeitkrediten. Liu glaubt, dass rund 360 Milliarden Yuan an Reverse-Repos zum Ende dieses Jahres auslaufen – und dadurch etwa so viel Geld eingefroren wird wie eine Kürzung des Einlagenanteils freisetzen würde.

Es gibt allerdings auch Analysten, die die November-Zahlen als weniger problematisch betrachten. Zhiwei Zhang, Analyst von Nomura, erwartet für die kommenden Monate ein gleichbleibendes Niveau bei der Kreditvergabe, die „stark genug sein sollte, um die Erholung am Laufen zu halten".

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