• The Wall Street Journal

Facebook-Aktie springt über 30 Dollar

    Von EVELYN M. RUSLI

Erstmals seit sechs Monaten sind Facebook-Aktien am Mittwoch über die Marke von 30 Dollar geklettert. Für das soziale Netzwerk, das im vergangenen Jahr die Anleger nicht davon überzeugen konnte, dass es eine hohe Bewertung rechtfertigt, bietet das eine willkommene Erholung.

Facebook war im Mai in einem von großem Tamtam begleiteten IPO an die Börse gegangen, musste dann aber zusehen, wie seine Aktien vom Markt nach unten geprügelt wurden. Am Mittwoch kletterten die Papiere um mehr als fünf Prozent auf 30,59 Dollar.

Agence France-Presse/Getty Images

Das Geschäft mit mobilen Geräten ist Facebooks größte Schwäche - und gleichzeitig einer der größten Hoffnungsträger.

Facebooks „Geschichte ist keine andere", sagt Michael Pachter, Analyst bei Wedbush Securities. „Aber es gibt mehr Hinweise darauf, dass sie anfangen, die Dinge zu tun, von denen wir gedacht haben, dass sie sie tun könnten." Facebook wollte die Kursentwicklung nicht kommentieren.

Facebook, dessen Aktien im Mai zu 38 Dollar das Stück an der Nasdaq platziert wurden, hat im Jahr 2012 eine wilde Achterbahnfahrt durchlebt. Vor dem Börsengang hatte das Unternehmen Investoren in offiziellen Dokumenten ausdrücklich vor dem Ausblick im Mobilgeschäft gewarnt und unabhängig davon versucht, die Erwartungen der Aktienanalysten zu dämpfen. Um diese Zeit erklärte der Autobauer General Motors öffentlich, dass er seine Werbedollar von Facebook abziehen wolle. Die negativen Signale, in Kombination mit der aggressiv ausgereizten Zahl an verkauften Aktien und technischen Pannen am Tag des Börsengangs, drückten die Aktie im September im Tief auf weniger als 18 Dollar.

Fortschritte in Mobilgeschäft und E-Commerce

Seither macht sich Facebook aggressiv daran, sein Mobilgeschäft voranzubringen. Das Unternehmen hat neue Werbeprodukte aufgelegt und eigene Applikationen entwickelt.

Mittlerweile drängt Facebook auch in neue Geschäftsbereiche. Durch seinen neuen Dienst „Gifts", der Mitgliedern die Möglichkeit gibt, Freunden zu speziellen Anlässen wie Geburtstagen kleine Geschenke zu kaufen, hat das Unternehmen beispielsweise den Einstieg ins E-Commerce-Geschäft geschafft. Einige Einzelhandelsunternehmen hat es für seinen „Gifts"-Dienst bereits gewonnen, darunter die Kaffeekette Starbucks .

Facebook, das sich selbst für seine „Hacker"-Kultur rühmt, ist bekannt dafür, dass es immerfort neue Features einführt und wieder verwirft. Das macht es schwer einzuschätzen, welche Produkte von Dauer sind und welche nicht. Viele Analysten bewerten die jüngsten Versuche aber als vielversprechend und als starkes Signal dafür, dass Facebook neue Geschäftsmöglichkeiten klar im Blick hat, insbesondere im mobilen Bereich.

„Facebook musste im Mobilgeschäft von null auf 100 beschleunigen", sagt Colin Sebastian, Analyst bei Robert W. „Sie verwandeln sich von einem Desktop-Unternehmen zu einem mobileren Konzern. Das bedingt, dass sie höhere Risiken eingehen."

Wachstum in Industrieländern lahmt

Trotz der freundlicheren Stimmung am Markt sehen einige Analysten den Zuckerberg-Konzern noch vor zahlreichen Herausforderungen. Dazu zählt die Frage, wie er es schafft, mit seiner großen internationalen Fangemeinde Geld zu verdienen – zumal sich das Wachstum in den entwickelten Ländern zunehmend verlangsamt.

Unklar ist auch, ob Facebook mit eigenen mobilen Anwendungen Erfolg haben wird, oder ob es hier jungen Start-up-Unternehmen mehr Platz einräumen muss. Instagram, der Dienst zum Teilen von Fotos, den Facebook vergangenes Jahr für fast eine Milliarde Dollar gekauft hat, verärgerte seine Nutzer jüngst mit Änderungen an seinen Nutzungsbedingungen. Das Unternehmen sah sich letztlich gezwungen, einige der Neuerungen zurückzunehmen. Da hatten viele Nutzer sich allerdings bereits von Instagram ab- und konkurrierenden Diensten wie Flickr zugewendet.

„Wir sind noch in einem frühen Stadium", sagt Analyst Sebastian. „Nicht alles, was Facebook tut, wird erfolgreich sein." Die Hoffnung ist unter den Anlegern aber zurück. Vom Ausgabepreis trennen die Aktie jetzt nur noch knapp 20 Prozent. Ende des Monats legt das Unternehmen seine Zahlen für das vierte Quartal vor. Dann wird sich zeigen, inwieweit Facebook die Hoffnungen schon erfüllen kann.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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