• The Wall Street Journal

Irlands Anleiheerfolg birgt das Risiko von Kopfschmerzen

    Von RICHARD BARLEY
dapd

Hoffnung in Irland: Das kleine Eurokrisenland hat rund zwei Jahre nach der Rettung durch die EU wieder Zugang zum Markt.

Irland hätte zu Beginn seiner EU-Ratspräsidentschaft nur schwerlich ein besseres Zeichen setzen können. Die Regierung platzierte am Montag Anleihen für 2,5 Milliarden Euro mit fünf Jahren Laufzeit am Markt. Die Nachfrage war weit höher, mehr als 7 Milliarden Euro hätte sich Irland besorgen können. Das zeigt eindrucksvoll, dass das kleine Eurokrisenland rund zwei Jahre nach der Rettung durch die EU wieder Zugang zum Markt hat. Obwohl dieser Erfolg auch dafür spricht, dass die Eurozone die richtigen Antworten auf die Schuldenkrise findet, könnte er Irland und seinen Partnern noch Kopfschmerzen bereiten.

Die Sache hat nämlich einen Haken. Die gelungene Platzierung basiert zum Teil auf der Erwartung der Investoren, dass die Eurozone einen Teil jener Finanzhilfen schultert, die Dublin seinen Geschäftsbanken in der höchsten Not gewährt hat. Mit Geldern, die 40 Prozent der irischen Wirtschaftsleistung ausmachten, rettete Irland vor Jahren seine Banken und verhinderte damit wohl auch eine weit größere Bankenkrise in ganz Europa. Die Inhaber vorrangiger Bankverbindlichkeiten kamen seinerzeit ohne jeden Verlust davon - auf Kosten des irischen Steuerzahlers.

Gibt es nun keine Hilfen aus der Eurozone für die damalige Rettungsaktion, könnte es zu einem Ausverkauf irischer Staatsanleihen kommen. Aber weil deren Renditen und damit die Risikowahrnehmung inzwischen wieder so niedrig sind wie vor der Krise, könnten die Euroländer versucht sein, weitere Finanzspritzen für Irland zu umgehen.

Vorrangig für Irland ist es aber zunächst, die teuren Konditionen für Schulden über 28,5 Milliarden Euro besser auszuhandeln, die zur Rekapitalisierung jener Banken aufgenommen wurden, die derzeit abgewickelt werden. Allein für sie laufen jährlich Zinsen auf, die derzeit 1,5 Prozent des irischen Bruttoinlandsproduktes ausmachen. Die Regierung in Dublin hofft, dass sie bis März einen guten Deal aushandeln kann; dann ist nämlich die nächste Rate fällig.

Langfristig, so wünscht man es sich in Dublin, soll der Euro-Rettungsschirm ESM, die Bankbeteiligungen des Staates und damit deren Verbindlichkeiten übernehmen. Damit würde die belastende Verbindung zwischen den Geschäftsbanken und dem irischen Staat gelöst. Die Idee findet sich erstmals in einer Gipfelerklärung der Euroländer vom vergangenen Juni; sie wird besonders vom Internationalen Währungsfonds unterstützt.

Die Eurozone stürzt das in ein Dilemma: Wenn sie Irland in dieser Weise unter die Arme greift, schafft sie damit möglicherweise einen Präzedenzfall, der Begehrlichkeiten andernorts weckt – und es ist noch nicht einmal entschieden, ob etwa die eingeleitete Rettung der spanischen Banken gelingt. Legt sich die Eurozone aber quer, könnten bei den Akteuren am Finanzmarkt erneut Zweifel daran aufkommen, dass sie es ernst meint mit der Verpflichtung, alles für die Rettung strauchelnder Euro-Länder zu unternehmen. Sind die Zweifel erst einmal wieder da, könnten die Renditen von Staatsschulden wieder nach oben schießen – nicht nur die der irischen Anleihen, sondern auch die anderer Länder.

Derzeit sieht alles so aus, als ob Irland seine Staatsverschuldung im Griff hat und sie in diesem Jahr maximal 122,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen wird. Doch die Sorge der Investoren, dass das tragbare Schuldenniveau wieder überschritten wird, kann schnell wieder aufkeimen. Allein die Schulden, die die Regierung für die Rettung der Banken in ihren Büchern stehen hat, summieren sich aktuell auf 47,5 Prozent des BIP, stellte jüngst die Royal Bank of Scotland fest.

Dublin kann die sechs Monate währende EU-Ratspräsidentschaft gut nutzen, um seine eigenen Themen voranzutreiben. Käme es schnell zu einer Lösung, wäre das ein wichtiges Signal für die Märkte, dass es in der Eurozone weiter bergauf geht.

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