• The Wall Street Journal

Trübe Aussichten bei Boeing

    Von JUSTIN LAHART

Die Pannenserie bei Boeings Prestigeobjekt Dreamliner reißt nicht ab. Das hat dem US-Luftfahrtkonzern Anfang der Woche turbulente Tage an der Börse beschert. Am Mittwoch schienen sich die Anleger jedoch wieder ein wenig beruhigt zu haben: Der Kurs kletterte erstmals in diesem Jahr wieder ins Plus.

Doch die Frage ist, ob sie in ihrem Eifer, die Aktie möglichst billig zu erstehen, nicht einige massive Probleme des Konzerns übersehen.

dapd

In solch einem Dreamliner hatte die Batterie Feuer gefangen.

Derzeit äußert sich das Unternehmen nicht zum Brand einer Batterie am vergangenen Montag, denn die nationale Transportsicherheitsbehörde (NTSB) hat ihre Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Es handelte sich dabei um eine Boeing 787 der Japan Airlines, die am Boston Logan Flughafen geparkt war.

Allerdings verteidigte Boeing die im japanischen Flugzeug verbauten Lithium-Ionen-Batterien und sagte, diese seien sicher. Auch mehrere Probleme, die im Dezember mit der Elektronik aufgetreten waren, verharmloste der Konzern. Beachtenswert: Weder die amerikanische NTSB noch japanische Behörden haben dem Dreamliner bisher Startverbot erteilt und auch die Fluggesellschaften belassen ihre 787er weiter in der Luft.

Boeing unter Druck

Und Boeing kann sich erst recht keine Zwischenfälle leisten. Denn nachdem sich der Produktionsstart um mehr als drei Jahre verzögert hatte, kann Boeing bisher nichts als Milliarden an Kosten vorweisen. Der Tag, an dem der Konzern mit seinem neuesten Modell endlich schwarze Zahlen schreibt, rückt gerade erst in greifbare Nähe.

So lieferte das Unternehmen in 2012 mit 46 Flugzeugen sogar mehr aus als ursprünglich zu Beginn des Jahres erwartet. In diesem Jahr sollen es mehr als 80 werden. Die US-Sicherheitsbehörde NTSB könnte dem jedoch einen Strich durch die Rechnung machen, wenn sie Sicherheitsmängel findet.

Schlimmer noch, Fluggesellschaften könnten ihre Auslieferung zurückstellen lassen, warnt Bob Mann von R.W. Mann & Co., Berater in der Luftfahrtbranche.

„Vorausgesetzt in den kommenden Wochen passieren nicht noch mehr Patzer, dann wird wahrscheinlich Gras über den Vorfall wachsen", sagt Mann. „Ich glaube, jeder drückt die Daumen."

Aber die Probleme mit dem Dreamliner sind nicht die einzigen von Boeing.

Beispielsweise ist immer noch unklar, welche Kürzungen die Regierung in Washington in diesem Jahr möglicherweise noch beschließt. Auch wenn sich Anleger eher auf die kommerzielle Flugzeugsparte konzentrieren, die üblicherweise der Umsatztreiber ist: Der Rüstungszweig mit mehr als 40 Prozent Umsatzanteil könnte demnächst stark unter Druck geraten.

Zwar wurden erst einmal jegliche Haushaltskürzungen bis zum ersten März aufgeschoben, aber aufgehoben sind sie deshalb nicht. Selbst wenn der Kongress nicht alle geplanten Einschnitte durchwinkt, so ist es doch sehr wahrscheinlich, dass die Militärausgaben drastisch gekürzt werden.

Experten zufolge könnte es auch auf dem kommerziellen Flugzeugmarkt in Zukunft ruhiger werden. Denn günstige Finanzierungsmodelle und energieeffizientere Modelle hatten in der Vergangenheit die Nachfrage nach neuen Flugzeugen schneller steigen lassen, als es die Zahl der Flugpassagiere und abgeschriebenen alten Maschinen erforderlich gemacht hätten, sagt David Strauss, Analyst bei der UBS .

Die Nachfrage sei zuvor angekurbelt worden und würde sich dadurch in den kommenden Jahren abschwächen. Im schlimmsten Fall würde das bedeuten, dass die noch ausstehenden Aufträge auf der Auftragsliste von Boeing und Konkurrent Airbus nicht so sicher sind wie sie scheinen – und die Patzer des Dreamliner verringern dieses Risiko sicher nicht.

Investoren, die derzeit in der Hoffnung auf schnelle Kurssteigerungen Aktien kaufen, müssen sich also etwas länger gedulden.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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