• The Wall Street Journal

Intel will Fernsehen machen

    Von DON CLARK

DANA POINT – Der amerikanische Chiphersteller Intel will bis Jahresende ein eigenes Internetfernsehen anbieten. Für das Unternehmen, das seine Pläne am Dienstag auf einer Branchenkonferenz in Kalifornien erstmals öffentlich machte, wäre das ein gewagter Schritt. Bisher hat der Konzern so gut wie keine Erfahrung im direkten Endkundengeschäft.

Noch hat Intel nicht gesagt, wie der neue Dienst heißen soll und wieviel er kosten wird. Klar ist nur, dass das Angebot einen neuen, nicht mit Intel zusammenhängenden Markennamen bekommt.

[image] AllThingsD

Erik Huggers plant den neuen TV-Dienst von Intel.

Eine Reihe anderer Unternehmen versucht ebenfalls gerade, das Fernsehen zu verändern, darunter Technologieriesen wie Apple, Microsoft und Google . Intel aber will sich aus der Masse der Konkurrenten abheben und verspricht ein einzigartiges Fernseherlebnis.

Der Konzern will verschiedene TV-Programme – teils live, teils aufgezeichnet –und einen eigenes Empfangsgerät für die digitalen Programme, die so genannte Set-Top-Box, anbieten. Intels Fernsehangebot soll wesentlich leichter zu bedienen sein als die bisher auf dem Markt vorhandenen Geräte von Kabel- und Satellitenfirmen, sagte Erik Huggers, der die zuständige Abteilung für neue Medien bei Intel leitet.

Intels neues Fernseh-Empfangsgerät soll mit den konzerneigenen Chips betrieben werden und beinhaltet gleichzeitig eine hochauflösende Videokamera und ein Mikrofon. Das soll dann das digitale Fernsehen zu einem neuartigen Familienerlebnis machen.

Laut Huggers könnten Eltern mit Hilfe der Kamera sicherstellen, dass ihre Kinder nichts Verbotenes schauen. Die Gesichtserkennungstechnik ließe sich so einstellen, dass der Zuschauer automatisch nur die für ihn geeigneten Programme sehen kann. Außerdem ließen sich Videokonferenzen einfacher organisieren und man könnte sich mit der Technik sogar aus verschiedenen Orten zum gemeinsamen Fernsehschauen zusammenschalten. Wer lieber seine Ruhe haben wolle, könne die Kamera über eine Blende auch praktisch ausschalten. „Ich glaube, wir können eine unglaubliche Erfahrung liefern", sagte Huggers.

Trotzdem bleibt erhebliche Skepsis an Intels großen Plänen. Der Konzern muss, um wie andere in dem Bereich mitmischen zu können, mit Dritten über die Rechte für Fernseh- und Videoinhalte verhandeln. Huggers sagte, dass solche Verhandlungen bereits liefen, wollte aber keine Einzelheiten nennen.

Auch einen der häufigsten Kritikpunkte von Kabelfernsehkunden wird Intel nach eigener Aussage vorerst nicht aus der Welt räumen. So beschweren sich Kunden darüber, dass sie Kabelfernsehen nur im Programmpaket kaufen können und automatisch Sender bekommen, die sie gar nicht interessieren. Laut Huggers sind die Unternehmen, die die Inhalte liefern, aber noch „nicht bereit", reines Fernsehen à la carte zu liefern. Intel glaubt trotzdem, dass seine Programmauswahl „intelligenter" oder „bequemer" sein wird. Intel rechnet auch nicht damit, dass es seinen neuen Dienst billiger anbieten kann als das bereits bestehende Kabelfernsehen. Dafür sei das Erlebnis ein besseres, behauptet Intel-Manager Huggers.

Video auf WSJ.com

Intel's Erik Huggers took the stage with Walt Mossberg at D: Dive Into Media on Tuesday to talk about the company's forthcoming TV device that he describes as revolutionary.

Analysten wie Paul Zwillenberg, ein Partner der Unternehmensberatung Boston Consulting Group in London, sind gespannt. Wenn der neue Intel-Dienst und seine Set-Top-Box die Nachfrage nach Videodienstleistungen steigere, gäbe es keinen Grund, warum Fernsehproduzenten sich dem verschließen sollten, sagt er. „Ich glaube, es ist nur gut für die Branche".

Aber Intel hat seine Computerchips bisher vor allem an Computerhersteller und nicht an Endkunden verkauft. Huggers sieht auch darin kein Problem. Er selbst hat früher beim britischen Rundfunk BBC gearbeitet und dort einen viel beachteten Dienst namens iPlayer auf die Beine gestellt. Nun arbeitet unter ihm ein ganzes Team erfahrener Digitalfernsehspezialisten, die weitgehend unabhängig von Intels Hauptgeschäft arbeiten. Überhaupt: Microsoft habe doch etwas sehr ähnliches gemacht, als er die Videospielkonsole Xbox auf den Markt brachte, betont Huggers.

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