• The Wall Street Journal

Luxusimmobilien widerstehen jedem Sturm

    Von NICK CLAYTON

Seit Jahren scheint das oberste Segment des Immobilienmarkts jeder Krise zu widerstehen. An einigen Orten wie in der Londoner Innenstadt geht der Boom unbeirrt weiter. Doch andernorts, insbesondere in Paris, drücken politische Entscheidungen die Preise.

Laut den jüngsten Zahlen von Christie's International Real Estate ist London die teuerste Stadt unter den Teuren: Immobilien im Wert von mindestens 1 Million Dollar kosten nirgends so viel wie dort – mehr als 40.000 Euro pro Quadratmeter.

Das hat nicht unbedingt mit einem knappen Angebot zu tun. Ende September 2012 waren in London 7.741 Immobilien für mindestens 1 Million Dollar auf dem Markt. Das waren mehr als in allen anderen vergleichbaren Luxusgegenden. Nur die Côte d'Azur kommt an diese Zahl heran; in New York, Paris oder Hongkong sind nur halb so viele solcher Immobilien auf dem Markt.

Fast überall steigen die Preise für Luxusimmobilien schneller als der Rest des Marktes. Laut Savills Research haben sich die Preise für Stadtimmobilien in diesem Segment seit 2005 mit einem Anstieg von 98 Prozent praktisch verdoppelt. Ferienimmobilien der Luxusklasse sind im gleichen Zeitraum um etwa ein Drittel teurer geworden.

Städte der „alten Welt", wie Savills Research sie nennt, haben sich verglichen mit asiatischen Metropolen schlecht entwickelt. Die Preise von Luxusimmobilien in New York sind seit 2005 um 47 Prozent gestiegen, in Tokio nur um acht Prozent. In London sind die Preise seitdem um 107 Prozent gestiegen, doch selbst die britische Hauptstadt kann nicht mit dem Wachstum von 232 Prozent in Singapur oder dem von 176 Prozent in Mumbai mithalten. In Asien baut dieses Wachstum jedoch auf deutlich niedrigeren Grundpreisen auf.

103.000 Euro pro Quadratmeter

Rekordpreise sind in den vergangenen Jahren besonders in Hongkong gezahlt worden, wo ein Haus 2011 für gut 103.000 Euro pro Quadratmeter verkauft wurde.

Es ist nicht verwunderlich, dass dieser Rekordpreis im Jahr 2011 gezahlt wurde. Laut den Zahlen von Savills verlangsamte sich das Wachstum 2012 etwas, doch insgesamt seien die Preise weiterhin um durchschnittlich fünf Prozent gewachsen. Nur in Frankreich sind die Preise tatsächlich gefallen. Der Savills-Index für Luxusimmobilien ist in Frankreich um 8 Prozent gefallen, in der Riviera sogar um 10 Prozent.

Savills

Ein Penthouse zwischen Cap d'Antibes und Cannes.

Charles Marie Jottras, Vorsitzender von Daniel Féau, einer Schwesternfirma von Christie's in Paris, sagt: „Der Markt ist stetig gestiegen. Doch nach der Präsidentschaftswahl im Frühjahr schlug die Stimmung komplett um. Immobilien über 15 Millionen Dollar verkaufen sich nur schlecht."

Das sei für Paris ungewöhnlich, sagt er, da Immobilien dort bis auf eine kurze Phase nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers seit 15 Jahren im Wert steigen. „Doch jetzt hat der Käufer mehr Verhandlungsmacht", sagt er.

Dass derzeit so viele hochkarätige Immobilien auf dem Markt sind, hänge auch damit zusammen, dass mehr Unternehmer wegzögen. „Es ist nicht so, als würden zehntausende das Land verlassen, doch das Obersegment ist sehr klein", sagt er. „Unternehmer haben ihn beeinflusst, da sie ihre Immobilien in Frankreich verkaufen mussten, um zu beweisen, dass sie nicht mehr dort wohnhaft sind." Außerhalb von Paris sei die Situation noch weit schwieriger. Die Preise für Immobilien fielen und oft hätten Besitzer es schwer, ihre Objekte zu verkaufen.

Die wirtschaftliche und politische Situation in Frankreich trägt womöglich anderswo zum Wachstum bei. Edward de Mallet Morgan, Partner bei Knight Frank, sagt, dass das Interesse an Immobilien in Monaco jüngst deutlich gestiegen sei.

„Das ist mehreren Faktoren zu verdanken", sagt er. „Teils sind es die Steuern, teils die Vorteile des Lebens in Südfrankreich. Außerdem gibt es neue Immobilien und renovierte ältere Objekte. Es gibt jetzt Qualität, die internationalen Käufern zusagt."

Heathcliff Zingraf, kaufmännischer Leiter von Michael Zingraf Real Estate, dem Schwesterunternehmen von Christie's an der Côte d'Azur, sagt, die Preise seien dort um fünf bis zehn Prozent gefallen. Käufer gebe es nur wenige, weil sie hoffen, dass der Preisrutsch noch weitergeht.

Verkäufer seien jedoch oft nicht bereit, ihre Preise zu senken, weil sie glauben, dass die Oberschicht von der Krise nicht berührt wurde.

In Russland boomen Villenwohnungen aus dem 18. Jahrhundert

Auch Russland hat seine Städte, wo Luxusimmobilien boomen – vor allem die Hauptstadt Moskau, die sich in Ringen um den Kreml ausbreitet. „Der Boulevard-Ring ist dem Zentrum am nächsten", sagt Elena Norton, Partner bei Knight Frank. „Die besten und teuersten Immobilien sind Wohnungen in neuen Gebäuden, die direkt an Villen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und an schöne Kirchen angrenzen. Als nächstes kommt der Gartenring. Innerhalb dieses Rings sind Immobilien meistens am beliebtesten."

Anwar Kalimow, CEO von Sotheby's International Realty in Moskau, sagt, Käufer seien bereit, deutlich mehr auszugeben, wenn eine Immobilie von bekannten Architekten wie Sergej Kisselew oder Erick van Egeraat entworfen wurde. 2012 hätten 15 neue Immobilienfirmen mit Fokus auf das Luxussegment in Moskau eröffnet, sagt Nadezhda Kot, regionale Vertriebsleiterin bei Sotheby's.

Knight Frank

Ein Skichalet in Courchevel.

Außerhalb von Moskau habe vor allem Sochi das Interesse der gut betuchten Käufer auf sich gezogen, seit dort für 2014 die Olympischen Winterspiele geplant sind. Käufer schätzen zum Beispiel, dass es in der Küstengegend Anlegestellen für ihre Jachten gibt.

De Mallet Morgan und David Forbes von Savills setzen außerdem große Hoffnungen auf die Immobilienmärkte in Mallorca und Ibiza, die sich besser entwickelt haben als im Rest von Spanien.

Beide erwähnen Courchevel in den französischen Alpen und fügen hinzu, dass sich der Markt im der Schweiz ebenfalls gut entwickelt hat. In Italien seien vor allem der Comer See und die Toskana bei reichen Käufern beliebt.

„Käufer im Luxussegment wollen nach wie vor in etablierten Regionen investieren, in die besten Lagen und die hochwertigsten Immobilien", sagt De Mallet Morgan.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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