• The Wall Street Journal

Malis Militärjunta setzt Regierungschef Diarra ab

    Von DREW HINSHAW

ACCRA – Der Ministerpräsident von Mali ist am Dienstag zum Rücktritt gezwungen worden. Kurz vor seinem Abflug nach Frankreich, wo er sich ärztlich untersuchen lassen wollte, stürmten Soldaten sein Haus. Damit ist das krisengeschüttelte Land in Westafrika ohne Regierung. Auch der internationale Plan, den Norden des Landes von den islamistischen Rebellen zurückzuerobern, droht damit zu scheitern.

Associated Press

Malis ehemaliger Regierungschef Diarra verkündete im Staatsfernsehen seinen Rücktritt..

Der erschöpft wirkende Cheikh Modibo Diarra verkündete am frühen Dienstagmorgen im Staatsfernsehen mit Schweiß auf der Stirn seinen Rücktritt. „Meine Mitbürger, unsere Nation durchschreitet heute die schwierigste Phase in ihrer Geschichte", sagte er. „Daher trete ich, Cheikh Mobido Diarra, zusammen mit meiner Regierung an diesem Dienstag, dem 11. Dezember 2012, zurück."

Stunden zuvor hatten Truppen des Putschistenführers Amadou Haya Sanogo sein Haus gestürmt, erklärte ein Offizier der Miliz. Sie hätten ihn zu dem Rücktritt gezwungen. Bereits im März hatten meuternde Soldaten die demokratisch gewählte Regierung des Landes gestürzt. Dadurch entstand ein Machtvakuum, in dem islamistische Rebellen im Norden ein Gebiet von der Größe Frankreichs unter ihre Kontrolle brachten. Sie stehen auch mit der Terrororganisation al-Qaida in Verbindung.

Der von der Militärjunta eingesetzte Diarra, ein ehemaliger Nasa-Ingenieur, war durch Europa, die USA und Afrika gereist, um Geld, Ausrüstung und Truppen für die Rückeroberung des Nordens einzusammeln. Die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten hatte geplant, mindestens 3.000 Soldaten nach Mali zu entsenden. Die EU stimmte in dieser Woche dem Plan für eine Ausbildungsmission zu. Bis Februar sollen allerdings noch weitere Details geklärt werden.

Deutschland sei „sehr beunruhigt" über die aktuelle Entwicklung, erklärte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. Westerwelle machte deutlich, dass die von Deutschland und der Europäischen Union in Aussicht gestellte Unterstützung zur Befriedung Nordmalis immer unter Vorbehalt eines politischen Prozesses stehe.

—Mit Material von dapd

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