• The Wall Street Journal

Aktien verkauft, Millionen an Steuern gespart

    Von SCOTT THURM

Im vergangenen Monat drohten den Amerikanern noch deutliche Steuererhöhungen. Erst mit dem Haushaltskompromiss in der Neujahrsnacht wurden diese für die meisten US-Bürger gerade noch abgewendet, nicht aber für die Reichsten. Dutzende Konzernchefs ahnten wohl, dass es nicht gut für sie ausgeht - und verkauften rechtzeitig riesige Aktienpakete. Sie sparten damit Millionen Dollar an Steuern.

Associated Press

Eric Schmidt sold Google shares every month last year except January.

Untersuchungen des Wall Street Journal zufolge verkauften im Dezember, als die Verhandlungen um die Fiskalklippe ihren Höhepunkt erreichten, 58 Vorstände Aktien im Wert von mindestens 10 Millionen Dollar. Am 1. Januar stimmte der Kongress schließlich für höhere Steuersätze auf Einkommen, Kapitalerträge und Dividenden für die Großverdiener.

Kapitalerträge waren davon stärker als andere Arten von Einkommen betroffen, sagt David Kautter, Chef des Kogod Tax Center an der American University in Washington, D.C. "Wenn man diese also auf 2012 vorgezogen hatte, hat man am meisten gespart."

Die meisten Vorstände, die vom Journal angesprochen wurden, sagten entweder, dass Steuerüberlegungen bei Aktienverkäufen im vergangenen Jahr keine Rolle gespielt hätten oder reagierten nicht auf die Anfragen. Aber einige räumten ein, dass die höheren Steuersätze ihre Verkaufsentscheidung beeinflusst hätten.

James L. Dolan, Vorstandschef von Cablevision Systems, übte im November und Dezember Optionsrechte an Cablevision, Madison Square Garden und AMC Networks aus und verkaufte die Aktien dann mit einem Plus von 26 Millionen Dollar. Zuvor hatte Dolan seit mindestens 2009 keine einzige Aktie dieser Unternehmen mehr verkauft. Dolan sitzt im Top Management von Madison Square Garden und AMC, die vor einigen Jahren von der Mutter Cablevision abgespalten wurden.

Ein Sprecher von Cablevision sagte, dass die Steuerpläne eine Rolle gespielt hätten, wollte sich aber nicht näher dazu äußern.

Auch Dolans Vater Charles, Chairman bei Cablevision und AMC und Top Manager bei Madison Square Garden, übte Aktienoptionen der drei Unternehmen aus und verkaufte die Papiere anschließend mit einem Gewinn von 21 Millionen Dollar. Schon im August hatte er ein gutes Geschäft gemacht, als er sich mit einem Plus von 72 Millionen von AMC-Aktien trennte. Laut einem Sprecher wollte sich Dolan Sen. dazu nicht äußern.

Die Pension versüßt

Robert Kauffmann, Mitbegründer der Fortress Investment Group, sagte Ende Dezember, seine Entscheidung, in Pension zu gehen und ein Aktienpaket im Wert von 180 Millionen Dollar an die Private-Equity-Firma zu verkaufen, sei zumindest teilweise von der Sorge um höhere Steuern getrieben gewesen.

„Die aktuell recht attraktiven Steuersätze waren ein wichtiger Faktor", sagt Kauffman. „Es geht schon um eine Menge Geld."

Mit dem Verkauf hat Kauffman tatsächlich Millionensummen gespart. Alleinstehende Vorstände mit Einkommen von mehr als 400.000 Dollar – oder verheiratete mit einem Einkommen von mehr als 450.000 Dollar – die ihre Aktien verkaufen, zahlen seit diesem Jahr 25 Prozent auf ihre Kapitalerträge.

Im vergangenen Jahr waren es lediglich 15 Prozent, sagt Roberton Williams von der unparteiischen Organisation Tax Policy Center. Das ergibt sich aus den höheren Kapitalertragssteuern, den verminderten Abzugsmöglichkeiten sowie einer neuen Steuer, mit der die Gesundheitsreform finanziert werden soll.

Für Vorstände, die ihre Aktienoptionen ausgeübt und dann verkauft haben, seien die Einsparungen durch einen Verkauf noch im Vorjahr geringer gewesen, sagt Kautter. In den meisten Fällen wohl eher im Bereich von 6,7 Prozent der Gewinne.

Der Grund: Optionen werden wie Einkommen besteuert, errechnet aus der Differenz zwischen dem Ausübungspreis und dem aktuellen Aktienkurs. Die Steuer auf Haushaltseinkommen von mehr als 450.000 Dollar stieg auf 39,6 von zuvor 35 Prozent, bei weniger Abzugsmöglichkeiten. Hinzu kommt die neue Steuer für die Gesundheitsreform.

Ob die neue Steuergesetzgebung auch zu Insiderverkäufen geführt hat, ist unklar. Thomson Reuters hat errechnet, dass ranghohe Vorstände und Direktoren im vergangenen Dezember Aktien im Wert von rund vier Milliarden Dollar verkauft haben. Im Februar, März und November verkauften Insider sogar noch größere Summen. Im Vorjahresvergleich kletterte der Insiderhandel 2012 um 28 Prozent auf rund 35 Milliarden Dollar – so viel wie seit 2007 nicht mehr.

Vorstände „haben über das Jahr hinweg stetig ihre Aktien verkauft, weil sie damit gute Gewinne einfahren konnten", sagt Richard Uhl von Thomson Reuters. „Die Fiskalklippe hat keine Rolle gespielt."

Der größte Nutznießer der Dezember-Verkäufe könnte Andrew T. Mack gewesen sein, der Gründer und Vorstandschef von Teavana Holdings. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr der Übernahme durch Starbucks zugestimmt. Vollzug war am 31. Dezember und noch am gleichen Tag verkaufte Mack Teavana-Anteile im Wert von 333 Millionen Dollar. Einen Tag später hätte er für den gleichen Deal wohl rund 20 Millionen Dollar mehr Steuern bezahlt.

Auch Starbucks-Chef Howard D. Schultz trennte sich von Anteilen. Er übte sein Optionsrecht für zwei Millionen Aktien aus, die er im November 2008 bekommen hatte, und verkaufte sie im Dezember für 107 Millionen Dollar. Nach Abzug der Kosten für die Optionen verbuchte Schultz einen Vorsteuergewinn von rund 90 Millionen Dollar, sodass er mit dem ‚rechtzeitigen' Verkauf mindestens sechs Millionen an Steuern gespart hat.

Ein Sprecher sagte, die Steuerpläne hätten „keine Rolle gespielt". Die Gewinne würden die gute Leistung des Unternehmens widerspiegeln. Seitdem er 2008 als Vorstandschef zurückgekehrt sei, habe sich der Kurs mehr als verdreifacht.

James M. Bernhard Junior, Vorstandschef der Shaw Gruppe, wollte nicht so lange warten, bis der Deal unter Dach und Fach war. Er verkaufte seine Aktien am 27. und 28. Dezember für 103 Millionen Dollar, kurz nachdem die Anteilseigner der Übernahme des Maschinenbauers durch Chicago Bridge & Iron genehmigt hatten.

Der Deal, der auf drei Milliarden geschätzt wird, soll erst in einigen Monaten abgeschlossen sein. Die Aktien hatten sich seit Juli, als der Deal bekanntgegeben wurde, um 75 Prozent verteuert. Das Unternehmen war für einen Kommentar nicht zu erreichen.

Andere Vorstände verbuchten im Dezember Gewinne, die denen aus vorherigen Monaten ähnelten. Eric E. Schmidt, Aufsichtsratschef von Google, trennte sich von 153.000 Aktien und nahm damit 108 Millionen Dollar ein. Seit Juli hatte er jeden Monat ähnlich große Pakete verkauft. Insgesamt hat er im vergangenen Jahr Aktien im Wert von knapp 1 Milliarde Dollar verkauft.

Im Vergleich dazu hat sich Vorstandschef Larry Page etwas zurückgehalten. Er trennte sich im Dezember lediglich von 83.000 Google-Aktien und kassierte dafür 57,8 Millionen Dollar. Auch er verkaufte in den vorherigen Monaten ähnlich große Aktienpakete. Google wollte sich dazu nicht äußern.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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