• The Wall Street Journal

Nokia-Aktie schießt nach guten Zahlen in die Höhe

    Von SVEN GRUNDBERG und MATTHIAS GOLDSCHMIDT

Der schwer angeschlagene Handyhersteller Nokia schöpft wieder Hoffnung. Dank solider Absätze des Lumia-Smartphones und eines ordentlichen Geschäfts bei seinem Joint Venture Nokia Siemens Networks konnte der finnische Konzern ein überraschend gutes viertes Quartal vermelden. Die Anleger haben auf solche Nachrichten offenbar nur gewartet: Die Aktie legte einen Kurssprung hin und handelte am späten Nachmittag mehr als zehn Prozent im Plus.

Im Zeitraum von Oktober bis Dezember hat Nokia 4,4 Millionen Stück seines Hoffnungsträgers Lumia verkauft. Insgesamt haben die Finnen 6,6 Millionen Smartphones abgesetzt, die Zahl ist erstmals seit einem Jahr wieder gestiegen. Die Investoren schauen besonders auf das Lumia. Die große Frage ist nämlich, ob Nokia in der Lage ist, im Wettbewerb mit Apple, Samsung und anderen Herstellern zu bestehen.

[image] Associated Press

Nokia-Chef Stephen Elop stoppte nach seinem Amtsantritt die eigenen Entwicklungsprogramme zu Smartphone-Betriebssystemen und fädelte stattdessen eine Allianz mit Microsoft ein.

Die steigenden Verkäufe von Smartphones sind zwar gute Neuigkeiten. Insgesamt hat der Umsatz in der Kernsparte des Konzerns "Devices & Services" aber kräftig nachgegeben. Nokia geht von 3,9 Milliarden Euro aus, nach 6 Milliarden im Vorjahr. Alles in allem hat das Unternehmen rund 86,3 Millionen Geräte verkauft. Im Schlussquartal 2011 waren es mit 113,5 Millionen Stück deutlich mehr. Die ersten drei Monate 2013 dürften zudem von einer saisonal bedingten Absatzschwäche belastet werden. Außerdem hat das Unternehmen mit dem scharfen Wettbewerb und Lieferschwierigkeiten bei seinen neuesten Produkten zu kämpfen.

Trotz der Probleme hofft der Markt auf eine Trendwende. Für die Analysten von Carnegie ist angesichts des guten Abschneidens von NSN klar, dass der Turnaround bei Nokia auch ohne Hilfe des Lumia stattfinden kann.

Die meistverkauften Nokia-Handys

Für den Marktstrategen Markus Huber von ETX Capital ist die Serie der Enttäuschungen, die Nokia in der Vergangenheit abgeliefert hat, nun gebrochen. Das Unternehmen befinde sich klar auf dem Wege der Besserung, sagte Huber. Er verweist darauf, dass die in der Vergangenheit angeschobenen Kosteneinsparungen nun beginnen würden, Früchte zu tragen. Die Performance von Lumia dürfte aber angesichts des harten Wettbewerbs nicht so schnell wiederholt werden. Analyst Neil Mawsten von Strategy Analytics sieht den Tiefpunkt überwunden.

Der optimistische Bericht von Nokia kommt im Kielwasser der Markteinführung einer ganzen Reihe neuer Lumia-Geräte, die mit Windows 8 von Microsoft betrieben werden. In einer Telefonkonferenz sagte Konzernchef Stephen Elop, er sei "sehr zufrieden" mit der Kundenreaktion auf die neuen Modelle. Man wolle nun die Auslieferungen steigern und in neue Märkte einsteigen. Man hätte zuletzt sogar noch mehr Lumias verkaufen können, wenn die Lieferprobleme bei wichtigen Komponenten nicht gewesen wären.

Aufstieg und Fall von Nokia

Associated Press

In der Sparte "Devices & Services" geht Nokia für das Schlussquartal 2012 nun von einer bereinigte Rendite von null bis zwei Prozent aus. Zuvor hatte das Unternehmen selbst mit einer Marge von minus sechs Prozent gerechnet. Anfang 2013 dürfte sich die Rendite vor Sonderposten aber wieder auf minus zwei Prozent abschwächen.

Aber nicht nur im Kerngeschäft lief es gut. Der gemeinsam mit der Siemens AG betriebene Netzwerkausrüster NSN hat ebenfalls die Erwartungen übertroffen und eine operative Rendite von 13 bis 15 Prozent erzielt, ein Rekord. Grund dafür ist ein besseres Kostenmanagement - das Gemeinschaftsunternehmen ist derzeit dabei, weltweit 17.000 Stellen abzubauen - und die Konzentration auf renditestärkere Produkte.

Nokia hatte den heftigen Abschwung der vergangenen Zeit schon im dritten Quartal etwas abbremsen können. Bis dahin hatten die Finnen viele Negativ-Schlagzeilen gemacht. Alleine im vergangenen Jahr hatte Nokia die Erwartungen der Aktionäre mit drei Gewinnwarnungen auf den Nullpunkt gebracht. Ende 2012 waren die Erwartungen an die Durchhaltefähigkeit der Finnen so niedrig, dass schon kleine Erfolgsmeldungen oder Übernahmespekulationen ausreichten, um den Aktienkurs wieder kräftig nach oben zu treiben.

Im lukrativen Smartphone-Markt hatte Nokia zuletzt den Anschluss verpasst und war gegenüber Apple und Samsung immer weiter ins Hintertreffen geraten. Um nicht vollständig abgehängt zu werden und Zeit zu sparen, hatte Vorstandschef Stephen Elop kurz nach Amtsantritt 2010 einen radikalen Schnitt gewagt. Er stoppte die eigenen Entwicklungsprogramme zu Smartphone-Betriebssystemen und fädelte stattdessen eine Allianz mit Microsoft ein. Tatsächlich konnte er nach weniger als einem Jahr eine neue Smartphone-Serie präsentieren.

Wie genau Nokia im vierten Quartal und im Gesamtjahr 2012 abgeschnitten hat, wird sich am 24. Januar zeigen, wenn der Konzern seinen Jahresbericht veröffentlichen wird.

—Mitarbeit: Thomas Leppert

Kontakt zum Autor: matthias.goldschmidt@dowjones.com

Copyright 2012 Dow Jones & Company, Inc. Alle Rechte vorbehalten

Dieses Textmaterial ist ausschließlich für Ihre private, nicht kommerzielle Nutzung. Die Verbreitung und die Nutzung dieses Materials unterliegt unserem Abonnentenvertrag und ist urheberrechtlich geschützt.

Georgien

  • [image]

    Die furchterregendste Gondelfahrt der Welt

    Was Besuchern den Angstschweiß auf die Stirn treibt, ist für die Einwohner der georgischen Stadt Tschiatura Alltag. Die Seilbahnen aus der Stalin-Zeit an den Hängen des Kaukasus fahren trotz Rost noch immer.

  • [image]

    Hippe Box aus Licht und Glas in Venice Beach

    Ein Haus aus Licht und Glas, nur einen Steinwurf von dem bunten Treiben auf der Promenade von Venice Beach entfernt, ist unser Haus der Woche. Von der Couch aus blickt man hier direkt in den blauen Himmel über dem Strand bei Los Angeles.

  • [image]

    Die Welt in Bildern: 10. April

    Eine Ostereier-Färbe-Maschine in Nordrhein-Westfalen, frisch gezimmerte Särge in Wien, gewalttätige Polizisten in den USA und Papp-Wahlkandidaten in Indien. Das und mehr sehen Sie in unseren Fotos des Tages.

  • [image]

    Diese Länder sind die Wachstums-Stars

    Die Weltwirtschaft gewinnt weiter an Schwung. Wachstums-Impulse kommen aus den Industrieländern, auch aus Europa. Die höchsten Wachstumsraten sitzen aber woanders. Wir zeigen Ihnen, wo die Wirtschaft am stärksten boomt.

  • [image]

    Wie sich die Nasdaq seit dem Tech-Crash verändert hat

    Vor gut 14 Jahren begann in den USA die Tech-Blase zu platzen. Jetzt bewegt sich der Nasdaq Composite wieder auf dem Niveau von damals. Ist das ein Grund zur Sorge? Wir zeigen, was sich seitdem an der Nasdaq verändert hat und was das für Anleger heute bedeutet.

  • [image]

    Die bestverdienenden Bankenchefs der Welt

    Das vergangene Jahr hat sich für die Chefs der internationalen Großbanken wieder gelohnt. Doch auch in der Liga der Großverdiener gibt es deutliche Klassenunterschiede. Wir haben aufgelistet, wer wie viel erhalten hat.

  • [image]

    Die besten deutschen Aktien –
    und die größten Verlierer

    Die große Rally scheint es in diesem Jahr an den Aktienmärkten nicht zu geben. Der Dax etwa notiert nach den ersten drei Monaten 2014 nur wenig verändert. Umso wichtiger ist es deshalb, die richtigen Aktien herauszupicken. Wir zeigen die größten Gewinner und Verlierer aus Deutschland.

Erwähnte Unternehmen