• The Wall Street Journal

Duftproduzent Symrise will die Konkurrenz abhängen

    Von HEIDE OBERHAUSER-ASLAN

Duft- und und Aromastoffe sind aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Sie sind in Parfüms, Kosmetik, Getränken oder Nahrungsmitteln enthalten und weltweit sehr gefragt. Von dem steigenden Bedarf profitiert auch der viertgrößte Hersteller der Welt, die Symrise AG. Das Unternehmen will nach guten Geschäften mit Stoffen etwa aus Vanille Zitrus oder Minze im vergangenen Jahr auch 2013 stärker wachsen als der Markt. "Wir denken, dass 2013 ein gutes Jahr werden wird", sagte Vorstandschef Heinz-Jürgen Bertram in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland. Das Umfeld sei nach wie vor intakt. Dynamisches Erlöswachstum erwartet der Manager vor allem aus Lateinamerika und Asien.

Das vergangene Jahr lief bei dem Unternehmen aus dem niedersächsischen Holzminden sogar besser als bisher gedacht. Die Umsatzprognose für 2012 - ein währungsbereinigtes Wachstum von drei bis fünf Prozent - dürfte Symrise wohl übertroffen haben, deutete der Manager an. Auch beim Gewinn lief es rund. Das Ziel, die operative Rendite bei etwa 20 Prozent stabil zu halten, sollte erreicht worden sein. Die finalen Zahlen liegen zwar noch nicht vor, so Bertram. Es gebe aber keinen Grund, von den Aussagen des vergangenen Jahres abzuweichen.

Für das neue Jahr ist Symrise ebenfalls optimistisch. Auf eine konkrete Erlösprognose wollte sich Bertram, der den Konzern seit Sommer 2009 lenkt, aber noch nicht festlegen. Auch auf der Bilanzpressekonferenz am 12. März wird es noch keine konkrete Prognose geben, sondern lediglich eine erste Einschätzung des erwarteten Geschäftsverlaufs, kündigte er an. Die Unwägbarkeiten seien noch zu groß für eine verlässliche, konkrete Jahresprognose.

dapd

Duftaromen im Labor der Symrise AG.

Große Hoffnungen setzt Bertram in diesem Jahr auf die Schwellenländer. "Das Geschäft in den Schwellenländern entwickelt sich nach wie vor sehr dynamisch", sagte Bertram. Schon heute stammen 48 Prozent der Erlöse bei Symrise aus diesen Regionen. "Wir haben in unserer Industrie die stärkste Position von allen Wettbewerbern in den Schwellenländern", erklärte der Manager. Das sei ein starker Hebel. Ein Ende ist noch nicht in Sicht - der Anteil soll zügig weiter auf mehr als 50 Prozent steigen.

Für den Aufbau des Geschäfts in den Schwellenländern hat das noch junge Unternehmen bereits viel getan und investiert auch weiter kräftig. In Singapur und Shanghai zum Beispiel baute Symrise die Standorte mit Millionen schweren Investitionen kräftig aus. "Singapur wird mit Sicherheit auch 2013 ein Investitionsschwerpunkt für uns sein", sagte Bertram. In diesem Jahr will Symrise dort mit 15 bis 20 Millionen Euro ausgeben, was etwa einem Viertel des gesamten geplanten Investitionsvolumens entspricht. Das Unternehmen beschäftigt allein in Singapur heute schon 600 Mitarbeiter.

Einen großen Sprung nach vorne hat Symrise im vergangenen Jahr auch in Brasilien gemacht. Dort übernahmen die Niedersachsen 2012 die brasilianischen Aktivitäten des Duftherstellers Belmay. In Sao Paulo entstand ein neues Entwicklungszentrum. Vor allem im Parfümeriegeschäft sieht Symrise gerade in Brasilien noch große Wachstumschancen. "Der Markt entwickelt sich sehr dynamisch und ist mittlerweile der größte Fine-Fragrance-Markt weltweit", sagte Bertram. Am Parfümmarkt in Südamerika hat sich Symrise mittlerweile an Position drei vorgekämpft.

dapd

Der Vorstandsvorsitzende der Symrise AG, Heinz-Jürgen Bertram.

Weniger Freude bereitet Bertram dagegen das Geschäft in Westeuropa. Einen scharfen Einbruch musste Symrise hier aber im Schlussquartal nicht hinnehmen. "In Westeuropa ist zwar keine Dynamik zu erkennen, aber der Markt war noch relativ stabil", sagte Bertram. Symrise habe sich in einem schwierigen Markt noch sehr gut gehalten.

Düfte, Geschmacks- und kosmetische Hilfsstoffe sind weltweit ein gutes Geschäft. Der Weltmarkt wird auf etwa 16 Milliarden Euro geschätzt. Branchenführer ist der schweizer Konzern Givaudan. Auf ihn folgen der heimische Wettbewerber Firmenich und der US-Konzern International Flavors & Fragrances (IFF). Mit einem weltweiten Marktanteil von zehn Prozent liegt der deutsche MDAX-Konzern Symrise auf Rang vier. Zu den Kunden zählen beispielsweise Beiersdorf, Coca Cola, Colgate, Danone, Unilever Henkel und Dior.

Eine Herausforderung bleiben für Symrise die hohen Rohstoffkosten. Sie sind wichtig für das Unternehmen, da Symrise etwa 10.000 Rohstoffe im Jahr verarbeitet. "Wir rechnen 2013 mit einem hohen Niveau mit leicht steigender Tendenz", sagte Bertram. Preiserhöhungen will Symrise auch an die Kunden weitergeben. Der Prozess sei bereits angelaufen, sagte er.

Rohstoffe werden selbst verarbeitet

Etwas Entlastung hat sich Symrise an der Rohstoffkostenfront mit dem Zugriff auf strategisch wichtige Rohstoffe wie Menthol, Vanille, Zitrus oder Zwiebeln geschaffen. In Madagaskar hat das Unternehmen zum Beispiel eine Produktion aufgebaut, um die weltweit begehrten Vanilleschoten selbst vor Ort von den Kleinbauern zu kaufen und zu verarbeiten. Am Heimatstandort in Holzminden hat Symrise im letzten Jahr seine eigenen Kapazitäten für den weltweit stark nachgefragten Schlüsselrohstoff Menthol verdoppelt. Hauptsächlich setzt Symrise aber dem Marktrend folgend auf natürliche Rohstoffe. Künstliche, auf Erdölbasis erzeugte Aromen und Düfte haben bei Symrise heute nur noch einen Anteil von 25 bis 30 Prozent.

Neben den klassischen Duft- und Geschmackstoffen für Getränke, Nahrungsmittel und Kosmetika sieht Symrise auch gute Wachstumschancen bei Pharmazeutika und Nahrungsergänzungsmitteln. Das Geschäft ist zwar heute noch klein, wächst aber stark. Analysten gehen davon aus, dass Symrise heute schon Erlöse im Millionen-Euro-Bereich damit erzielt. Symrise hilft beispielsweise mit seinen Produkten Arzneimittel wie Hustensäfte wohlschmeckender zu machen. Auch Produkte, die die Gesundheit fördern, haben häufig von Natur aus einen schlechten Geschmack. Bertram nannte als Beispiel den aus Pflanzen gewonnenen Zuckerersatzstoff Stevia, der einen unangenehmen Nachgeschmack hat. "Das ist ein ideales Betätigungsfeld für Symrise, dafür zu sorgen, dass diese unerwünschten Beinoten unterdrückt werden", sagte Bertram.

Neben organischem Wachstum hat Symrise auch Zukäufe weiter auf der Agenda. "Wir haben immer fünf bis zehn Kandidaten auf dem Radarschirm. Derzeit seien die Preise für Übernahmeziele aber immer noch sehr hoch. Interesse an Zukäufen hat Bertram in den USA und in Lateinamerika. Auch weitere Kooperationen mit finanziellen Beteiligungen, wie etwa bei dem schwedischen Unternehmen Probi kürzlich, das probiotische Substanzen für Joghurts und Getränke herstellt, kann sich Bertram vorstellen.

Eine akute Gefahr, dass Symrise selbst übernommen werden könnte, sieht der Manager trotz immer wieder aufkeimender Marktgerüchte nicht. "Symrise steht sehr erfolgreich da und ist sicherlich kein billiges Übernahmeziel mehr", sagte er. Jeder Übernehmer müsste belegen, warum er ein besserer Eigentümer ist. "Im Augenblick wird das eher schwer", sagte er.

Das Unternehmen ist 2003 durch die Fusion der beiden Firmen Dragoco und der ehemaligen Bayer-Tochter Haarmann & Reimer entstanden.

Kontakt zum Autor: heide.oberhauser@dowjones.com

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