• The Wall Street Journal

Barclays-Bank enttäuscht mit Umbau light

    Von SIMON NIXON

Der neue Barclays -Chef Antony Jenkins will der Welt glauben machen, dass seine neue Strategie für die angeschlagene britische Großbank ein radikaler Umbruch ist. Doch das PR-Schlagwort der kulturellen Revolution, das Jenkins so gerne benutzt, hat schon sein Vorgänger Robert Diamond ständig im Mund geführt. Und auch sonst hat sich wenig geändert bei der Bank, die unter Diamond tief im Libor-Skandal um gefälschte Leitzinssätze versunken war.

Von 75 Geschäftseinheiten will Jenkins gerade mal vier schließen – die machen nicht mehr als 1,3 Prozent des Umsatzes aus dem vergangenen Jahr aus. Weitere 32 Bereiche, die zusammen ein Fünftel des Umsatzes einspielen, werden beschnitten. Aber den Großteil des Unternehmens hat Jenkins in Ruhe gelassen. So bleibt Barclays, was es ist: Eine große US-Investmentbank, verbunden mit einer großen britischen Geschäftsbank und einem kleineren Filialgeschäft in Afrika.

dapd

Die Barclays-Bank überzeugt nicht mit ihrem Umbauprogramm.

Das Herzstück von Jenkins' Plan ist, Kosten zu senken und gleichzeitig den Umsatz zu erhöhen. Anleger sollten im Hinterkopf behalten, dass das auch der Plan seines jetzt so unbeliebten Vorgängers Lex Diamond war. Der dachte, er könnte die Ausgaben um umgerechnet 1,4 Milliarden Euro zusammenstreichen, und gleichzeitig die Einnahmen um sieben Milliarden ankurbeln. So sollte Barclays im Jahr 2013 auf eine Rendite von 13 Prozent kommen. Tatsächlich fiel der Umsatz zwischen 2010 und 2012 um 2,8 Milliarden Euro – so kam die Bank im vergangenen Jahr auf eine Marge von gerade mal 7,8 Prozent.

Jetzt will Jenkins die Kosten um zwei Milliarden Euro kürzen – ein Zehntel der Ausgaben – und risikogewichtete Vermögenswerte um 16 Prozent zusammenschrumpfen. So soll die Bank bis 2015 eine Rendite von mehr als 11,5 Prozent abwerfen. Die Rechnung setzt aber voraus, dass die Gewinne im Jahr 2015 die Erwartungen der Analysten um 30 Prozent übertreffen. Zwar schließen die Investoren das nicht aus, wie ein Sprung des Aktienpreises um 8,6 Prozent am Dienstag nahelegt – aber es gibt Risiken.

Viel hängt an den Märkten. Und daran, ob Jenkins – der seine Karriere im Privatkundengeschäft gemacht hat – sich die Investmentbanker warmhalten kann, auch wenn er in dem Bereich Tausende von Angestellten herausschmeißt.

Auch die Bankenaufsicht ist ein Risiko für Barclays. Nicht zuletzt in Großbritannien – dort könnten die Behörden der Bank beträchtliche Zusatzkosten aufdrücken, und einen teuren strukturellen Wandel erzwingen. Noch liegt die harte Kernkapitalquote nach Basel III mit 8,2 Prozent ziemlich niedrig. Wenn die Bank ihr Gewinnziel nicht erreicht, dürfte es Jenkins somit schwer fallen, 30 Prozent des Gewinns als Dividende auszuschütten.

Manche Anleger argumentieren, dass die Bank mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,7 an der Börse billig zu haben sei – ähnliche Bewertungen haben die Papiere der Royal Bank of Scotland, und die macht noch immer Verluste. Eine andere Erklärung des niedrigen Kurses ist allerdings, dass der Markt das Anlagevermögen der Bank anders bewertet als Barclays selbst.

Jenkins mag viel von Kulturwandel reden, aber tatsächlich hat er bisher nichts getan, um den Investoren ihr Misstrauen in die Bilanzen der Barclays-Bank zu nehmen. Irgendwann wird das Geldhaus tatsächlich radikal mit seiner Vergangenheit brechen müssen – aber der Umbau, der jetzt in die Wege geleitet wurde, tut das nicht.

Kontakt zum Autor: redaktion@wallstreetjournal.de

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