• The Wall Street Journal

Wie Sie von der Aktienrally in Venezuela profitieren können

    Von MATTHEW WALTER

Die Hoffnungen auf einen Machtwechsel haben die Kurse von Anleihen und Aktien in Venezuela kräftig nach oben getrieben. Nachdem der Leitindex in Caracas allein im vergangenen Jahr bereits um 305 Prozent zugelegt hat und der Anleihen-Index immerhin um 59 Prozent, heizt die Verschlechterung des Gesundheitszustands von Präsident Hugo Chavez die Fantasie der Anleger nun weiter an.

Hinter den fulminanten Gewinnen steht die Spekulation, dass der an Krebs erkrankte Chavez die Amtsgeschäfte womöglich nicht weiterführen kann. Damit könnte sich die Tür für einen Nachfolger öffnen, der weniger unternehmensfeindlich agiert.

Reuters

Die Aktienmärkte in Venezuela haussieren in der Hoffnung auf eine wirtschaftsfreundlichere Politik als unter Präsident Hugo Chavez. Auf dem Bild ist dieser vor seiner Rede an die Nation vor einem Jahr zu sehen.

Ausländische Anleger, die von dieser Entwicklung profitieren wollen, haben dies in den vergangenen Monaten fast ausschließlich mit Käufen international gehandelter venezolanischer Anleihen getan. Der Kursexplosion am Aktienmarkt haben sie dagegen zumeist nur zugesehen, denn strenge Kapitalmarktkontrollen erschweren es Investoren, erzielte Gewinne außer Landes zu bringen.

Fondsmanager Russ Dallen von BBO Financial Services, der Vermögenswerte über 500 Millionen US-Dollar verwaltet, rät deshalb zum Kauf von Aktien venezolanischer Unternehmen, die an ausländischen Börsen notiert werden. Damit könne man an Gewinnen des venezolanischen Aktienmarkts teilhaben und über mögliche Erträge frei verfügen. "Der entscheidende Punkt ist, Unternehmen zu finden, die von einem möglichen Ende der Ära Chavez profitieren", sagt er. Derzeit gebe es etwa eine Handvoll im Ausland gelisteter Unternehmen, die ihr Geschäft überwiegend in dem OPEC-Staat machen.

Suche nach Unternehmen mit Geschäft in Venezuela

Statt auf multinationale Konzerne setzt Dallen lieber auf relativ kleine Unternehmen mit direktem Geschäft in dem Ölstaat. Einer seiner Favoriten ist East Asiatic, die in Kopenhagen notiert ist. Der Konzern, der in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres rund zwei Drittel seiner Erlöse in Venezuela erzielte, kontrolliert mit Plumrose den größten Fleischverarbeiter des Landes. Plumrose verdient sein Geld unter anderem mit der Nahrungsmittelproduktion für Schweinezuchtbetriebe.

Nachdem sich der Gesundheitszustand von Chavez im vergangenen Jahr verschlechtert hatte, kletterte der Börsenkurs des Unternehmens seit dem 28. Dezember um gut ein Viertel.

Eine weitere Empfehlung ist für Dallen die Aktie von Harvest Natural Resources . Der Konzern mit Sitz in Houston, dessen Aktienkurs im vergangenen Jahr bereits um mehr als die Hälfte zugelegt hat, besitzt einen Minderheitsanteil an einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem staatlichen venezolanischen Ölkonzern PDVSA, will diesen jedoch an das indonesische Unternehmen PT Pertamina verkaufen. Unklar ist bislang allerdings, ob die venezolanische Regierung den Deal genehmigt.

Dallen sieht gleichwohl zwei positive Szenarien für die Aktie. Entweder werde das Geschäft abgesegnet, oder aber der Verkauf scheitere und das Unternehmen könne dann mit einer unternehmerfreundlicheren Regierung zusammenarbeiten.

Als dritten Wert favorisiert der Fondsmanager den spanischen Industrieausrüster Duro Felguera . Der Konzern sei gut positioniert, um vom Wachstum des venezolanischen Minensektors zu profitieren.

"Der Machtwechsel kommt"

Ob die Anlagestrategie von Investments in venezolanischen Vermögenswerten aufgeht, hängt indes stark vom Gesundheitszustand des erkrankten Staatspräsidenten ab. So hat der Oberste Gerichtshof Venezuelas, dessen personelle Zusammensetzung Chavez maßgeblich mitbestimmt hat, gerade erst eine spätere Vereidigung zugelassen. Oppositionspolitiker sehen in der verschobenen Zeremonie einen Verstoß gegen die Verfassung, denn eigentlich hätte der wiedergewählte Chavez am 10. Januar vereidigt werden müssen.

Ein Machtwechsel ist für ihn jedoch relativ klar. "Der Wechsel kommt und die meisten möglichen Nachfolger verfolgen eine wesentlich unternehmensfreundlicheren Kurs als der amtierende Staatschef", sagte er. Die spannende Frage bleibe jedoch, wann es zu einem Machtwechsel komme.

Mit einem Einstieg in den venezolanischen Aktien- und Anleihenmarkt rät Dallen jedoch zunächst noch abzuwarten, bis sich eine mögliche Nachfolgeregelung für den erkrankten Chavez abzeichne. Dallen selbst hat sein Engagement in dem südamerikanischen Ölstaat in dieser Woche reduziert und will bei erst bei sinkenden Kursen wieder einsteigen.

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