• The Wall Street Journal

An der Wall Street ist die Erholung vorerst zu Ende

    Von HANS BIELEFELD

An der Wall Street haben die Kurse am Freitag zwischen der Gewinn- und Verlustzone gependelt. Ein überraschend schwacher Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago - er rutschte binnen Monatsfrist so stark ab wie seit Oktober 2008 nicht mehr - lastete auf den US-Börsen. Positiv wirkte dagegen ein Anstieg beim Verbrauchervertrauen. Der betreffende von der Universität Michigan berechnete Index zog im Juni stärker als erwartet an. Impulse kamen zudem von der US-Notenbank. Hatten an den vergangenen Tagen noch zahlreiche Fed-Vertreter die Märkte mit ihren Kommentaren beruhigt, nennen nun erste Stimmen konkrete Termine, an denen die Fed ihre Anleihekäufe zurückfahren könnte.

So hält Fed-Gouverneur Jeremy Stein es für möglich, dass die US-Notenbank schon im September anfangen könnte, weniger US-Bonds zu kaufen. Mike Ryan, Investitionsstratege bei der UBS, weist jedoch darauf hin, dass die Aussagen von Stein, hypothetisch gewesen seien. Dennoch geht er davon aus, dass die Fed auf ihrer Sitzung im September oder Dezember beschließen könnte, ihr Anleihekaufprogramm zurückzufahren.

Der Dow-Jones-Index verlor 0,8 Prozent auf 14.910 Punkte, der S&P-500 gab um 0,4 Prozent auf 1.606 Punkte nach, während der Nasdaq-Composite kaum verändert bei 3.403 Punkten schloss.

Am US-Anleihemarkt sorgte der Anstieg beim Verbrauchervertrauen - der Index der Universität Michigan legte in zweiter Lesung auf 84,1 Punkte zu, nachdem Analysten lediglich mit einem Plus auf 83,0 gerechnet hatten - für fallende Kurse. Die bessere Stimmung bei den Verbrauchern könnte die Fed zu einem Absenken der Anleihekäufe bewegen, hieß es am Markt. Die Rendite der zehnjährigen US-Bonds zog um einen Basispunkt auf 2,49 Prozent an, nachdem sie im Tageshoch bereits auf 2,56 gestiegen war.

Der Goldpreis erholte sich nach seinem jüngsten Kursrutsch wieder etwas. Nachdem der Preis für die Feinunze im Tagestief bereits auf 1.180 Dollar gefallen war, stieg der Preis für das Edelmetall zum Settlement um ein Prozent auf 1.224 Dollar. Händler hätten Ihre Wetten auf fallende Kurse zum Halbjahresende glatt gestellt und nach den heftigen Kursverlusten Gewinne mitgenommen, hieß es im Handel.

Am Devisenmarkt sorgte der Anstieg des Verbrauchervertrauens für einen anziehenden US-Dollar. Der Euro rutschte zwischenzeitlich wieder unter die Marke von 1,30 und kostete zuletzt 1,3013 Dollar, nachdem er im Tageshoch fast die Marke von 1,31 erreicht hatte. Auch gegenüber dem Yen gewann der Greenback hinzu und übersprang erstmals seit drei Wochen die Marke von 99 Yen. Zuletzt kostete er 99,25 Yen, nachdem er im Tagestief am Donnerstag noch für 97,38 Yen zu haben war. Wir sind immer noch dabei, ein neues Gleichgewicht zu erreichen, nachdem die Fed, angekündigt hat, ihre Anleihekäufe Ende des Jahres zurückzufahren, sagt Daniel Katzive, Währungsstratege bei BNP Paribas .

Belastet von einem festeren US-Dollar gab der Ölpreis etwas nach. Ein Barrel US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich zum Settlement um 0,5 Prozent auf 96,56 Dollar. Nach einer fünftägigen Rally haben Händler Gewinne mitgenommen, sagt Analyst Addison Armstrong von Tradition Energy.

Am Aktienmarkt standen vor allem die Aktien von Blackberry im Fokus der Anleger. Sie brachen aufgrund des überraschenden Konzernverlusts im ersten Quartal ein. Nike drehte im Handelsverlauf ins Plus. Das Unternehmen hatte in einer Analystenrunde vor enttäuschenden Umsätzen in China zum Auftakt des neuen Fiskaljahres gewarnt. Die Ergebnisse für das vierte Quartal waren dagegen besser ausgefallen als erwartet. Aktien von Accenture büßten ein. In der dritten Periode hatte der Technologiekonzern beim Umsatz schlecht abgeschnitten und zudem seinen Ausblick gesenkt. Letztmals wurden am Freitag die Aktien von News Corp und 21st Century Fox gemeinsam unter News Corp gelistet. Ab Montag werden sie getrennt gehandelt.

Kontakt zum Autor: hans.bielefeld@dowjones.com

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